Fest zum Preußisch Oldendorfer Jubiläum mit Ausstellung
Ohne König keine Stadt

Preußisch Oldendorf (WB). Der Grund, warum der preußische König Friedrich Wilhelm I. Oldendorf die Stadtrechte verlieh war simpel: Nur so konnte er von den Bürgern Steuern kassieren. »Ist das heute noch ein Grund zu feiern?«, hat Historiker Sebastian Schröder beim Festakt zu 300 Jahren Stadtrechte Preußisch Oldendorf gefragt. Und die Antwort lieferte er gleich mit.

Samstag, 04.05.2019, 08:25 Uhr aktualisiert: 06.05.2019, 08:16 Uhr
Was schenkt man einer Stadt? Das haben sich die Vertreter der Kanaldörfer gefragt. Bürgermeister Marko Steiner (von links) haben Andrea Meier (Heimatverein Lashorst), und die Ortsheimatpfleger Ralph Wellmann (Schröttinghausen), Friedhelm Koch (Hedem) und Heinrich Große-Dunker (Getmold) eine Baumscheibe überreicht, auf der Daten aus der Stadtgeschichte Preußisch Oldendorfs verewigt sind. Foto: Arndt Hoppe

»Allein das Edikt des Königs aus dem Jahr 1719 trennte die Stadt vom Dorf«, erklärte der Geschichtswissenschaftler, der den geladenen Gästen in der Mensa der Sekundarschule die historische Besonderheit der Stadt am Wiehen erklärte. Zu dieser Zeit habe Oldendorf aus 50 Häusern mit 77 Familien, 389 Einwohnern, 33 Pferden und 146 Kühen bestanden. Der als »Soldatenkönig« bekannte Friedrich Wilhelm I. verlieh noch sieben weiteren Dörfern und Flecken in der Grafschaft Ravensberg die Stadtrechte. Um sein Heer dauerhaft zu finanzieren, führte er mit diesem Status gleichzeitig die sogenannte Akzise ein, eine Abgabe vergleichbar mit der heutigen Umsatzsteuer.

Die Kinder der Grundschule Preußisch Oldendorf haben unter Leitung von Lehrerin Petra Ellemund die Gäste des Festaktes mit Liedern erfreut.

Die Kinder der Grundschule Preußisch Oldendorf haben unter Leitung von Lehrerin Petra Ellemund die Gäste des Festaktes mit Liedern erfreut. Foto: Arndt Hoppe

Damit seien, so Schröder auch Rechte verbunden gewesen, unter anderem zum Ansiedeln von Händlern und Manufakturen. »Die Preußisch Oldendorfer traten ihren Landesherrn aber immer sehr selbstbewusst entgegen und nahmen ihre Geschichte selbst in die Hand«, sagte Schröder. Sich damit zu befassen, könne heute noch ermutigen, Engagement für die Stadt zu zeigen.

Vor 1050 Jahren das erste Mal erwähnt

Vor diesem historischen Exkurs hatte Bürgermeister Marko Steiner die Festgäste begrüßt, die anlässlich des Jubiläums in die Sekundarschule gekommen waren. Dazu zählten neben Landrat Ralf Niermann und Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl viele weitere Vertreter aus Politik und Gesellschaft. So hieß Steiner neben zahlreichen Bürgermeistern aus Nachbarkommunen auch zwei seiner Vorgänger willkommen sowie Ratsmitglieder und Vertreter aus den Dörfern des Stadtgebietes.

Der Bürgermeister ließ nicht unerwähnt, dass der Ort erstmals vor 1050 Jahren als »Altenthorpe« erwähnt wurde und dieses Jubiläum gemeinsam mit der Stadtrechtefeier in diesem Jahr begangen wird. Besonders bedankte sich Steiner bei drei Herren, die sich intensiv mit der Geschichte des Stadt befasst haben: Stadthistoriker Dieter Besserer, Stadtarchivar Helmut Recker und Stadtheimatpfleger Karl Wilhelm Finke. Letzterer habe sich sehr für die Feier des Jubiläums im Rahmen des Stadtfestes (»Platz der Dörfer«) am kommenden Wochenende eingesetzt. »Außerdem begrüße ich auch seine Initiative zur Gründung der ›Gemeinschaft Kirchspiel Preußisch Oldendorf‹, der ich viel Erfolg wünsche«, sagte der Bürgermeister.

Dieter Besserer stellte den Zuhörern sein gerade frisch erschienenes Buch vor. Der Titel »300 Jahre Stadtgeschichte Preußisch Oldendorf, 1050 Jahre Altenthorpe« gibt eine Idee von dem, was der Stadthistoriker auf 847 Seiten von der Zeit Karls des Großen bis in die jüngste Geschichte darstellt.

»Perle der Region«

Landrat Niermann lobte Preußisch Oldendorf mit seien Kurorten als »touristisches Schwergewicht« und »Perle der Region«: »Es ist schön, lebendig und dabei überschaubar.« Marianne Thomann-Stahl sagte, dass NRW im Vergleich zu Preußisch Oldendorf ein »junger Hüpfer« sei. Die Stadt sei ein wichtiger Baustein in der Region. Außer den Pfarrern Michal Weber und Karl-Heinz Graute hatten unter anderem auch die Ortsheimatpfleger der vier Kanaldörfer einen Gruß zum Jubiläum vorbereitet. Sie überreichten dem Bürgermeister eine Baumscheibe auf der Schilder mit historischen Eckdaten aufgebracht waren.

Die Moderation des Nachmittags übernahm Touristikleiter Christian Streich. Für frischen musikalischen Wind sorgten die Kinder der Grundschule mit fröhlichen Liedern. Vor dem Kaffeetrinken, das der Förderverein der Sekundarschule Preußisch Oldendorf organisierte, eröffnete Historiker Sebastian Schröder noch die Wanderausstellung über die »300 Jahre Stadtrechte der Akzisestädte«. Sie ist ab Montag bis zum 20. Juni in der Volksbank an der Mindener Straße in Preußisch Oldendorf zu sehen.

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