Sanierungsarbeiten in St. Dionysius kosten 220.000 Euro – Kirche ab Juni gesperrt Säulen aus Sandstein lösen sich auf

Preußisch Oldendorf  (WB). Die beiden tragenden Säulen im nördlichen Schiff der St.-Dionysius-Kirche verlieren seit Jahren an Substanz. Schuld daran ist der hohe Salzgehalt im Teutoburger Sandstein: Das Salz wird von der Luftfeuchtigkeit ausgewaschen und die Steine lösen sich ganz langsam auf. Die notwendige Renovierung kostet 220.000 Euro.

Von Arndt Hoppe
Pfarrer Michael Weber zeigt, wie viel Material in wenigen Tagen von der Säule rieselt. Noch ist die Stabilität nicht akut gefährdet, aber die Renovierung ist unumgänglich.
Pfarrer Michael Weber zeigt, wie viel Material in wenigen Tagen von der Säule rieselt. Noch ist die Stabilität nicht akut gefährdet, aber die Renovierung ist unumgänglich. Foto: Arndt Hoppe

»Ich beobachte den Verfall schon seit vielen Jahren. Und es ist schon häufig diskutiert worden, dass da etwas passieren muss«, sagt Küster Friedrich Heilgendorff, der seit mehr als 20 Jahren als Hausmeister für die Kirche zuständig ist. »Irgendwie wollte es keiner wahr haben.« Doch inzwischen ist die Gemeinde zu der Erkenntnis gelangt, dass man den Zustand nicht länger ignorieren kann. »Es ist deutlich zu erkennen, wie porös die Steine mittlerweile sind«, sagt auch Pfarrer Michael Weber, der in anderen Gemeinden vielfach Erfahrungen mit Renovierungen gesammelt hat, unter anderem in Alswede.

Alte Säulen 1510 nach Brand weiter verwendet

Ein wesentlicher Punkt dabei ist, dass der Sandstein das tragende Element in der Konstruktion ist. Das Innere der trommelartig gebauten Säulen ist mit Ziegelsteinbruch und Kalkschutt aufgefüllt, aber das Gewicht trägt die Steinummantelung. »Die betroffenen Säulen sind weit älter als die beiden auf der gegenüberliegenden Seite«, erklärt Weber. »Die 969 erstmals erwähnte Kirche brannte im Jahr 1506 ab, wurde aber schon 1510 wieder aufgebaut. Dabei wurden unter anderem die beiden Säulen weiter verwendet «, erzählt Weber. »Das heutige südliche Schiff wurde erst im Jahr 1905 nachträglich angebaut und erhielt zwei baugleiche Säulen aus anderem Material.« Der betreffende Teutoburger Sandstein wurde dafür nicht verwendet.

Vor einigen Jahrzehnten wurde unter dem Sockel der alten Säulen, die leicht schief stehen, bereits eine Schutzschicht eingezogen, um zu verhindern das Feuchtigkeit von unten hochzieht. Neue geologische Gutachten sollen ergründen, wie der Untergrund beschaffen ist. »Die Untersuchungen haben ergeben, dass die Fundamente der Kirche trocken sind«, erklärt Michael Weber. »Der salzige Stein zieht offenbar die Feuchtigkeit aus der Luft, das Salz blüht aus und der Stein löst sich auf.« Dieser Prozess scheine mit dem Einbau einer Heizungsanlage begonnen zu haben, sagt Friedrich Heilgendorff. Denn auf einer Fotografie aus dem Jahr 1905 seien noch keinerlei Schäden erkennbar. Selbst die Streben, die sich in die Gewölbedecke ziehen, sind inzwischen betroffen.

Finanzielle Förderung durch Landesprogramm

»Wenn wir jetzt nicht etwas unternehmen, dann laufen wir Gefahr, dass irgendwann die Stabilität des Dachs in Mitleidenschaft gezogen wird. Und so etwas geht schnell in die Millionen«, sagt Pfarrer Weber. Daher habe sich die Kirchengemeinde entschlossen, die Renovierung der Säulen endlich in Angriff zu nehmen. »Mit ausschlaggebend war, dass die neue Landesregierung ein Förderprogramm für den Denkmalschutz aufgestellt hat.« Erst seit Februar stand der Förderrahmen fest, so dass es mit der Antragstellung schnell gehen musste. »Die Firma Restaurierungen Meyer aus Preußisch Oldendorf wurde zu Rate gezogen, wie der Schaden behoben werden kann«, sagt Weber. Mit den weiteren Planungen ist das Architekturbüro Horstmann & Woltmann betraut. Klar sei, dass während der Maßnahme die Empore abgebaut werden müsse. Außerdem müssen der Altar und die gerade frisch renovierte Orgel eingehaust werden, damit sie durch den Baustaub keinen Schaden nehmen. Die Ausschreibungen für die Arbeiten laufen und sollen schon im April abgeschlossen sein.

Der Zeitplan

»Alles muss schnell gehen, denn die Förderung vom Land gibt es nur, wenn die Maßnahme schon vor Weihnachten umgesetzt ist«, sagt Michael Weber. Für die Dauer der Restaurierung kann die Kirche nicht genutzt werden. »Wir können noch die Konfirmationen und Jubiläumskonfirmationen feiern. Aber die letzte Veranstaltung ist am 27. Mai. Ab Juni soll gebaut werden.« Weber hofft, dass die Arbeiten schon bis zum »Ewigkeitssonntag« fertig sind. »Es wäre schön, wenn wir die Kirche dann wieder nutzen könnten. Noch schöner wäre Erntedank, aber das ist wohl unrealistisch.«

Die Finanzierung

Wie viel von den benötigten 220.000 Euro durch die Landesförderung zustande kommen, ist noch unklar. »Üblicherweise liegt die Förderquote für solche Maßnahmen bei etwa einem Viertel«, sagt Michael Weber. »Zehn Prozent steuert der Kirchenkreis Lübbecke bei und mit 1000 Euro unterstützt uns die Kirchenkreisstiftung.« Den Rest muss die Preußisch Oldendorfer Kirchengemeinde aus Rücklagen und durch Spenden finanzieren.

Trost findet Pfarrer Michael Weber in größeren Zeitdimensionen: »Wenn solch eine Reparatur nur alle 500 Jahre vorkommt, dann können wir eigentlich zufrieden sein.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5627523?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516040%2F