Jens Spahn bei Fachgespräch zum Thema Ärztemangel auf dem Land Am Geld allein liegt es nicht

Bad Holzhausen (WB). In vielen Arztpraxen im Mühlenkreis fehlen in absehbarer Zeit Nachfolger. »Wie können wir die medizinische Versorgung von Morgen sicherstellen?« lautete daher die Frage, zu deren Beantwortung der CDU-Kreisverband den Experten Jens Spahn in die Rehaklinik Holsing Vital eingeladen hatte.

Von Arndt Hoppe
Jens Spahn, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, hat 13 Jahre lang Gesundheitspolitik gemacht. CDU-Landtagskandidatin Bianca Winkemann hört ihm Aufmerksam zu.
Jens Spahn, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, hat 13 Jahre lang Gesundheitspolitik gemacht. CDU-Landtagskandidatin Bianca Winkemann hört ihm Aufmerksam zu. Foto: Arndt Hoppe

Spahn ist Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, kann aber auf 13 Jahre in der Gesundheitspolitik zurückblicken. Dass er nach wie vor sattelfest in diesem Thema ist, zeigte er bei dem Fachgespräch in Bad Holzhausen. Die CDU-Landtagskandidatinnen aus dem Mühlenkreis, Bianca Winkelmann und Kirstin Korte, begrüßten unter den etwa 50 Gästen die Bürgermeister Marko Steiner (Preußisch Oldendorf), Bert Honsel (Rahden) und Kai Abruszat (Stemwede) sowie Fachleute und interessierte Bürger.

Lebenerwartung steigt täglich um sechs Stunden

»Ich beginne immer gern mit einem Drei-Minuten-Werbeblock«, sagte Jens Spahn und stellte dar, wie gut es den Menschen in Deutschland heute gesundheitlich geht. »Meine Lieblingsziffer lautet: Die Lebenserwartung steigt jeden Tag um knappe sechs Stunden.« Zu Bismarks Zeiten habe sie noch bei 35,9 Jahren gelegen.

Eine wichtige Frage im Bezug auf die Zukunft im ländlichen Raum sei, wie kleine Orte eigenständig bleiben könnten. Dass der Mühlenkreis die »schönste Region der Welt« sei (nach seiner Heimat, dem westlichen Münsterland), reiche nicht aus, um das Land für junge Mediziner attraktiv zu machen. Dazu gehörten auch infrastrukturelle Angebote wie Schulen oder auch Breitbandversorgung.

Es gibt nicht »die eine Maßnahme«

»Es gibt nicht ›die eine Maßnahme‹, die junge Ärzte in die Region bringt. Wir haben in den vergangenen Jahren mehrere erfolgreich ergriffen«, sagte Jens Spahn. So sei die finanzielle Situation verbessert worden. Die vergangenen vier Jahre seien die ersten Jahre mit einer Gesundheitspolitik ohne ein Spargesetz gewesen. »Ein Hausarzt auf dem Land kann heute richtig gut verdienen.« Den Arbeitszeiten von Ärzten komme laut Spahn unter anderem das Zusammenlegen der Notdienstbezirke und die Unterstützung von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und Gemeinschaftspraxen zugute. Studenten würden vielfach verpflichtet, Praxiserfahrungen auch im ländlichen Raum zu machen: »Das Beste Gegenmittel gegen Bilder im Kopf ist Erleben.«

Zuhörer Dr. Joachim Fuchs meldete sich bei der anschließenden Fragerunde. Er leite zwei Praxen in Oberlübbe und Löhne, obwohl er im Ruhestand sei: »Ich finde keine Nachfolger. Ich habe Angst aufzuhören. Kann es sein, dass sich junge, niederlassungswillige Ärzte nicht dem Regressdruck stellen wollen?«, fragte er. Darauf sagte Jens Spahn, dass die Zahl der Regresse in den vergangenen Jahren um 99 Prozent zurückgegangen seien. Das Problem sei in Westfalen zum Teil hausgemacht. Es sei bei Heilmitteln oft so wenig verschrieben worden, dass der Durchschnittswert gesunken sei und erst nach und nach wieder angehoben werden könne.

Holsing macht sich für Reha stark

Gastgeber Jens Friedrich Holsing machte sich für die Reha stark. Er plädierte für die Möglichkeit der Direkteinweisung vom Hausarzt in die Rehabilitation, ohne die Kassen dazwischen schalten zu müssen. Jens Spahn sah dabei das selbe Risiko wie bei der Arzneiverschreibung ohne Budget: »Es besteht das Problem, dass es Leute gibt, die mehr verschreiben als notwendig.« Holsing kritisierte, dass die Reha nur 1,5 Prozent der Gesundheitsetats ausmache. Darauf entgegnete Jens Spahn, dass der Etat insgesamt seit Jahren kontinuierlich gestiegen sei und dass auch alle anderen wie Hebammen oder Apotheken nicht zu kurz kommen wollen.

Fachgespräch ist nur ein Auftakt

Die Präsidentin des Verbandes Deutscher Privatkliniken Dr. Katharina Nebel kritisierte, dass im Vergleich zur Diagnostik zu wenig in die Therapie investiert werde. Jens Spahn stimmte zu, dass die Reha sich schnell rechne, wenn dadurch eine Pflegebedürftigkeit verhindert oder herausgezögert werde. Grundsätzlich spreche er sich dafür aus, dass die Pflegekassen die Rehakosten tragen. »Solange die Kostenträgerschaft sich nicht verändert, wird sich an dem Problem nichts ändern.«

Bianca Winkelmann bedankte sich bei der gastgebenden Familie Holsing und kündigte an, dass sie dieses Expertengespräch nur als Auftakt ansehe. »Wir werden das wichtige Thema auch über die Wahl hinaus weiter verfolgen.«

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