Oldendorfer Peter Henning beklagt fortwährende »Übergriffe« von Jugendlichen Steter Ärger zehrt an den Nerven

Preußisch Oldendorf  (WB). Als Peter Henning und seine Ehefrau Ursula vor etwa vier Jahren von Bielefeld nach Preußisch Oldendorf gezogen sind, waren sie voller Freude über ihr schönes Haus in zentraler Lage. Doch inzwischen hat regelmäßiger Ärger mit Jugendlichen nach eigenen Aussagen die Freude sehr getrübt.

Von Arndt Hoppe
Peter Henning dokumentiert die »Übergriffe« gegen ihn und sein Eigentum. Er verwahrt Korrespondenz mit Behörden und Böller auf und fotografiert den »Vandalismus«.
Peter Henning dokumentiert die »Übergriffe« gegen ihn und sein Eigentum. Er verwahrt Korrespondenz mit Behörden und Böller auf und fotografiert den »Vandalismus«. Foto: Arndt Hoppe

»Es fing mit Klingelstreichen an, dann wurden immer wieder Böller oder Flaschen auf das Grundstück geworfen oder Pflanzen aus den Blumenkübeln gerissen«, beschreibt der verärgerte 62-Jährige seine Erfahrungen. Insgesamt ha sei er 33 Mal Opfer solcher »Übergriffe« geworden, die nach seinen Angaben von »Jugendbanden« in Preußisch Oldendorf verübt würden. Einmal sei sogar die Garage aufgebrochen worden und ein Sprengkörper hineingeworfen worden. »Dabei sind darin Gasflaschen vom Campingkocher und andere Dinge gelagert. Das hätte gefährlich werden können.«

Drei Strafanzeigen an drei Tagen

Seit Freitag habe er drei Strafanzeigen innerhalb von drei Tagen gestellt. »Diesmal wurden die schweren Beton-Blumenkübel vor meinem Haus umgeworfen, und kleine Lebensbäume herausgerissen«, sagt Peter Henning. Er ist sich sicher, dass als Täter mehrere Jugendliche aus einer Gruppe in Frage kommen, die er selbst regelmäßig in der Stadt sieht. Mehrfach habe er sie bereits angesprochen, wenn sie geklingelt und Böller geworfen hätten. Als Reaktion habe er lediglich Beleidigungen geerntet, einer der Angesprochenen habe ihm sogar gedroht: »Wenn Sie mich anfassen, mache ich Sie platt.«

Auch an die Polizei und das Preußisch Oldendorfer Ordnungsamt hat sich Peter Henning bereits mehrfach im Verlauf der sich immer weiter aufschaukelnden Situation gewendet, um diese Vorfälle zur Anzeige zu bringen. Zu den angezeigten Vergehen zählen außerdem Beleidigung, Hausfriedensbruch und Ruhestörung. Er selbst führt akribisch Buch, bewahrt die Korrespondenz mit den Behörden auf und verwahrt sogar die Böller, mit dem jeweiligen Datum versehen, einzeln in Tüten verpackt in einer Dose auf. Ehefrau Ursula Henning erklärt, dass sie sich nachts kaum noch vor die Tür traue. »Wir leben ja schon immer auf das nächste Wochenende hin«, sagt Peter Henning, denn in den Nächten von Freitag auf Samstag sei regelmäßig etwas passiert.

Polizei schickt extra Streifen

Henning berichtet auch davon, dass er einmal jugendliche Täter, die einen russischen Akzent gehabt hätten, gestellt habe, bis die Polizei vor Ort war. Die Beamten hätten den etwa 14- bis 16-jährigen offenbar betrunkenen Jugendlichen erklärt, sie sollten den Alkohol weggießen und nach Hause gehen. Die Staatsanwaltschaft habe bislang alle angestrengten Verfahren eingestellt. »Ich mache der Polizei selbst keinen Vorwurf. Sie hat sogar auf meine Anfrage hin am vergangenen Wochenende zwei Mal einen Wagen Streife fahren lassen.«

Die Kreispolizei bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung, dass die Kollegen die Anzeigen von Peter Henning bearbeiten und Ermittlungen anstellen. Welche Konsequenzen die Staatsanwaltschaft daraus ziehe, liege nicht in ihrer Entscheidung. Auch Erik Pollert vom Ordnungsamt der Stadt Preußisch Oldendorf erklärte auf Anfrage, dass Henning mehrfach auf Missstände hingewiesen habe. »Wir nehmen solche Hinweise aus der Bevölkerung immer ernst. Wir haben uns selbst ein Bild gemacht und im Rahmen unseres Ermessens darauf reagiert.«

»Schweigen ist ganz verkehrt«

Peter Henning selbst hat das Gefühl, dass dem Staat und den Behörden die Hände gebunden seien, so dass nicht effektiv gegen solche »Übergriffe« Jugendlicher vorgegangen werden könne. Er empfindet zudem eine zunehmende Verunsicherung wegen Überfällen und Einbrüchen in der Stadt. »Wieso engagieren sich nicht mehr Bürger in Oldendorf gegen diese Sachen?«, fragt er. »Ich habe das Gefühl, dass sich andere Leute hier nicht trauen, auf diese Missstände aufmerksam zu machen.« Gleichzeitig hofft er darauf, andere Oldendorfer mit seiner Geschichte wach zu rütteln.

Der 62-Jährige erwägt, sein Eigentum mit Zäunen oder Stacheldrähten zu schützen, auch wenn es ihm nicht recht behagt. Seine Frau sagt sogar: »Wir überlegen schon, ob wir überhaupt noch hier wohnen bleiben.«

Doch Wegziehen kommt für Peter Henning nicht in Frage. Er hofft auf Unterstützung der Mitbürger und findet: »Schweigen ist ganz verkehrt. Vertuschen bringt nichts. Miteinander reden ist besser als nur übereinander.«

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