Insolvenzverwalter bietet Hüffe beim englischen Auktionshaus Sotheby’s an Kein Erbe will das Schloss

Preußisch Oldendorf (WB). Die Erbstreitigkeiten rund um das Schloss Hüffe sind beigelegt. Alle im Testament genannten Erben haben nach Angaben des Insolvenzverwalters das Erbe ausgeschlagen. Jetzt wird das Schloss beim englischen Auktionshaus Sotheby’s verkauft.

Von Christian Busse
Das Anwesen Hüffe mit dem Schloss, dem Park und den Nebengebäuden wird verkauft. Rund um das Schloss ist ein Wassergraben angelegt. Auf der  Friedhofsinsel im Park wurde  Ursula Katharina Gräfin von Schwerin-Krukemeyer beigesetzt.
Das Anwesen Hüffe mit dem Schloss, dem Park und den Nebengebäuden wird verkauft. Rund um das Schloss ist ein Wassergraben angelegt. Auf der Friedhofsinsel im Park wurde Ursula Katharina Gräfin von Schwerin-Krukemeyer beigesetzt. Foto: Christian Busse

Wie  am 4. August berichtet,  hat ein Insolvenzverwalter  aufgrund der komplizierten Erb- und Eigentumsverhältnisse die Kontrolle über den millionenschweren Besitz der im Februar verstorbenen Schlossherrin Ursula Katharina Gräfin von Schwerin-Krukemeyer übernommen. Nach Angaben des Insolvenzverwalters Stephan Höltershinken aus Minden hat die Gräfin wenige Tage vor ihrem Tod das Testament noch mehrfach  handschriftlich geändert. In der letzten Version   habe die Gräfin eine Rangfolge von Alleinerben eingesetzt.

An erster Stelle soll ihr Stiefsohn und Betreiber der Paracelsus-Kliniken Dr. Manfred Georg Krukemeyer gestanden haben. Gleichzeitig hat sie nach Angaben des Insolvenzverwalters das Erbe mit einem Vermächtnis an ihre  langjährige  Freundin Angelika Linnemann-Dienstbier verbunden. Ihr wurde  der gesamte   Schmuck, Bargeld, die Antiquitäten und der gesamte sonstige Inhalt des Schlosses zugesprochen; dem Vernehmen nach ein Millionenwert.   »Der Alleinerbe  sollte nur das  Schloss inklusive einiger Restschulden erhalten«, sagt Insolvenzverwalter  Stephan Höltershinken. Daraufhin schlugen alle  Erben nacheinander  das Erbe aus.

Vermögen wird nach und nach verkauft

Damit kam der Nachlasspfleger in eine Zwickmühle: Einerseits konnte er keine Wertgegenstände verkaufen, andererseits musste er Rechnungen für den Unterhalt des Komplexes bezahlen. Daher  beantragte er eine Insolvenz.

  Nun kümmert sich ein Insolvenzverwalter um das gesamte Vermögen. Nach Rücksprache mit allen Beteiligten wird nun nach und nach das Vermögen der Gräfin verkauft. Dabei legt der Insolvenzverwalter nach eigenem Bekunden Wert darauf, dass das im spätbarocken Klassizismus erbaute  Schloss und  die Ländereien mit 140 Hektar nicht filetiert werden. Das Schloss, samt Park und Nebengebäude soll  bei dem englischen Auktionshaus Sotheby’s  verkauft werden. Einen Interessenten gibt es  noch nicht. Sechs bis sieben Millionen Euro soll es einbringen. Der Käufer soll auch eine  Option auf die übrigen Ländereien erhalten. Erst wenn der neue Besitzer daran kein Interesse hat, sollen die landwirtschaftlichen Flächen anderweitig veräußert werden. Die derzeitigen Pächter brauchen sich nach Angaben des Anwalts keine Sorgen zu machen. Auch bei einem Verkauf bleiben die  Pachtverträge bestehen.   Konkrete Verhandlungen gibt es über den Verkauf von einigen Waldflächen in Bad Holzhausen, die nicht dem Schloss zuzuordnen sind. Verkauft wurde bislang einzig der  Weinkeller. »Wir haben im Keller  Weine, im Wert von einigen 10 000 Euro  gefunden, die absolut unprofessionell gelagert waren. Die mussten wir sofort veräußern. Mit jedem Tag wurden sie weniger Wert«, berichtet der Insolvenzverwalter.

Mit dem Geld aus den Verkäufen werden zuerst alle  Rechnungen bezahlt. Nach Angaben des Insolvenzverwalters kostet der Unterhalt des Schlosses etwa 400 000 Euro pro Jahr. Auch ein Wachdienst wurde engagiert. Den vermutlich millionenschweren Rest wird die   Freundin Angelika Linnemann-Dienstbier erhalten, da ihr laut Testament fast alle Werte außer des Gebäudes zustehen.

Das Schloss Hüffe wurde im 13. Jahrhundert erstmals  erwähnt. 1784 errichtete General Friedrich Christian Arnold von Jungkenn das  heutige Gebäude. Das Herrenhaus auf der Insel und auch der in einer Flucht liegende Wirtschaftshof wurden hufeisenförmig  nach Entwürfen des Oberbaudirektors Simon Louis Du Ry errichtet.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.