Einige Plätze in NRW dürfen trotz des Coronavirus genutzt werden, andere nicht
Chaos in Sachen Dauercamping

Düsseldorf/Porta Westfalica (WB). Dürfen Dauercamper in Nordrhein-Westfalen ihre Parzellen trotz der strengen Corona-Auflagen nutzen? „Ja”, sagt die Landesregierung, „Nein”, meinen die Ordnungsämter verschiedener Städte.

Donnerstag, 09.04.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 05:01 Uhr
Manche Plätze, wie der „Große Weserbogen”, sind gesperrt, auf anderen übernachten Dauercamper. Foto: Christian Althoff

Der Campingplatz „Großer Weserbogen” in Porta Westfalica ist dicht. Große Absperrbaken stehen vor der Zufahrt. 60 Kilometer weiter genießt Margareta Loftus aus Soest auf dem Campingplatz „Am Furlbach” in Schloß Holte-Stukenbrock die Sonne und die frisch gepflanzten Frühlingsblumen.

„Die Branche ist in Aufruhr”

„Das Chaos ist perfekt”, sagt Leo Ingenlath. Er ist NRW-Landesvorsitzender des Verbandes der Campingwirtschaft und betreibt in Sonsbeck im Rheinland einen Campingplatz. Seit Tagen hänge er nur noch am Telefon, „Die Branche ist in Aufruhr, weil es keine einheitlichen Regeln zu geben scheint.”

Gut 300 Campingplätze gibt es in NRW. Sie bieten Stellplätze für Durchreisende und Urlauber, aber auch Parzellen für Dauercamper, die fast jedes Wochenende in ihren Wohnwagen verbringen. Neben einem Stromanschluss haben solche Dauerstellplätze oft auch Wasser- und Abwasseranschlüsse. Die Jahrespacht beträgt auf vielen Plätzen um 1000 Euro. Nach Auskunft von Leo Ingelath vermieten die Campingplätze in NRW 60 bis 65 Prozent ihrer Parzellen an Dauercamper.

Am 22. März veröffentlichte das Land NRW seine Corona-Schutzverordnung, die erst einmal bis zum 19. April gelten soll. Im Paragraphen 8 steht: „Übernachtungsangebote zu touristischen Zwecken und Reisebusreisen sind untersagt.”

Es herrsche große Ungewissheit

Aber ist der Aufenthalt auf einer Dauerparzelle touristisch? Oder dient er eher der Naherholung, wie es auch Kleingärten tun? Oder Ferienwohnungen, die in NRW von ihren Besitzern weiter genutzt werden dürfen? Das WESTFALEN-BLATT fragte im Gesundheitsministerium NRW nach und bekam folgende Antwort: „Dauercamping entspricht der Nutzung einer Zweitwohnung und ist auch infektiologisch nicht risikoreicher. Dauercamping ist daher zulässig. Jede weitere Campingnutzung zu touristischen Zwecken aber nicht.”

„Leider hilft diese klare Aussage vielen Campingplatzbetreibern nicht weiter, wenn örtliche Behörden etwas anderes angeordnet haben”, sagt Leo Ingenlath. Es sei mehr als unglücklich, dass so kurz vor dem Osterwochenende, das traditionell von vielen Campern auf ihrer Parzelle verbracht werde, so große Ungewissheit herrsche.

Auch Dieter Watermann, der Betreiber des Campingplatzes „Großer Weserbogen”, ist unzufrieden: „Wenn das Land jetzt das Dauercampen für zulässig erklärt, soll es mir mal sagen, wie die Abstandsregeln eingehalten werden sollen.” Er habe 140 Dauerstellplätze, auf denen sich gewöhnlich mehr als 300 Menschen aufhielten. „Dass die in unserem Sanitärhaus alle zwei Meter Abstand zueinander halten, ist doch völlig undenkbar.”

Kommentare

Wolfgang Hagen  wrote: 13.04.2020 15:22
Dauercamping trotz Corona?
Wer das rumgeeire des Herrn Lascchek hört, wundert sich über garnichts.
Der Flickenteppich die Maßnahmen Corona in den Bundesländern betreffent erinnert an Kleinstaaterei.
Die Regelungen zu Dauercamping sind auch in vielen Teilen mißverständlich.
Jedoch sollte jedem einzelnen klar sein, dieDauercampingplätze mit Ihren Gemeinschaftseinrichtungen, hier insbesondere die Toiletten und Wasch- und Duschräume sind nicht (!) geeignet den Vorgaben für Abstandsregeln, Kontakverbote und insbesondere für Hygeniemaßnahmen zu entsprechen. Also gebietet es sie zwingend geschlossen zun halten.
Werner  wrote: 10.04.2020 16:53
Margaretensee Camping Lippstadt
Auf dem Campingplatz in Lippstadt Margaretensee gibt es sehr viele Mobilheime. Sie haben ihre eigenen Toiletten und Duschen. Alles ist vom Ordnungsamt gesperrt auf Grund Corona.
Markus Scholz  wrote: 09.04.2020 11:10
Es geht doch um die dauercampingplätze die eine toililette auf der eigenen Parzelle haben und somit nicht ins waschbare oder auf öffentliche Toiletten müssen .....es ist doch von jedem einzelnen dauercämper das Recht seinen bereits bezahlten jahresplatz zu nutzen oder Wer übernimmt die jahrespacht Wer pflegt das Grundstück.... mehr Gesundheit kann Mann doch gar nicht haben
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