Mindener Christoph Marx stellt neuen philosophischen Roman vor
Klone unter uns?

Minden (WB). Seit Klonschaf „Dolly“ in den 1990er Jahren Schlagzeilen machte, steht die Furcht vor dem größten anzunehmenden Unfall der Gentechnik im Raum. Werden sich wildgewordene Wissenschaftler zu Schöpfern eines neuen Menschen aufschwingen? Kann Frankensteins Monster noch verhindert werden? Der Mindener Schriftsteller Christoph Andreas Marx hat in seinem jüngsten philosophischen Roman „Homo Novus“ den Blick um 180 Grad gedreht.

Donnerstag, 09.07.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 09.07.2020, 05:02 Uhr
Ein Eindruck vom Buchcover.

Man stelle sich vor, menschliche Klone aus den Kindertagen der Reproduktionsmedizin treffen 2020 aufein­ander. Nicht irgendwo in Asien, sondern mitten in Deutschland kommt der wenig erfolgreiche IT-Experte Jan Winkler (30) einem Doppelgänger auf die Spur. Der Biologe Richard Vollmer (30) ist ihm zu 100 Prozent gleich in Erscheinung, Sprache und Habitus. Selbst das Muttermal hat Vollmer an exakt der gleichen Stelle unter dem linken Auge. Vollmer ist zudem ein extrem erfolgreicher Wissenschaftler, der zwischen seinem Start-up in Kalifornien und Studenten in Berlin pendelt. Dort schwärmt er vom Neuzuschnitt des Menschen mit der Genschere und der heiligen Pflicht, den Homo Novus zu schaffen.

IT-Experte Jan Winkler und Biologe Richard Vollmer

Superhirn Vollmer weiß alles, nur nicht von der Existenz seines Klons Jan Winkler, der ihn beobachtet und der Versuchung erliegt, in die Rolle des biologisch baugleichen Karrieristen mit nahezu unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten zu schlüpfen. Das Setting des immer rasanter werdenden Romans will den Leser spätestens jetzt die ganze Wahrheit kennen lassen. Wieso zwei so verschiedene Charaktere? Wer ist der Mastermind hinter Mr. Smart und seinem Heimchen? Außerdem: Weshalb lässt Jan Winklers Erzeuger die Mutter sitzen und verschwindet als Wissenschaftler in Richtung Edinburgh? Soviel sei verraten. Die Fährte in Dollys schottische Heimat ist falsch.

Wie in seinem Roman „Spiegel-Spiel“ zeigt sich der Autor auf den Straßen Berlins genauso kundig wie im philosophischen Diskurs. Von Platons Höhlengleichnis bis Albert Camus’ Existenzialismus stehen Klassiker Pate bei der Grundfrage, wie viel Mensch aus der Retorte zu erwarten ist. Protagonist Jan Winkler stellt sie auf Seite 278 seinem schließlich aufgespürten „Schöpfer“, der zu Dollys Zeiten tatsächlich Genie und Wahnsinn erlegen ist: „Vertrauen Sie noch immer den Genen oder haben Sie inzwischen akzeptiert, dass die äußeren Einflüsse des Lebens mehr bewirken können als die Kombination von vier Basen?“

Zur Homepage des Autors.

  • Christoph Andreas Marx: „Homo Novus“, Philosophischer Roman, Verlag Karl Alber, München 2019, 312 Seiten, 28 Euro, ISBN: 978-3-495-49119-5

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