Noah starb Stunden nach einer ärztlichen Untersuchung in Minden Eltern unter Verdacht

Minden/Bückeburg (WB). Vier Monate nach dem überraschenden Tod eines zweijährigen Jungen richten sich die Ermittlungen gegen den Vater und die Mutter. »Es gibt hinreichende Anhaltspunkte für eine fahrlässige Tötung durch die Eltern«, sagte Nils-Holger Dreißig, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bückeburg, dem WESTFALEN-BLATT.

Von Christian Althoff
Noah wurde nur zwei Jahre alt.
Noah wurde nur zwei Jahre alt.

Noah lebte mit seinen Eltern im niedersächsischen Pohle bei Lauenau. Am 16. Juli machte sich sein Vater Sorgen, weil der Junge im Schlaf auffällige Atemgeräusche machte und hohes Fieber hatte. Rettungssanitäter brachten das Kind ins 35 Kilometer entfernte Johannes-Wesling-Klinikum Minden. Ein Freund der Eltern: »Noah wurde untersucht und bekam ein fiebersenkendes Medikament.« Eine Aufnahme des Kindes im Krankenhaus hätten die Ärzte nicht für nötig gehalten. »Den Eltern wurde gesagt, Noah solle sich richtig ausschlafen.« Sie hätten ihren Sohn zu Hause ins Bett gelegt, und Noah sei eingeschlafen. »Am nächsten Morgen haben sie ihn tot in seinem Bett gefunden. Der Arzt, der den Tod festgestellt hat, geht davon aus, dass Noah schon 1,5 Stunden nach der Rückkehr nach Hause gestorben ist.«

Todesursache steht nicht fest

Die Staatsanwaltschaft Bückeburg leitete ein Ermittlungsverfahren ein und ließ den Jungen obduzieren. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft steht die Todesursache bis heute nicht fest. Die Eltern gehen davon aus, das ihr Sohn an Influenza starb, einer Virusgrippe, die in schweren Fällen Herz, Lunge und Gehirn treffen kann. Was den Eltern genau vorgeworfen wird, wollte Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig nicht sagen. Ein Freund der Familie erklärte: »Soweit ich gehört habe, wird den Eltern vorgeworfen, sie hätten nicht oft genug nach dem Jungen gesehen. Wenn es Noah allerdings so schlecht ging, fragt man sich natürlich, warum sie ihn nicht im Krankenhaus behalten haben.«

Die Klinikmitarbeiter stehen allerdings bislang nicht unter Verdacht. »Ermittlungen gegen Verantwortliche des Krankenhauses gibt es nicht«, sagte Staatsanwalt Dreißig.

Das Gesetz sieht für fahrlässige Tötung bis zu fünf Jahre Gefängnis vor. In Fällen, in denen beschuldigte Eltern ihr Kind verloren haben, werden die Verfahren häufig eingestellt.

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