Kreisverwaltung schließt ein »Weiter so« bei der Kampa-Halle aus »Wesentliche Mängel«

Minden/Lübbecke (WB). Der Kreis Minden-Lübbecke will als Betreiber der mit Mängeln behafteten Mindener Kampa-Halle den Betrieb über den 31. Oktober hinaus nicht verantworten. Einzige Möglichkeit aus Sicht des Landrates, um die Halle nicht am 1. November zu schließen: Der Kreistag bekennt sich zur Sanierung der Halle und unternimmt erste Schritte in diese Richtung.

Von Friederike Niemeyer
Ob es nach dem 31. Oktober noch Veranstaltungen in der kreiseigenen Kampa-Halle geben wird, ist ungewiss.
Ob es nach dem 31. Oktober noch Veranstaltungen in der kreiseigenen Kampa-Halle geben wird, ist ungewiss. Foto: Volker Krusche

Montagnachmittag erläuterten Vertreter des Kreisbauamts die Sachlage rund um die kreiseigene Halle und die drohende Schließung. Landrat Ralf Niermann stellte außerdem fest, dass aus seiner Sicht nichts dagegen spreche, trotz einer etwa 12,3 Millionen Euro schweren Sanierung der Halle aus den 1970er Jahren noch die Pläne für eine Multifunktionshalle weiterzuverfolgen. »Wann wird die Möglichkeit wieder so günstig sein, solch eine Halle zu errichten?«, fragte er. Allerdings müssten sich alle Projektpartner bewegen und der neuen Situation stellen. Der Kreis, der über Jahrzehnte die Hallen für den Handballsport im Kreis finanziert habe, könne nicht wie ursprünglich gedacht einen zweistelligen Millionenbetrag beisteuern.

Niermann lobte die Bereitschaft des TuS N-Lübbecke, dem Konkurrenten GWD Minden bei den Heimspielen zu helfen. Denn ob das Spiel gegen Balingen am 3. November wie gewohnt in der Kampa-Halle ausgetragen werden kann, ist noch unklar.

Baudezernent Lutz Freiberg und Mitarbeiter Gerd Schake Foto: Niemeyer

Die neue Situation, das sind höhere Kosten für die Sanierung der Kampa-Halle als gedacht und das ist die veränderte Einschätzung der Sicherheitslage in der Halle. Baudezernent Lutz Freiberg sowie die Bauamtsmitarbeiter Gerd Schake, Burkhard Ernsting und Jens Netzeband machten deutlich, dass der Kreis einen Weiterbetrieb der Halle aus Brandschutzgründen nicht mehr vertreten könne. »Wenn etwas passiert, wer ist dann dafür verantwortlich?«, nannte Ernsting die Frage, die sich die Verwaltung gestellt habe.

Denn im Mai hatte der TÜV die Halle routinemäßig überprüft und »wesentliche Mängel« protokolliert – anders als zuletzt 2016, als von »wenigen Mängeln« die Rede war. Weitere technische Anlagen seien betroffen, und die Halle müsse komplett neu verkabelt werden. Die Beseitigung dieser Sicherheitsprobleme – es geht im Wesentlichen um Brandmelder, Notbeleuchtung, Belüftung und Alarmierung im Brandfall – muss bis 31. Oktober durchgeführt werden, so die Anordnung des TÜV. »Das ist natürlich nicht einhaltbar«, sagte Baudezernent Freiberg. Ein von ihm beauftragtes Gutachten habe aber ergeben, dass der Kreis sich einem großen Haftungsrisiko aussetze, wenn er die Halle länger offen lasse. Dies sei auch nicht geheim, sondern der Kreispolitik im Ältestenrat am 9. September mitgeteilt worden, so der Landrat.

Inzwischen habe auch die Stadt Minden als zuständige Bauaufsichtsbehörde mit Schreiben vom 18. September auf die Betreiberpflichten des Kreises hingewiesen. Niermann: »Wir haben auch überlegt, die Halle sofort zu schließen.« Nach Abwägung habe man sich aber dagegen entschieden. Schließlich arbeite der Kreis ja schon seit Feststellung der ersten relevanten Mängel 2013 mit zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen: Brandwachen sind bei jeder großen Veranstaltung im Einsatz. Nun werde ein neues Konzept aufgestellt, um eine weitere Duldung des Betriebs über den 1. November hinaus zu erreichen, schilderte Lutz Freiberg. Sicher sei dies nicht.

Der weitere Zeitplan sieht vor, dass im Frühjahr 2021 mit der Sanierung begonnen wird. Die Arbeiten sollen etwas mehr als ein Jahr lang dauern. Grundvoraussetzung für den Weiterbetrieb der Kampa-Halle inklusive Kreis-Schwimmhalle bis dahin sei aber, dass der Kreistag noch vorher seine Bereitschaft zu Investitionen bekunde, so Niermann. »Dies ist keine Drohung an den Kreistag, das sind unsere Zwänge«, sagte Niermann. Vorschläge für eine Sanierung »light« bezeichnete er als »Wolkenkuckucksei« – als nicht ausreichend.

Der SPD-Politiker wies außerdem darauf hin, dass eine Entscheidung gegen die Kampa-Halle gleichzeitig bedeute, dass der Kreis ein Sport- und Schwimmzentrum bauen müsse: Kostenpunkt etwa 10 Millionen Euro. Dies würde aber dauern und hätte Folgen auch für Schulen und Vereine und eben nicht nur für den Bundesligahandball in Minden. Einzig gute Nachricht: Die Büros des Kreissportbundes sind, weil baulich getrennt, nicht betroffen.

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