Eltern finden Kind kurz nach Besuch im Krankenhaus in Minden tot im Bett
Wie starb Noah?

Minden (WB). Die Staatsanwaltschaft untersucht den plötzlichen Tod eines zweijährigen Jungen, der kurz zuvor in der Kinderklinik Minden untersucht worden war.

Freitag, 09.08.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 09.08.2019, 06:36 Uhr
Ein fröhlicher Noah in seiner Sportkarre: So werden seine Eltern ihren Sohn in Erinnerung behalten. Er starb in der Nacht zum 17. Juli. Ob sein Tod hätte verhindert werden können, ist unklar.

Noah lebte mit seinen Eltern im niedersächsischen Pohle bei Lauenau. Lukas Böhm, ein Freund der Familie: »Am 16. Juli machte sich sein Vater Sorgen, weil Noah im Schlaf so komische Atemgeräusche machte. Als er ihn weckte, fing der Junge an zu zittern, und er hatte 39,5 Grad Fieber.« Der Vater habe den Rettungsdienst gerufen, und der habe beschlossen, den Jungen sofort ins Krankenhaus zu bringen.

Stationäre Aufnahme nicht für nötig gehalten

Etwa 35 Kilometer sind es bis zur Kinderklinik des Johannes-Wesling-Klinikums in Minden. Nach Angaben von Lukas Böhm soll der Junge dort untersucht worden sein und ein fiebersenkendes Medikament bekommen haben. Eine Aufnahme des Kindes auf die Station wurde nicht für nötig gehalten. Böhm: »Den Eltern wurde gesagt, Noah solle sich richtig ausschlafen.«

Sie hätten ihren Sohn zu Hause ins Bett gelegt, und Noah sei eingeschlafen. »Am nächsten Morgen haben sie den Jungen tot in seinem Bett gefunden. Der Arzt, der den Tod festgestellt hat, geht davon aus, dass Noah schon 1,5 Stunden nach der Rückkehr nach Hause gestorben ist.«

Zentrale Frage: Mussten die Ärzte Noah dabehalten?

Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein und ließ den Jungen obduzieren. »Am 26. Juli wurde Noah beerdigt«, sagt Lukas Böhm. Es sei natürlich ein sehr emotionaler Abschied gewesen. »Der Pastor sagte, an einem Tag wie diesem treffe man sich mit Freunden auf dem Spielplatz, im Freibad, oder zum Planschen im Garten. Doch wir seien zusammengekommen, um Noah zu verabschieden und ihn in Gottes schützende Hände zu geben. Diese Trauerrede hat alle bewegt.«

Was die Obduktion des Kindes ergeben hat, war am Donnerstag nicht zu erfahren. Unbestätigten Informationen zufolge könnte Noah an einer Influenza gelitten haben, die in schweren Fällen Herz, Lunge und Gehirn betreffen kann. »Die Frage ist natürlich, ob die Ärzte Noah nicht dabehalten mussten. Vielleicht würde er dann noch leben«, sagt der Freund der Familie.

Genau diese Frage ist es, die die Staatsanwaltschaft zu klären versucht. Möglicherweise wird sie dazu ein Gutachten eines medizinischen Sachverständigen in Auftrag geben.

Spendenaktion im Internet

Lukas Böhm hat unterdessen einen Spendenaktion im Internet gestartet, um die Beerdigung zu finanzieren. »Noahs Vater bezieht zur Zeit Hartz IV, weil er wegen einer Krankheit nicht arbeiten kann, und seine Lebensgefährtin ist schwanger. Ich finde, dass die beiden mit Noahs Tod genug zu kämpfen haben, und sich nicht auch noch Sorgen machen sollen, wie die die Rechnung des Bestatters bezahlen sollen.« Auf dem Online-Spendenportal »GoFundMe« ist Noahs Schicksal unter www.gofundme.com/F/abschied-mit-tranen zu finden. Bis gestern Abend hatten Menschen knapp 2000 Euro gespendet.

Das Klinikum Minden nahm zu der Frage eines möglichen Diagnosefehlers keine Stellung. Sprecher Christian Busse erklärte: »Der Tod des kleinen Jungen ist eine Tragödie für seine Eltern und die anderen Angehörigen. Er hat die Mitarbeiter der Klinik sehr betroffen gemacht.« Zu medizinischen Fragen dürfe man nichts sagen, sie unterlägen der Schweigepflicht. Man werde aber die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft unterstützen.

Kommentare

Hannes  wrote: 09.08.2019 07:20
Ich hoffe die Spenden werden nicht gleich vom Hartz IV Regelsatz abgezogen.
Heute ist ja alles vorstellbar. Ich wünsche der Familie viel Kraft.
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