Verursacherbetrieb war Behörden bereits 2012 aufgefallen PCB-Eier aus dem Handel geholt

Minden (WB). Der Fall des PCB-belasteten Geflügelfutters aus Minden zieht weitere Kreise: Jetzt sind belastete Eier aus dem Handel zurückgeholt worden. Der Verursacherbetrieb war den Behörden bereits vor sechs Jahren aufgefallen.

Von Bernd Bexte
Agravis in Minden – hier stammt das belastete Futter her.
Agravis in Minden – hier stammt das belastete Futter her. Foto: dpa

Nach Auskunft des Landesumweltamtes (Lanuv) seien im Zuge der Sperrung von Betrieben Rücknahmen von Eiern aus dem Einzelhandel veranlasst worden. »Betroffen sind bundesweit 112 Kunden, davon sitzen 92 in Nordrhein-Westfalen«, teilte das Lanuv gestern mit. Konkretere Angaben machte die Behörde nicht; sie verwies auf das NRW-Umweltministerium. Auch dort machte ein Sprecher keine Angaben, um welche Mengen und Verkaufsstellen es sich handelt. »Da für Verbraucher keine akute Gesundheitsgefahr besteht, werden auch keine Chargennummern betroffener Eier veröffentlicht.«

Lanuv: »Kein belastetes Fleisch im Umlauf«

Man sei diesbezüglich aber mit den Händlern im Gespräch. Die Tiere der gesperrten Geflügelmastbetriebe würden spätestens bei der Schlachtung auf PCB untersucht. Bei Überschreitung der Grenzwerte könne das Fleisch nicht vermarktet werden. »Daher gehen wir davon aus, dass kein belastetes Fleisch mehr in Verkehr gebracht worden ist.« Früher produziertes Hähnchenfleisch und Eier seien zum großen Teil als Frischware vermarktet worden. »Daher ist davon auszugehen, dass diese Waren bereits verzehrt sind.«

Laut Lanuv sind NRW-weit 34 Geflügelmastbetriebe und zehn Legehennenbetriebe von belasteten Futtermittellieferungen betroffen, die meisten davon in OWL. Damit hat sich die Gesamtzahl von 41 auf 44 erhöht, weil zusätzlich drei Legehennenbetriebe mit Jungtieren aus Niedersachsen beliefert wurden, die Futter aus den fraglichen Verladezellen des Herstellers Agravis (Minden) erhalten hatten.

Stoff seit 1989 verboten

Untersuchungen hätten eine Kontamination von Futter aus bislang fünf Behältern in Minden ergeben. »Die Betriebe, die Lieferungen aus diesen Behältern erhalten haben, werden gesperrt, die Futtermittel ausgetauscht«, teilte das Lanuv mit. Wie berichtet, soll die Absplitterung PCB-haltigen Lacks in den Futterbehältern die Verunreinigung verursacht haben. PCB ist in Deutschland seit 1989 verboten. Derzeit würden weitere Lagerbehälter untersucht.

Bereits 2012 waren laut Landesumweltamt bei amtlichen Futtermittelkontrollen bei Agravis in Minden erhöhte PCB-Werte in Mischfuttermitteln festgestellt worden. Umfangreiche Folgeuntersuchungen in den vergangenen Jahren hätten aber »keine Rückschlüsse auf weitere Kontaminationsquellen ergeben«. Gegenstand der laufenden Untersuchungen sei nun auch die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen dem aktuellen Vorfall und den Vorkommnissen im Jahr 2012 gebe, erklärte die Behörde gestern.

Auch Betriebe in anderen Bundesländern betroffen

Wie berichtet, war in einem Schlachtbetrieb im Kreis Paderborn bereits im Oktober in einer Probe Geflügelfett eine Überschreitung des Höchstwertes an nicht-dioxin-ähnlichem PCB (ndl-PCB) festgestellt worden. Die Behörden ermittelten kontaminiertes Futter als Quelle, hergestellt in Minden. Laut Landesumweltamt seien auch Betriebe in Niedersachsen, Hessen und Sachsen-Anhalt betroffen.

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