Arbeitgeberverband stellt Ergebnis der Unternehmensumfrage vor – Kritik an Gewerkschaftsforderungen Fachkräftemangel trübt die Stimmung

Lübbecke/Minden (PAM). »Weiterhin breite Zufriedenheit« hat gestern der Arbeitgeberverband Minden-Lübbecke (AGV) vermeldet. In Minden sind die Ergebnisse der aktuellen Umfrage zur Wirtschaftslage bei den 166 Mitgliedsunternehmen vorgestellt worden.

Patrick Jacob (von links), Sven Hohorst und André M. Fechner stellen die Ergebnisse der Konjunkturumfrage vor.
Patrick Jacob (von links), Sven Hohorst und André M. Fechner stellen die Ergebnisse der Konjunkturumfrage vor. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Diese haben mehr als 27.500 Beschäftigte und etwa 1700 Auszubildende. 40 Prozent dieser Betriebe mit fast 19.000 Mitarbeitern nahmen an der Befragung teil. Davon bezeichneten 74 Prozent (Vorjahr 49 Prozent) ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 25 Prozent als befriedigend und nur ein Prozent als schlecht.

35 Prozent erwarten 2018 Besserung

Dabei wird auch die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung positiv gesehen. 35 Prozent der Unternehmen erwarten 2018 wie im Vorjahr sogar eine besser werdende Entwicklung, 62 Prozent (Vorjahr 54) gehen von einer gleichbleibenden Situation aus, drei Prozent (11) rechnen damit, dass die Entwicklung schlechter wird.

Doch die positive Stimmung ist nicht ungetrübt. »Das Problem Fachkräftemangel wird zur größten Zukunftsherausforderung für die heimische Wirtschaft« betonte AGV-Vorsitzender Sven Hohorst (Wago), der gemeinsam mit Vorstandsmitglied Patrick Jacob (Fr. Jacob Söhne) und AGV-Geschäftsführer André M. Fechner die Umfrageergebnisse erläuterte. Denn 72 Prozent der Befragten antworteten auf die Frage »Haben Sie aktuell Schwierigkeiten bei der Besetzung von Stellen?« mit »Ja«.

Fachkräfteengpass ist Wachstumsbremse

»Der Engpass an Fachkräften wirkt als Wachstumsbremse«, erklärte Hohorst. Es reiche nicht, Maschinen und Gebäude vorzuhalten. Wichtig seien die richtigen Mitarbeiter, ergänzte Jacob. »Das ist ein ernsthaftes volkswirtschaftliches Problem«, so die Arbeitgebervertreter unisono. Angesichts dieser Entwicklung stößt die Forderung der IG Metall in der aktuellen Tarifrunde, dass künftig alle Beschäftigten die Arbeitszeit verkürzen können sollen, auf wenig Verständnis, wie Sven Hohorst deutlich machte. Denn die Lage am Arbeitsmarkt wird nach Ansicht der heimischen Wirtschaft noch enger, da 41 Prozent der Unternehmen davon ausgehen, dass das Personal weiter aufgestockt wird. Die Engpässe bei der Gewinnung von Fachkräften würden sich verschärfen, blickt der AGV-Geschäftsführer voraus.

Gründe sind zum einen die nicht ausreichende Anzahl an adäquaten Bewerbern (41 Prozent), vor allem aber die nicht ausreichende Qualifikation (43 Prozent) sowie das Problem, Mitarbeiter in die Region zu bekommen (18 Prozent). Was die Qualifikation angeht, da sieht Hohorst dringenden Regelungsbedarf bei der Landesregierung. »Es gibt in NRW politisch noch einiges zu tun, um im Bildungsbereich aufzuholen.«

Schwachstellen im Nahverkehr

Angesichts dieser Rahmenbedingungen werde ein aktives Fachkräfte-Standortmarketing für Minden-Lübbecke immer wichtiger, sagte Fechner weiter. Dabei zeigt die Beurteilung des Wirtschaftsstandortes durch die Unternehmen, dass Schwachstellen besonders im Nahverkehr, in der Verkehrsanbindung des Altkreises Lübbecke sowie in der Attraktivität und im schlechten Zusammenhalt in der Region gesehen werden.

Auf der Habenseite werden die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung, die aktive Wirtschaftsförderung, der breite Branchenmix, die Bereiche Sport und Freizeit sowie die Familienfreundlichkeit und Lebensqualität im Kreis Minden-Lübbecke gesehen. Positiv beurteilt die Wirtschaft außerdem den Campus Minden.

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