Yacht explodiert: andere Versicherungsbedingungen als bei Autos – mit Videos Die Haftpflicht zahlt wohl nicht

Minden (WB). Die Schäden, die  in Minden bei der Explosion einer Yacht an Nachbarbooten, der Steganlage, einem Auto und durch Ölaustritt ins Wasser entstanden sind, werden voraussichtlich nicht von der Haftpflichtversicherung des Eigners übernommen.

Von Christian Althoff
Foto: Christian Althoff

Das sagte am Donnerstag ein Mitarbeiter des Hamburger Unternehmens Pantaenius dem WESTFALEN-BLATT. Pantaenius ist eine der größten internationalen Yachtversicherungsagenturen und versichert auch selbst, ist aber im aktuellen Fall nicht involviert.

»Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch haftet jeder, der einen Schaden vorsätzlich oder fahrlässig verursacht. Das trifft bei einem technischen Defekt aber in der Regel nicht zu«, sagt Schiffsbetriebsingenieur Holger Flindt aus der Pantaenius-Geschäftsleitung. »Nur für den Kfz-Bereich hat der Gesetzgeber eine andere Regelung erlassen. Deshalb sind von einer Autoversicherung alle Fremdschäden abgedeckt, die ein Auto verursacht – ob mit oder ohne Schuld des Halters.«

»Das Feuerrisiko bei Elektrobooten ist relativ hoch«

Kathrin Jarosch, Sprecherin des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), bestätigt: »Eine Bootshaftpflicht zahlt nicht, wenn ein technischer Defekt, für den der Eigner nichts kann, Schäden an fremdem Eigentum

Zwei Liegeplätze weiter wurde dieses Motorboot stark beschädigt. Foto: Christian Althoff

verursacht.« Holger Flindt: »Um Schäden abzudecken, die ein fremdes Boot, zum Beispiel durch Brand oder Explosion, am eigenen Schiff verursacht, sollte man eine Vollkaskoversicherung haben.«

 Sollte ein defektes Bauteil die Explosion verursacht haben, können Geschädigte versuchen, ihre Schadensersatzansprüche nach dem Produkthaftungsgesetz beim Hersteller durchzusetzen.

In der Nacht zum Mittwoch war in Minden die zehn Meter lange »Gina« explodiert, ein etwa 200.000 Euro teures Boot mit Hybridantrieb, also mit einem Diesel und einem Elektromotor. »Das Feuerrisiko bei Elektrobooten ist relativ hoch«, sagt Ingenieur Holger Flindt. »Wir haben vor zwei Jahren eine Erhebung gemacht. Bei 700 versicherten Elek­tro- und Hybridbooten hatten wir zwölf Totalverluste. Unser Aufwand lag 500 Prozent über den Prämieneinnahmen – ein extrem hohes Verhältnis. Deshalb sind wir bei Versicherungen von E-Booten restriktiv und schließen oft das Risiko Feuer aus.«

Weniger genaue Vorschriften

Nach Angaben des Ingenieurs sind es weniger die technischen Komponenten, die ein Risiko darstellen, als deren Installation. »Im Kfz-Bereich gibt es sehr genaue Vorschriften, die die Hersteller einhalten müssen. Das ist bei Booten anders.« Dort lege eine CE-Norm zwar viel Wert auf Aspekte wie die Kentersicherheit, aber zum Thema Elektroinstallation finde sich dort wenig.

Falsche Ladegeräte, schlechte Kabelverbindungen, unzureichend isolierte Leitungen in feuchter Umgebung – das seien Faktoren, die Brände auslösten. »Elektroboote sind davon eher betroffen als andere Schiffe, weil bei ihnen viel höhere Ströme fließen.«

Unter den zwölf Totalschäden von E-Booten, die Pantaenius reguliert hat, war auch ein Schiff, das explodiert ist: »Es lag am Starnberger See an einem Steg und brannte. Als die Feuerwehr mit dem Löschen begann, explodierte das Boot, und ein Feuerwehrmann wurde verletzt.«

Feuerwehrleute liegen noch auf der Intensivstation

Zur Ursache sagt der Ingenieur: »Wenn Feuer eine Lithium-Batterie beschädigt und Lithium austritt, kann das anfangen zu brennen. Da hat man schnell Temperaturen von mehr als 1000 Grad. Wenn Wasser dazukommt, wird das durch die hohe Temperatur in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten und kann explodieren.«

In Minden hatten Feuerwehrleute allerdings noch gar nicht mit dem Löschen begonnen, als die »Gina« in die Luft flog. 

Drei der bei der Explosion verletzten 15 Feuerwehrleute liegen noch auf der Intensivstation des Mindener Klinikums. »Wir hoffen sehr, dass es ihnen bald besser geht«, sagt Michael Oppermann, der Vorsitzende des Mindener Yachtclubs. »Wir alle und auch der Bootseigner sind erschüttert, dass es so viele Verletzte gegeben hat.«

Kommentare

Zwang sich zu schützen?

Da hieß es: "Holger Flindt: »Um Schäden abzudecken, die ein fremdes Boot, zum Beispiel durch Brand oder Explosion, am eigenen Schiff verursacht, sollte man eine Vollkaskoversicherung haben.«"
Als Eigner eines Schiffes ist man also gezwungen, teure Vollkasko abzuschließen, damit man gegen Schädigung durch Dritte versichert ist? Wer eine Gefahr schafft, ist auch für diese Gefahr verantwortlich, also im vorliegenden Fall der Eigner des explodierten Schiffes. Wie der dann von seiner Versicherung -falls vorhanden- Geld zurückbekommt, ist nicht Sache der Geschädigten, das kann denen egal sein.

Ob dieser Ausschluss rechtens ist?!

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Abschluss einer Haftpflichtversicherung ohne das Risiko "Feuer" abzudecken im Sinne des Versicherten war. Eher nehme ich an, dass der Versicherte auf das Risiko, das bei 99% aller Boot automatisch abgedeckt ist, hier klammheimlich im s.g. Kleingedruckten ausgeschlossen wurde. Ich denke, das hat noch ein gerichtliches Nachspiel, da auch ein Hafenmeister ja grob fahrlässig handelt, wenn er suche Boot an den Steg neben andere stellt.

Versicherungsbedingungen sind offensichtlich realitätsverweigernd

Eine Versicherung sollte alles decken und Ausschlüsse müssten hervorgehoben beschrieben werden, und nicht nur versteckt im Wust von zig anderen oft kaum verständlichen Klauseln in Versicheeungssprache

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