Rat vertagt Beratung über Kooperation von Stadtwerken und Greenfiber
Stadt will Glasfasernetz selbst bauen

Lübbecke - WB -

Wie können wirklich alle Haushalte in Lübbecke einen leistungsfähigen Internet-Anschluss bekommen? Das Ziel „Glasfaser bis ans Haus“ verfolgen viele, doch weder bei staatlichen Förderprogrammen zum Breitbandausbau noch beim rein privatwirtschaftlichen Ausbau ist gewährleistet, dass abgelegene Siedlungen gleich gut versorgt werden.

Samstag, 06.02.2021, 06:00 Uhr

Die Stadt Lübbecke will deshalb selbst ein hochleistungsfähiges Glasfasernetz aufbauen.

Stadt baut das Netz

Indem die Stadt zum Bauherrn des Netzes in ihren Grenzen wird, behält sie die Hoheit und kann dafür sorgen, dass die schnellen Leitungen allen zugänglich sind. An der Umsetzung soll neben den Lübbecker Stadtwerken, auch ein Telekommunikationsunternehmen beteiligt werden. Die Stadtwerke sollen mit der Firma Greenfiber eine Kooperation eingehen. Diese gemeinsame Gesellschaft würde dann den Haushalten die Glasfaseranschlüsse fix und fertig bereitstellen. Greenfiber pachtet und betreibt schließlich das Netz.

Das Projekt

Aus Informationsunterlagen für die Ratsmitglieder, die dieser Zeitung vorliegen, gehen weitere Details der Kooperation hervor. Demnach wird die neu gegründete Gesellschaft Eigentümerin des Netzes. Der Ausbau wird über Kredite finanziert, für die die Stadt bürgt. Dadurch gibt es günstige Konditionen. Greenfiber übernimmt den Bau des Netzes und pachtet es am Ende von der Gesellschaft. Mit den Pachteinkünften wird der Kredit abgetragen.

Stimmt der Rat dem Projekt zu, würde eine Kundenbefragung starten. Sollte sich herausstellen, dass weniger als 40 Prozent der Haushalte Kunden werden wollen, platzt das Vorhaben. Kann es aber losgehen, würde der Ausbau etwa zwei Jahre dauern.

Warum Greenfiber?

Die Greenfiber Holding GmbH ist bereits im Auftrag des Kreises (Stichwort Masterplan Breitbandausbau) dabei, die „weißen Flecken“, also die nicht versorgten Gebiete in Lübbecke mit Kabel zu versorgen. Dies betrifft 749 Anschlüsse. Die Firma ist also schon vor Ort und hat die notwendigen Tiefbau-Arbeiten zu günstigen Preisen gesichert. Die Effekte aus kommunalen Kreditkonditionen und laufendem Engagement von Greenfiber machen die Partnerschaft für beide Seiten attraktiv.

Greenfiber ist seit 2012 am Markt und wird von Kreis und Stadt als verlässlich eingeschätzt, soll aber auch Sicherheiten stellen. Außerdem haben die Stadtwerke eine Art Vorkaufsrecht, wenn Greenfiber seine Anteile veräußern will oder insolvent wird.

Was kostet es?

Der einzelne Haushalt wird einmalig 100 Euro zahlen müssen, danach marktübliche Vertragskosten. Wer später dazukommt, wird mit Anschlusskosten von etwa 3000 Euro rechnen müssen. Für zwei Jahre ist jeder Teilnehmer an den Anbieter Greenfiber gebunden, kann danach aber wechseln. Der Vorteil für diejenigen, die mit ihrem jetzigen Anschluss zufrieden sind: Mit der neuen leistungsstarken Verbindung ist die jeweilige Immobilie auch für künftige Datentransfer-Standards gewappnet, heißt es.

Rat vertagt das Thema

Die Kooperation zwischen Stadtwerken und Greenfiber sollte der Rat am Donnerstag beraten und entscheiden. CDU, Grüne und FDP stellten jedoch den Antrag, dies zu vertagen. Klaus-Jürgen Bernotat (CDU) führte an, dass der Vertragstext erst seit kurzem vorliege und dass noch Beratungsbedarf etwa über alternative Kooperationen bestehe. Er schlug vor, einen Arbeitskreis einzusetzen und dann im März zu entscheiden.

SPD, WL und LK sprachen sich gegen eine Vertagung mit Hinweis auf umfassende Informationen im Vorfeld aus. „Unsere Fragen wurden beantwortet und wir wollen dem Startschuss für die Grundlage der Versorgung durch Glasfaser nicht im Wege stehen oder ihn unnötig verzögern.“ Zaudern sei Zeitverschwendung.

Bürgermeister Frank Haberbosch wollte das Vorhaben in der öffentlichen Sitzung ansprechen. Eine Vertagung würde dies verhindern. Deshalb regte er an, nur auf den Beschluss zu verzichten. Mit den Stimmen von CDU, Grünen und FDP wurde aber das Thema ganz vertagt.

In einer Stellungnahme betonten die Grünen die Bedeutung eines flächendeckenden Glasfasernetzes, aber auch die Prüfungsverpflichtung für das umfassende Vertragswerk: „Die Investitionen umfassen einen langfristigen Zeitraum. Das Investitionsvolumen geht in einen zweistelligen Millionenbetrag.“ Die „vertraglichen Konditionen und das mögliche finanzielle Risiko“ sollten ohne Zeitdruck geprüft und „alternative Lösungsansätze nicht unberücksichtigt bleiben“.

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