Nettelstedter Jörn Nagel will die Digitalisierung der Lübbecker Geschäfte unterstützen
Spaziergang in die virtuelle Zukunft

Seit Wochen ist wegen des Lockdowns kein Einkaufsbummel in den Städten möglich. Gleichzeitig boomt der Online-Handel gewaltig – und das nicht erst seit Einführung der Corona-Schutzmaßnahmen. „Es geht nicht mehr ohne Digitalisierung. Auch nicht für die kleinen Einzelhändler in Lübbecke“, ist der Nettelstedter Jörn Nagel überzeugt.

Freitag, 08.01.2021, 06:00 Uhr
Jörn Nagel hat einen virtuellen Stadtrundgang durch Lübbecke erstellt. Dieser soll nicht nur ein unterhaltsamer Ausflug sein, vielmehr haben die örtlichen Einzelhändler dort die Möglichkeit, ihre Geschäfte einzubinden und zu präsentieren. Foto: Arndt Hoppe

Deshalb ist der 48-Jährige aktiv geworden und hat einen virtuellen Stadtrundgang durch die Lübbecker City gestaltet und ins Internet gestellt. „Mein Ziel ist, den örtlichen Einzelhändlern eine Möglichkeit zu bieten, ihre Geschäfte in diesen Spaziergang einzubinden und sich mit ihrem Angebot dort zu präsentieren“, sagt Nagel. Unter der Internet-Adresse https://shopylk.de können alle Interessierten seit einiger Zeit zum Beispiel einen Streifzug durch Lange Straße, Scharrn oder Tonstraße unternehmen.

Auf die Idee kam der Berufssoldat bei seiner Arbeit als Feldjäger. „Dort wird 360-Grad-Fotografie in Verbindung mit Lasertechnik zum Beispiel zur Dokumentation von Großschadensereignissen eingesetzt. Die Technik fasziniert mich.“ Während bei der Bundeswehr Tausende von Euro teure Ausrüstung eingesetzt wird, reicht Jörn Nagel für seinen virtuellen Rundgang eine 3D-Digitalkamera für ein paar hundert Euro in Verbindung mit seinem Smartphone. „Das ist kein Hexenwerk. Das können die Einzelhändler mit ein wenig Anleitung selbst bedienen“, sagt er.

Kontakt hergestellt

Bereits vor dem aktuellen Lockdown hat Nagel mit zahlreichen Geschäften in der Innenstadt Kontakt aufgenommen. Einige Inhaber haben sein Angebot bereits genutzt und geben bei dem virtuellen Rundgang auch einen Rundum-Einblick in ihr Geschäft. „Heute informieren sich alle Leute, wenn sie etwas kaufen möchten, online über die Produkte“, sagt Nagel. Sein Ziel: „Auf meiner Website sollen sich Kunden informieren können, wo sie diese Produkte auch in Lübbecke bekommen.“ Er ist überzeugt, dass viele Menschen gerne in der eigenen Stadt in den Fachgeschäften ihres Vertrauens einkaufen. „Bevor ich etwas bei Amazon oder einem großen Online-Händler bestelle, könnte ich gucken, gibt es das Produkt auch in Lübbecke.“

Jörn Nagel hat viele Ideen, wie sein Projekt zum Nutzen der Lübbecker weiter ausgebaut werden kann. „Mir schwebt vor, dass die Leute beim virtuellen Rundgang in den verschiedenen Läden direkt sehen können, welche Waren vorhanden sind. Dann könnten sie sie bestellen, um sie vor Ort abzuholen oder geliefert zu bekommen“, lautet Jörn Nagels Zukunftsvision. Das könnte auch in Zeiten des Lockdowns von Nutzen sein. Technisch sei das allerdings noch eine Herausforderung. „Viele Geschäfte haben noch keinen eigenen Online-Shop“, weiß er. Oft fehle ein automatisiertes Warenwirtschaftssystem.

Zusammenarbeit mit Stadtmarketing

Im Augenblick geht es Nagel mit seinem Angebot nicht darum, Geld zu verdienen, sagt er: „Auf die Idee bin ich gekommen, als das Traditionsgeschäft Spielwaren Lorenz geschlossen hat. Da habe ich gedacht, dass ich die Lübbecker Geschäfte unterstützen möchte, die Chancen des Internets besser zu nutzen.“

Der Nettelstedter möchte deshalb auch mit Lübbecke Marketing zusammenarbeiten. Er habe mit dem Verein bereits Kontakt aufgenommen, der seinerseits Interesse bekundet habe. Für Januar sei ein Treffen geplant. Jörn Nagel sieht noch weitere Einsatzmöglichkeiten der Website – zum Beispiel für das Leerstandsmanagement.

Aber Jörn Nagel weiß auch: Es gibt für sein Projekt „ShopyLK“ und in Sachen Digitalisierung noch viel zu tun. Noch sind nicht alle Straßenzüge der Innenstadt eingebunden. Doch Jörn Nagel ist sich sicher, dass an der Nutzung des Internets auf Dauer kein Weg vorbeiführt: „Wenn plötzlich über Nacht alle Menschen um mich herum nur noch Chinesisch sprächen, müsste ich die Sprache eben auch lernen.“

 

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