Vier Jahre Amtszeit von Donald Trump: Austauschschüler berichten über Erfahrungen
Politik und Religion waren tabu

Lübbecke (WB). Die Welt blickt derzeit auf den neuen demokratischen Präsidenten der USA, Joe Biden . Die Ära von Donald Trump ist vorbei. Kritiker des Republikaners sagen, er habe ein gespaltenes Land hinterlassen. Diese Zeitung wollte wissen, ob sich die vier zurückliegenden Jahre auch auf das Verhältnis zwischen Deutschen und Amerikanern in scheinbar unpolitischen Situationen wie einem Schüleraustausch ausgewirkt haben.

Montag, 09.11.2020, 03:26 Uhr aktualisiert: 09.11.2020, 03:30 Uhr
Im September 2018 ist zum letzten Mal eine Gruppe aus Lübbecke zu Gast in Delhi gewesen.

„Oh ja, durchaus”, sagt Lehrerin Silke Horst vom Wittekind-Gymnasium Lübbecke, die die Kooperation zusammen mit ihrer Kollegin Eva Holzberger betreut. Sie ist von Anfang an dabei. Seit 2010 besuchen sich die Schüler und Lehrer regelmäßig gegenseitig, vor zwei Jahren war zum letzten Mal eine Gruppe aus Lübbecke an der Delaware Academy in Delhi zu Besuch; in diesem Jahr sollte es erneut eine Reise geben, sie fiel aber der Corona-Pandemie zum Opfer.

„Da gibt es Grenzen“

Mit Verallgemeinerungen sollte man ja vorsichtig sein, aber Johannes Kleinloh hat es am eigenen Leibe erlebt: „Die Amerikaner, die ich getroffen habe, sind sehr viel herzlicher, offener und gastfreundlicher als viele Leute hier in Deutschland.” Der Gymnasiast hat im Zuge eines Austauschs mit einer Schule in Delhi (Bundesstaat New York) das tägliche Leben in den Staaten kennen gelernt; einige andere Gymnasiasten, die um ihn herum sitzen, ebenfalls. Sie alle nicken bei seinen Worten. Allerdings wissen sie auch, wo die Grenzen sind: „Über Politik und Religion sollte man mit den Gasteltern lieber nicht sprechen.”

„Wir haben unseren Schülern schon immer den Rat mit auf den Weg gegeben, sie sollten heikle Themen möglichst umschiffen”, betont Silke Horst. Der Amtsantritt von Donald Trump habe in vielen Familien die Kluft zwischen Anhängern und Kritikern vergrößert, „doch bereits die Wahl von Barack Obama hat die Gesellschaft deutlich stärker polarisiert.” Eva Holzberger ergänzt: „Das ist ebenfalls anders als in Deutschland. Die meisten Leute dort erklären klipp und klar, wen sie wählen.”

Radikale Ansichten

Carolin Koch und Lorenz Gerdon waren sogar ein Jahr in den USA, nicht in Delhi, sondern in Illinois und Missouri. Aber auch sie teilen die Erfahrungen der anderen: „Ich musste mich manchmal sehr zurückhalten, auch wenn meine Körpersprache wahrscheinlich Bände gesprochen hat”, sagt Lorenz. „Das kann ganz schnell ganz schwierig werden.” Er habe erlebt, dass seine Gastgeber Freundschaften mit Leuten beendet hätten, die politisch anderer Meinung gewesen seien. Carolin kam in einer sehr religiös geprägten Familie unter, allesamt Trump-Anhänger. Sie empfand es ebenfalls als problematisch, die meiste Zeit zu schweigen: „Gerade der Vater hatte teilweise sehr radikale Ansichten.”

Einen ganz anderen Eindruck hatten die Besucher aus Deutschland dagegen von der Gastfreundschaft der Amerikaner: „Das ist nicht aufgesetzt, wie man vielleicht denken mag, das kommt von Herzen”, betont Silke Horst. „Da werden Dinge ermöglicht, die hier nicht üblich sind.” Eva Holzberger hat ein Beispiel: „Gerne angeboten wird ein Wochenend-Ausflug zu den Niagara-Fällen. Das sind sechs Stunden für eine Fahrt, übernachtet wird in einem schicken Hotel, am besten mit Blick auf den Wasserfall, am nächsten Tag geht es wieder sechs Stunden zurück. Und wenn der eigene Wagen zu klein ist, mietet man halt einen bequemeren für die zwei Tage.” Und das, obwohl die Menschen dort wahrlich nicht reich seien: „Das ist ein ländliches Gebiet, viele sind Farmer.”

Digital ganz weit vorn

Und noch etwas hat die Schüler beeindruckt: „Auf digitalem Gebiet sind die Leute in Delhi ganz weit vorne”, hat Vivien Schulz beobachtet. Jeder Schüler habe im Unterricht ein Tablet, das er nutzen könne. Gewöhnungsbedürftig seien allerdings die langen Wege: „Jeden Morgen und jeden Abend ging es in den Schulbus”, erinnert sich Johannes Kleinloh.

Eva Holzberger hofft darauf, dass der Austausch noch lange fortgesetzt werden kann: „Bei unseren Schülern ist das Interesse riesengroß, wie man sich vorstellen kann.” Aber: „Das hängt sehr von den beteiligten Personen ab.” An der Schule in Delhi gebe es nur einen Deutschlehrer, Terence Legg, und der wolle bald in den Ruhestand gehen. „Wir wissen noch nicht, wie es dann weitergeht, aber wir hoffen natürlich, dass es dort auch weiterhin Schüler geben wird, die gern Deutsch lernen wollen.”

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