Kontaktpersonen von Corona-Infizierten sollten selbstständig in Isolation gehen
Gesundheitsamt bittet um Mithilfe

Lübbecke/Minden (WB). Die Infektionszahlen im Kreisgebiet sind zwar längst nicht so dramatisch wie im Kreis Herford mit einer Wocheninzidenz von 218,3. Dennoch steigen die Infektionen auch im Mühlenkreis immer weiter an, jetzt auf 610 aktive Fälle. Eine schnelle und umfassende Kontaktnachverfolgung wie bislang üblich sei nun nicht mehr möglich, hieß es am Montag aus dem Kreisgesundheitsamt. Was können die Bürger beitragen, um die Behörden im Kampf gegen das Coronavirus zu entlasten?

Montag, 02.11.2020, 19:36 Uhr aktualisiert: 02.11.2020, 19:38 Uhr
Mund- und Nasenschutz sowie das Abstandhalten sind wichtig, um vor Corona zu schützen. Im Kreis steigen die Fallzahlen weiter. Foto: dpa

Information verzögert sich

Das ist auch eine Frage, die die neue Landrätin bewegt. Anna Katharina Bölling leitete am Montag, ihrem ersten Tag im Amt, die Sitzung des Corona-Krisenstabes im Kreishaus. „Das Arbeitspensum, das die Mitarbeitenden der Kreisverwaltung und vor allem das Gesundheitsamt hier schon seit Wochen und Monaten leisten, geht weit über das Übliche hinaus“, sagte Bölling im Anschluss. „Daher bitten wir die Bürgerinnen und Bürger um Unterstützung und Verständnis für die derzeitige Situation. Je umsichtiger und verantwortungsvoller wir alle uns verhalten, desto besser wird es uns gelingen, die Pandemie einzudämmen zum Schutz unser aller Gesundheit und Wohlergehen.“

Durch die stark steigende Zahl der Fälle sei es trotz erhöhten Personalaufwands nicht mehr möglich, alle Personen zeitnah zu informieren. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes arbeiten täglich an der Belastungsgrenze, um die Fälle abzuarbeiten, heißt es aus dem Kreishaus.

Positiv getestete Personen müssen informiert, Kontaktpersonen ermittelt und ebenfalls benachrichtigt werden. „Wir setzen alles daran, diesen Personen auf dem schnellsten Weg mitzuteilen, dass sie in Quarantäne beziehungsweise Isolation sind“, sagt Dr. Indra Schubert aus dem Gesundheitsamt des Kreises. „Aber mittlerweile gelingt uns dies bei einem großen Teil der Fälle nicht mehr am gleichen Tag, manchmal dauert es sogar noch länger.“

Diffuse Ausbruchslage

Wie andernorts auch, ist im Mühlenkreis die „Ausbruchslage diffus“, wie sich Kreissprecherin Sabine Ohnesorge ausdrückt. „Wir beobachten, dass Kontaktpersonen im Laufe ihrer Quarantäne positiv getestet werden“, sagt sie. Hat jemand etwa viele Familienangehörige, trage sich das Virus somit rasch auch in andere Personenkreis und etwa in Schulen oder Kitas. Der dringende Rat an alle Bürger könne nur lauten, auch im privaten Umfeld die Kontakte zu reduzieren und sich selbst an die Hygieneregeln zu halten sowie auf Abstand zu achten.

Weil die zeitnahe Information aller positiv Getesteten und Kontaktpersonen nicht mehr möglich ist, bittet das Gesundheitsamt um Unterstützung: Wer über sein Smartphone die Nachricht erhält, positiv getestet worden zu sein, soll – ohne weitere Anweisung – zuhause bleiben und den persönlichen Kontakt zu allen Personen unterbinden, die nicht im selben Haushalt leben. „Ab diesem Zeitpunkt sind Sie in sogenannter Isolation“, sagt das Dr. Schubert.

Sollte das Gesundheitsamt die betroffene Person nicht innerhalb von 24 Stunden nach Erhalt der Nachricht erreicht haben, sollte sich derjenige unter der E-Mail-Adresse infektionsschutz@minden-luebbecke.de selbstständig melden (mit Angabe des vollständigen Namens, des Geburtsdatums, der Telefonnummer und der Anschrift). Eine weitere Unterstützung stellt es dar, den Ermittlungsbogen aus dem Downloadbereich auf www.corona.minden-luebbecke.de und die Kontaktpersonenliste auszufüllen und ebenfalls an die Mail-Adresse infektionsschutz@minden-luebbecke.de zu senden. Auch Haushalts-angehörigen müssen im Regelfall eine Quarantäne einhalten und sollten ab dem Erhalt des positiven Testergebnisses zu Hause bleiben. „Bitte informieren Sie Ihre engen Kontaktpersonen über Ihre Infektion“, sagt Dr. Schubert.

Kontaktpersonen 1 und 2

Zu den Verzögerungen in der Kontaktverfolgung kommt es auch deshalb, weil das Gesundheitsamt zuerst Infizierte anruft, die in sogenannten vulnerablen, also verletzlichen, Bereichen leben oder arbeiten. Dazu gehören Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, ambulante Pflege, Schulen und Kitas.

Das Kreisgesundheitsamt bittet auch all diejenigen um Mithilfe, die selbst noch gar nicht getestet wurden, aber erfahren haben, dass sie Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatten.

Dr. Indra Schubert weist auf den Unterschied in der Klassifikation der Kontaktpersonen hin. Kontaktpersonen der Kategorie 1 sind Personen, die engen Kontakt (mehr als 15 Minuten von Angesicht zu Angesicht) zu einer positiv getesteten Person hatten und keine Krankheitssymptome zeigen. Hier gilt: die nächsten 14 Tage zuhause bleiben und sich nach Möglichkeit von anderen Personen fernhalten. Wer Krankheitssymptome hat, sollte sich bei seinem Hausarzt melden und gegebenenfalls testen lassen. Das Gesundheitsamt benachrichtigt im Nachgang auch schriftlich alle Betroffenen. Dies ist aber aktuell nicht zeitnah möglich.

Kontaktpersonen von Kontaktpersonen – die Kategorie 2 – müssen vorerst keine weiteren Maßnahmen ergreifen. Für sie gelten die üblichen Hygienevorschriften.

Wenn sich Kontaktpersonen bereits selbst auf den Internetseiten des Kreises informieren, trägt das dazu bei, Telefonate mit dem Gesundheitsamt zu verkürzen. „Das hilft uns, möglichst viele Anrufe an einem Tag zu bewältigen“, so Dr. Schubert. Dort sind die Informationen auch in anderen Sprachen zugänglich.

Maskenpflicht für Patienten

Infektionen hatten zuletzt auch die Mühlenkreiskliniken zu vermelden: zwei Patienten und ein Mitarbeiter in der Auguste-Viktoria-Klinik Bad Oeynhausen sowie drei Patienten und ein Mitarbeiter im Krankenhaus Lübbecke. Die Betroffenen sowie Mitarbeiter und Mitpatienten im Umfeld seien inzwischen zweimal getestet worden, sagte MKK-Sprecher Christian Busse. In Lübbecke werde die Auswertung des zweiten Tests noch erwartet, in Bad Oeynhausen liege diese vor und zeige keine weiteren Infektionen, so dass der Ausbruch als abgeschlossen gelte. Bei den Patienten, bei denen auf Station Infektionen nachgewiesen worden seien, handele es sich um leichte Covid-Verläufe, sagte der Sprecher. Es greife ein detailliertes Hygienekonzept, zu dem auch gehöre, dass im Klinikgebäude absolute Maskenpflicht herrsche – sogar für die Patienten, wenn weitere Personen ihr Zimmer betreten oder sie auf den Flur gehen.

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