Täter hatte den Überfall auf eine Tankstelle gestanden und sich entschuldigt
Espelkamper muss 30 Monate in Haft

Lübbecke/Minden (zam). Zwei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe – so lautete am Montag das Urteil des Bielefelder Landgerichts im Prozess gegen einen 33-jährigen Mann aus Espelkamp. Die Strafkammer sprach den Angeklagten wegen räuberischer Erpressung schuldig. Während des Verfahrens hatte sich der Angeklagte geständig und reumütig gezeigt.

Montag, 02.11.2020, 17:13 Uhr aktualisiert: 02.11.2020, 17:17 Uhr
Der Überfall auf die Oil-Tankstelle in Lübbecke-Nettelstedt, hier eine vergleichbare Anlage, war Inhalt eines Strafprozesses vor dem Bielefelder Landgericht.

Mit dem Urteilsspruch steht fest, dass der Familienvater die Oil-Tankstelle im Lübbecker Ortsteil Nettelstedt am 5. Dezember 2019 überfallen hat. Der 33-Jährige hatte auch gleich zu Prozessbeginn zugegeben, die Tankstelle an der B 65 mit einer Waffe in der Hand betreten zu haben. Vor der Tat habe er auf dem benachbarten Netto-Parkplatz eine schwarze Trainingshose und eine Winterjacke übergezogen. Sein Gesicht sei bis auf die Augen vermummt gewesen, um unerkannt zu bleiben. Mit einer Schreckschusspistole in der rechten Hand ging er zur Kasse. Er forderte die 20-jährige Kassiererin auf, den Kassenbestand in eine Plastiktüte zu packen. Dabei richtete er die Tatwaffe auf den Oberkörper der jungen Frau. Mit der Beute von etwa 540 Euro floh der 33-Jährige.

„Es tut mir von Herzen leid“

„Es tut mir von Herzen leid. Das war nicht so geplant“, entschuldigte sich der Angeklagte. Er gab finanzielle Not als Motivation für die Tat an. Nach eigenen Angaben litt der Angeklagte über Jahre an Spielsucht. Er habe sich in der Vergangenheit bei verschiedenen Leuten Geld geliehen, berichtete er während des Prozesses. Einer der Gläubiger soll am Tatabend vor dem Haus seiner Familie gewartet haben, um das Geld einzutreiben. In Angst um seine zwei Kinder fasste der Angeklagte den Entschluss zur Tat. Als Kurzschlussreaktion beschreibt der Angeklagte dies heute. „Der Täter wirkte hektisch“, die Tat „ungeplant“, bestätigte die Kassiererin auf Nachfrage der Richterin. Sie wurde als Zeugin im Prozess angehört. Noch heute habe der Vorfall Auswirkungen auf sie.

Die Absicht, eine hohe Beute erzielen zu wollen, und das strukturierte Entsorgen der Tatmittel hätten sich für den Angeklagten strafverschärfend ausgewirkt, begründete die Vorsitzende Richterin am Montag das Urteil. Gleichzeitig sei die spontane Tatbegehung aus einer Notsituation heraus strafmildernd berücksichtigt worden. Zudem wirkte das Geständnis begünstigend.

Minder schwerer Fall

Mit der verhältnismäßig geringen Freiheitsstrafe folgte die Strafkammer dem Antrag des Strafverteidigers und ging von einem minder schweren Fall der räuberischen Erpressung aus. Grund zur Annahme eines geringen Schuldumfangs seien vor allem die Tatumstände gewesen, erklärte die Vorsitzende Richterin die Entscheidung. Das Tatbild weiche in seinem Unrechtsgehalt von einer durchschnittlichen Tat nach unten ab. Dennoch erwartet den Familienvater nun eine mehrjährige Haftstrafe.

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