Ulrike Bökenkröger (SPD) nimmt Abschied als Gehlenbecker Ortsvorsteherin und Ratsmitglied
Immer geradeheraus

Lübbecke-Gehlenbeck (WB). Auch wenn es um ihren Abschied aus dem Rat geht, ist Ulrike Bökenkröger konsequent. „Schon am Anfang habe ich mir gesagt: Das passiert mir nicht, dass ich am Ende so alt bin, dass mir die Fraktionskollegen noch sagen müssen, wie ich abstimmen soll“, sagt die 73-jährige Sozialdemokratin. Klar und geradeheraus, wie sie so ist. „Ich sage nichts, was ich nicht meine“, ist auch so ein typischer Satz von ihr. Und deshalb ist jetzt eben Schluss, nach mehr als 25 Jahren ehrenamtlicher Politik als Ratsmitglied und als Gehlenbecker Ortsvorsteherin. „Da muss man auch mal die Jüngeren ranlassen“, sagt Ulrike Bökenkröger.

Montag, 02.11.2020, 07:00 Uhr
Von ihrem Garten an der Niederbrake aus hat Ulrike Bökenkröger einen wunderschönen Blick nach Süden bis zum Wiehengebirge. Nach mehr als 25 Jahren im Rat und 20 Jahren als Ortsvorsteherin gibt sie ihre Ämter jetzt gerne in jüngere Hände. Foto: Niemeyer

Schon vor sechs Jahren habe sie mit dem Gedanken gespielt aufzuhören. Damals habe es in der SPD so recht aber keinen Nachfolger für ihren Wahlkreis in Gehlenbeck gegeben, erläutert Bökenkröger. Der sei nun mit Marc Schrewe gefunden, auch wenn dieser es bei seiner ersten Kommunalwahl noch nicht in den Rat geschafft habe. Dieses Mal hatte die CDU die Nase vorn, und so wird auch der Ortsversteherposten in den nächsten fünf Jahren von den Schwarzen besetzt sein.

Ihr eigener Einstieg in die Kommunalpolitik 1994 war für Ulrike Bökenkröger wie der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser. Dabei war Ulrike Bökenkröger schon lange SPD-Mitglied, aber eher eine „Karteileiche“, wie sie sagt. Vater Friedrich Seeger war Ortsvorsteher in Gehlenbeck und als überzeugter Sozialdemokrat bis zu seinem Tod 1982 Ratsmitglied. Er fühlte sich zeitlebens als Arbeiter, berichtet die Tochter, obwohl er nach seinem Berufsstart in der Zigarrenfabrik später Finanzbeamter wurde. Und auch Ehemann Günter ist als Maurer und Pflasterer den Werten der Sozialdemokratie verbunden. „CDU – das passte da einfach nicht“, sagt sie.

Tolle Truppe

Doch dann suchten Günter Bösch und Günter Steinmeyer für die SPD in Gehlenbeck für Willi Tempelmeier einen Nachfolger. „Ich dachte, als ich gefragt wurde, ich mache das fünf Jahre. 26 sind es jetzt geworden“, erzählt sie. Ihre beiden Kinder waren damals schon 20 und 23 Jahre alt und ihr Mann, von Kindesbeinen an leidenschaftlicher Brieftaubenzüchter, bestärkte sie darin: „Wenn es Dir Spaß macht“. 1999 übernahm sie dann auch noch das Ortsvorsteheramt von Willi Tempelmeier.

Freude machte Ulrike Bökenkröger vor allem der konkrete Einsatz für die Menschen und ihre Probleme vor Ort. So ist sie stolz darauf, es gemeinsam mit ihrem Eilhauser Kollegen Günter Bösch geschafft zu haben, den zu Beginn ihrer Amtszeit gefährdeten Kindergarten in Eilhausen gerettet zu haben. Oder darauf, dass sich der Kampf für das Freibad in Gehlenbeck gelohnt hat. Oder auch darauf, die Gründung des Heimatvereins Gehlenbeck vor 20 Jahren unterstützt zu haben. Eine ganz tolle Truppe habe sich da um Gründungsvater Willi Tempelmeier herum entwickelt. Es sei enorm viel umgesetzt worden. Allein das Heimathaus. „Bei den Sanierungsarbeiten waren ganz viele Handwerker mit dabei. Halb Gehlenbeck hat das Dach gedeckt“, erinnert sich Ulrike Bökenkröger.

Soziale Themen

Im Rat hat sich die Sozialdemokratin vor allem um soziale Themen gekümmert. Und als Ortsvorsteherin war ihr der direkte Draht zu den Menschen wichtig. „Man muss präsent und ansprechbar sein“, sagt sie. „Und man ist für das ganze Dorf da, nicht nur für die Mitglieder seiner Partei.“ So sei sie oft die erste Ansprechpartnerin gewesen, wenn es um ganz Konkretes gegangen sei: um eine wuchernde Hecke, ein Sofa im Straßengraben oder den Standort für einen Altglascontainer.

Als Ortsvorsteher müsse man wissen, was im Dorf los ist. Hausbesuche zu runden Geburtstagen seien ihr da immer sehr wichtig gewesen. „Bei diesen Gelegenheiten ist mir immer zugute gekommen, dass die Gehlenbecker mich kennen und dass ich Platt spreche.“ Auch das Überbringen der kleinen Pakete des Stadtrats an die Älteren, die nicht zur Seniorenfeier kommen konnten, habe sie stets gerne persönlich gemacht.”

Ein Ortsvorsteher darf zudem Zeugnisse und Bescheinigungen beglaubigen. Einmal sei ihr sozusagen über den Gartenzaun zugerufen worden: „Ulrike, kannst Du mir bestätigen, dass ich noch lebe?“ Da muss die 73-Jährige noch heute schmunzeln.

Mehr Zeit für die Familie

Oft müssen auch Aktivitäten im Dorf koordiniert werden. Etwa die traditionelle Volkstrauertagsfeierstunde mit den heimischen Vereinen am Ehrenmal. „In diesem Jahr gibt es allerdings keine Feier und nur einen Kranz und eine Gedenkminute“, weiß Ulrike Bökenkröger. Gerne gebe sie hier und bei anderen Fragen ihrem Nachfolger ihre Erfahrungen weiter.

Künftig will sich die mehrfache Großmutter mehr Zeit für ihre Familie nehmen, öfter zum Sport gehen oder auch einfach länger mit ihrem Mann Günter am Frühstückstisch sitzen bleiben – bei einem Glas Milch, wie das bei Bökenkrögers üblich ist. „Aber ich bin natürlich auch gespannt, wie das im Rat weitergeht. Es gibt ja keine eindeutige Mehrheit mehr“, sagt die 73-Jährige. So ganz lassen kann sie dann nämlich doch nicht von der Politik. Auf jeden Fall will sie im Ortsverein dabei bleiben, vielleicht auch als Sachkundige Bürgerin in einem Ausschuss. „Aber auch da sind jetzt erst einmal die Jüngeren dran“, sagt sie.

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