Kostensteigerung bei Sanierung der ehemaligen Pestalozzischule in Lübbecke
Umbau wird deutlich teurer

Lübbecke (WB/fn/vw). An und vor allem in der ehemaligen Pestalozzischule wird derzeit kräftig gebaut. Die fast 50 Jahre alte Heimat der Förderschule an der Rahdener Straße soll bald einer Kindertagesstätte und dazu der Volkshochschule und der Musikschule ein Dach über dem Kopf bieten. Die anteiligen Kosten der Sanierung für die Stadt fallen nun allerdings höher als veranschlagt aus – Stoff für Diskussionen in den politischen Gremien.

Freitag, 02.10.2020, 23:00 Uhr
Die Arbeiten an der ehemaligen Pestalozzischule an der Rahdener Straße schreiten voran. Allerdings sind die Kosten zwischenzeitlich von eingangs geschätzten 500.000 Euro auf jetzt 750.000 Euro gestiegen. Foto: Viola Willmann

Die Stadt hatte das aus dem Jahr 1973 stammende Gebäude mit Wohnhaus, Garage und der 2004 erbauten Turnhalle auf dem 22.000 Quadratmeter großen Grundstück vor anderthalb Jahren für 2,2 Millionen Euro von dem Förderschul-Zweckverband gekauft. Ein Wertgutachten lag diesem Kaufpreis zugrunde. Das Interesse der Firma IMA, dort einen Betriebskindergarten unterzubringen (vier Gruppen, 65 Kinder), erleichterte die Kaufentscheidung, weitere Nutzungsideen kamen schnell hinzu.

Der Kindergartenträger Kita-Concept lässt den südlichen Teil des Schulgebäude für etwa 1,4 Millionen Euro umbauen. Die Stadt als Vermieter beteiligt sich an den Kosten mit etwa 415.000 Euro, beispielsweise für neue Fenster.

Weitere Mängel

Darüber hinaus muss aber die Gebäudehülle von Grund auf saniert werden, erläuterte Finanzdezernent Dirk Raddy den Mitgliedern von Bauausschuss und Haupt- und Finanzausschuss: Teile der Fassade, die Elektrohauptverteilung, die Dämmung der Heizleitungen, Türen, Böden und Wände. Dafür waren 500.000 Euro angesetzt worden. Doch während der Arbeiten hätten sich weitere Mängel etwa beim Brandschutz und an der Trafostation gezeigt, die die Gesamtkosten auf 750.000 Euro ansteigen lassen.

Dafür gab es Kritik am Donnerstag im Haupt- und Finanzausschuss: Klaus Jürgen Bernotat (CDU) hinterfragte diese „Kostensteigerung um ein Drittel“. „Woran liegt das wirklich?“, fragte er. Dirk Raddy berief sich auf Schätzungen, die nun im Zuge der Arbeiten nach oben korrigiert würden. „Es ist nicht von einer Fehlplanung zu sprechen.“ Bernotats Parteikollege und Stadtverbandsvorsitzender Matthias Werneburg wollte wissen, ob der Ausschuss nun häufiger mit solchen „außerplanmäßigen Kosten“ rechnen müsse. Raddy: „Für den Moment sicherlich nicht.“ Er könne allerdings nicht ausschließen, dass es so eine Vorlage erneut geben würde.

„Das ist nicht mehr okay.“ Andrea Lojewski

Schon in der Sitzung des Bauausschusses tags zuvor hatte es eine Diskussion über die 250.000 Euro Mehrkosten gegeben. CDU-Ratsmitglied Andrea Lojewski hatte ihr Entsetzen über diese Kostensteigerung um 50 Prozent ausgedrückt. „Das ist nicht mehr okay. Man sollte in der Lage sein, das besser zu schätzen“, sagte sie in Richtung des Finanzdezernenten. Der hielt dagegen, dass sich gerade bei einer Sanierung im Bestand eben nicht alles vorhersagen lasse, weil beispielsweise vorhandene Alt-Unterlagen häufig nicht den tatsächlichen Ist-Zustand eines Gebäudes darstellen würden. Auch durch die anstehende Nutzung als Kita hätten sich neue Sachstände ergeben. So hätte sich erst jetzt gezeigt, dass die bestehende Trafostation für die Last-Anforderungen der Kita nicht passend ausgelegt sei. Raddy: „Natürlich können wir im Vorfeld solch einer Sanierung teure Fachleute beauftragen, die etwas mehr Gewissheit bringen. Aber auch die sichern sich ab und sagen, dass noch 30 Prozent Kostensteigerung drin sind.“ Raddy hob außerdem hervor, dass positiv zu bewerten sei, dass das Gebäude wegen des Sanierungsstaus günstig erworben wurde und dass durch die Vermietung an die Kita eine recht große Netto-Kaltmiete erzielt werden könne. Außerdem werde es so möglich, mit dem Alten Amtsgericht – aus dem Volkshochschule und Musikschule ausziehen – weitere Einnahmen zu erzielen. „Das sind klare Vorteile.“

Auch auf das Problem der mangelnden Barrierefreiheit im Obergeschoss hatten die Grünen bereits im Bauausschuss hingewiesen, was für den Mieter Pro Musica ein klarer Nachteil gegenüber dem aktuellen Standort Altes Amtsgericht mit einem Fahrstuhl sei. Dr. Herbert Vollmer hakte auch im Haupt- und Finanzausschuss noch einmal nach. „Wenn die Musikschule in die erste Etage zieht, gelangt man dann dort barrierefrei hin?“ Bürgermeister Frank Haberbosch war bei dieser Frage kurz angebunden: „Dafür wird gesorgt.“ Auf eine weitere Erläuterung, wie das passieren soll, ließ er sich jedoch nicht ein – und musste am Ende zugeben, dass „nach jetzigem Stand“ der Zugang nicht barrierefrei möglich sei.

Kommentar

Bei der Frage zur Barrierefreiheit der Musikschule nach dem geplanten Umzug in die erste Etage der ehemaligen Pestalozzischule geriet Bürgermeister Frank Haberbosch ein wenig aus dem Takt. Zwar lieferte er Antworten, die stellten aber weder den Fragesteller Dr. Herbert Vollmer von den Grünen zufrieden noch konnte damit der normale Zuhörer viel anfangen. Nach derzeitigem Stand gibt es keinen barrierefeien Zugang in die erste Etage, nur per Raumtausch im Bedarfsfall mit der Volkshochschule im Erdgeschoss soll das Problem offenbar gelöst werden.

Dass die Musikschule auch von Gehbehinderten erreichbar sein muss, steht außer Frage. Das „Wie“ hätte aber von Seiten der Stadtverwaltung viel deutlicher formuliert werden müssen. In der heutigen Zeit sollte es kein Problem sein, einen barrierefreien Zugang zu gewährleisten. Eine Diskussion um ein Thema, das selbstverständlich sein sollte. Viola Willmann

 

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