Fachgesellschaft zeichnet Krankenhaus Lübbecke für minimalinvasive Chirurgie aus
1000 Operationen „durchs Schlüsselloch“

Lübbecke (WB). Die meisten Operationen im Bauchraum werden mittlerweile mithilfe der Schlüsselloch-Chirurgie, der so genannten minimalinvasiven Chirurgie, durchgeführt. Am Krankenhaus Lübbecke wird die Operationsmethode besonders häufig angewendet. Bei knapp 90 Prozent aller Operationen im Bauch wird auf den großen Bauchschnitt verzichtet. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) hat nach einer umfangreichen Prüfung das Krankenhaus Lübbecke nun als „Kompetenzzentrum für minimalinvasive Chirurgie“ ausgezeichnet – als dritte Klinik in OWL.

Dienstag, 08.09.2020, 23:42 Uhr aktualisiert: 08.09.2020, 23:44 Uhr
Klinikdirektor Dr. Uwe Werner und der Leitende Oberarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie Dr. Horia Orasteanu freuen sich über das Zertifikat.

Die Prüfung der Fachgesellschaft bezog sich insbesondere auf die technische OP-Ausstattung, den Fortbildungs- und Erfahrungsstand der Klinikärzte, die Komplikationsrate und die Anzahl der jährlichen Operationen, die mithilfe eines minimalinvasiven Verfahrens vorgenommen werden. „In allen Bereichen konnten wir als Klinikteam sehr gute Ergebnisse vorweisen“, sagt Klinikdirektor Dr. Uwe Werner.

Bei der minimalinvasiven Chirurgie wird auf die Öffnung der kompletten Bauchdecke verzichtet. Stattdessen wird die Operation mit speziellen Instrumenten durch kleine Schnitte in der Bauchdecke durchgeführt. Üblicherweise werden fünf bis zwölf Millimeter schmale Metall- oder Kunststoffhülsen (so genannte Trokare) verwendet: eine Zehn-Millimeter-Hülse mit einer Spezialkamera, mit deren Hilfe der Operateur die Bewegungen unter der Bauchdecke auf einem Ultra- HD-Monitor sehen kann sowie zwei bis drei weitere Hülsen mit speziellen Operationsinstrumenten. Damit verringert sich die Wunde wesentlich auf einzelne kleine Schnitte mit deutlich besserem kosmetischem Effekt.

Viele Vorteile für den Patienten

„Der Patient profitiert unmittelbar von der minimalinvasiven Chirurgie. Er hat weniger Schmerzen nach der Operation, braucht daher weniger Medikamente, erholt sich schneller, kann das Krankenhaus früher verlassen und behält kleinere Wunden zurück. In den allermeisten Fällen hat die minimalinvasive Chirurgie nur Vorteile gegenüber dem klassischen Bauchschnitt“, sagt der Leitende Oberarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie Dr. Horia Orasteanu, der als verantwortlicher Chirurg zusammen mit Dr. Uwe Werner das Lübbecker Kompetenzzentrum leitet. Auch die Komplikationsrate, beispielsweise durch Entzündungen der Wunde und Spätfolgen durch Verwachsungen im Bauchraum oder Narbenbrüche, wird deutlich reduziert.

Allein in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Krankenhaus Lübbecke werden jährlich mehr als 1000 Operationen mithilfe der Schlüsselloch-Chirurgie durchgeführt. Doch in welchen Fällen können die Chirurgen nicht auf das für den Patienten schonendere Verfahren setzen? „Das bleibt eine Einzelfallentscheidung des behandelnden Arztes. Im Grundsatz werden immer mehr Operationen minimalinvasiv durchgeführt – insbesondere auch die schweren Operationen oder bei besonders gefährdeten Patientinnen oder Patienten. In manchen Fällen kann es aber nötig werden, den Bauchraum zu öffnen“, erklärt Werner.

Seine erste Schlüssellochoperation führte er bereits 1990 als junger Assistent an der Medizinischen Hochschule Hannover durch. Insbesondere die in Lübbecke praktizierte Adipositaschirurgie wäre ohne den Einsatz von minimalinvasiven Verfahren nicht möglich. Und auch die Weiterentwicklung der minimalinvasiven Chirurgie kündigt sich in Lübbecke bereits an: die roboterassistierte Chirurgie. Das standortübergreifende Institut für roboterassistierte Chirurgie soll im kommenden Jahr eröffnet werden.

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