Frank Haberbosch will wieder für die SPD Bürgermeister in Lübbecke werden
„Ich habe klare Haltung bewiesen“

Lübbecke (WB). Es ist sein zweiter Wahlkampf um das Bürgermeisteramt, und es ist durchaus Routine dabei, wenn sich Frank Haberbosch etwa bei einer Diskussionsveranstaltung wie zuletzt bei der IHK öffentlich vorstellt. Routine heißt aber nicht Alltagstrott, denn das Bürgermeisteramt ist für den 62-jährigen Verwaltungsbeamten mit SPD-Parteibuch immer noch etwas Besonderes: „Ich habe noch richtig Lust. Es ist eine tolle Aufgabe“, sagt Haberbosch. „Als Bürgermeister kann man richtig was bewegen, und das ist einfach schön.“

Dienstag, 08.09.2020, 06:39 Uhr
Frank Haberbosch ist seit fünf Jahren Bürgermeister von Lübbecke. Seine Erfahrung als Verwaltungsleiter und in der Ratsarbeit will er weitere fünf Jahre für Lübbecke einsetzen. An Freude an der Aufgabe und an Ideen mangelt es ihm nicht. Foto: Friederike Niemeyer

Mit vielen Investitionen hat Frank Haberbosch seit 2015 gemeinsam mit Verwaltung und Stadtrat die Entwicklung Lübbeckes vorantreiben können – von der Innenstadt- und Weingartenstraßensanierung über den Neubau der Feuerwache West bis zu den Niederwall-Kreisverkehren und natürlich der Planung für das Westertor-Einkaufszentrum. Dabei ging es so manches Mal kontrovers, ja hitzig zu. Speziell in den vergangenen beiden Jahren, als die Bäderfrage entschieden wurde und die Verlegung des Busbahnhofs in die Kritik geriet.

„Über meine Leistung abstimmen“

Als Bürgermeister hat Haberbosch häufig die volle Wucht von teils sehr emotionalen Angriffen zu spüren bekommen. Da könnte man auch einen einfacheren Weg wählen und nach mehr als 40 Dienstjahren in der Verwaltung den Ruhestand ansteuern. Frank Haberbosch ist da anders gestrickt. „Fünf Jahre im Amt und dann mit dicker Pension nach Hause gehen? Das ist nicht meine Art“, sagt der frühere Amtsleiter und Dezernent in Lübbecke. „Ich möchte den Wählern die Möglichkeit geben, über meine Leistung abzustimmen, ob sie glauben, ich habe meinen Job ordentlich gemacht oder eben nicht.“ Er selbst hat da ein klares Bild: „Unterm Strich habe ich mir nichts vorzuwerfen. Ich kann in den Spiegel schauen, ich habe klare Haltung bewiesen. Und ich merke, dass die Menschen es schätzen, wenn man ehrlich und verlässlich ist.“

Ehefrau Hanne Kleine ist für Frank Haberbosch gerade in diesen Monaten ein großer Rückhalt gewesen, berichtet der Vater zweier erwachsener Kinder. In wichtigen Rats- und Ausschusssitzungen saß sie zuletzt im Zuschauerraum. „Meine Frau hat gemerkt, dass der Wind etwas rauer wird in der Politik. Sie wollte mich mit ihrer Anwesenheit unterstützen und auch selbst erfahren, wie die Akteure unterwegs sind.“ Er nehme schon vieles aus seiner Arbeit sozusagen mit nach Hause und bespreche das auch mit seiner Frau. „Das betrifft ja unsere Heimatstadt und berührt deshalb auch meine Frau“, sagt Haberbosch. Sie sei für ihn eine wichtige Ratgeberin und gebe ihm auch Feedback, wie sie ihn bei Veranstaltungen erlebe.

Genug Aufgaben für neue Amtszeit

Für den neuen Rat hat Frank Haberbosch die Hoffnung, dass das sich das Miteinander der Fraktionen, das zuletzt gelitten hatte, wieder verbessern werde. „Da sind natürlich auch die Fraktionsvorsitzenden gefordert“, sagt der Sozialdemokrat.

An Aufgaben und Ideen für eine zweite Amtszeit mangelt es dem seit fast 30 Jahren in Lübbecke lebenden gebürtigen Bielefelder nicht. Da gilt es für ihn, die Innenstadtsanierung zuende zu führen – auch die westliche Lange Straße und die Niedernstraße sollen mittelfristig noch folgen. Und dann ist da natürlich auch das Westertor-Einkaufszentrum zu nennen, an dessen Sinn für die Lübbecker Innenstadtentwicklung Frank Haberbosch trotz aller Kritik nie gezweifelt hat. „Die Stadt hat ihre Aufgaben erledigt. Jetzt muss der Investor HBB formell erklären, dass die Umsetzung des Projekts begonnen wird. Bis zum 30. September ist dafür Zeit“, sagt Haberbosch. Dass es derzeit häufig Nachfragen gebe, warum es so lange bis zum Baubeginn dauere, halte er für politisch motiviert. Die Projektgegner wollten Zweifel säen. „Ich persönlich blicke auch der Klage gelassen entgegen.“ Die planungsrechtlichen Voraussetzungen seien so ausgefeilt und geprüft worden, dass er keine Probleme für das 20-Millionen-Projekt in der Innenstadt sehe.

Priorität Glasfaserausbau

Wenn Frank Haberbosch am Sonntag wiedergewählt wird, dann will er sich dafür einsetzen, dass es in Lübbecke ein flächendeckendes Glasfasernetz geben wird. Denn der aktuell laufende Netzausbau im Kreis – Stichwort. Masterplan – sorgt ausschließlich dafür, dass die nicht oder unterversorgten Gebiete einen solchen modernen Anschluss erhalten. Doch davon haben diejenigen nichts, die jetzt noch mit einem konventionellen Kupferkabel online einigermaßen klarkommen. „Wir wollen aber alle mit Glasfaser anschließen“, sagt Haberbosch. „Denn ich glaube, die Standards werden sich rasch ändern und in fünf Jahren wird sich ein Grundstück nur noch verkaufen lassen, wenn es einen Glasfaseranschluss gibt.“ Auch für die Wirtschaft natürlich sei das wichtig, und für die ärztliche Versorgung, für das Home Office oder das E-Learning.

Der Sozialdemokrat geht mit Blick auf diese Entwicklung noch einen Schritt weiter: „Wie etwa auch das Stromnetz bei uns, soll auch das Glasfasernetz in kommunale Hand.“ Mit den von den Stadtwerken verlegten Leerrohren im Stadtgebiet seien die Voraussetzungen dafür günstig, so Haberbosch.

Corona bislang gut gemeistert

Noch nicht ganz klar ist, welche wirtschaftlichen Folgen die Corona-Pandemie am Ende haben wird, auch wenn die Stadtfinanzen derzeit gut aufgestellt sind, so Haberbosch. Er bemerkt aber auch jetzt schon durchaus, wie das Miteinander in der Stadtgesellschaft beeinträchtigt wird. Fehlende Versammlungsmöglichkeiten, Unsicherheiten in der persönlichen Begegnung seien spürbar. „Für mich als Bürgermeister ist es zunächst einmal wichtig, dass wir mögliche Probleme wie bei Westfleisch in enger Kooperation mit Kreis und Firma sehr gut gemeistert haben“, sagt Haberbosch. Die dortigen Infektionen hätten eingedämmt werden können. Und auch beim Innenstadthandel und der Gastronomie habe sich gezeigt, dass das Stadtmarketing funktioniert und die Bevölkerung die Aktionen gut unterstützt habe. Auch den Kulturring wolle man nicht im Regen stehen lassen.

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