Polizist Bent Grote aus Gehlenbeck nimmt an Frontex-Mission in Griechenland teil
Einsatzort Flüchtlingslager

Lübbecke/Chios (WB). Die meisten Deutschen kennen die Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln nur aus dem Fernsehen, sehen die vielen dort gestrandeten Menschen, die unter oft prekären Bedingungen auf eine Chance für ein sicheres Leben in Europa warten. Bent Grote aus Lübbecke schaut nicht nur zu, er ist mittendrin. Der 28-jährige Polizist ist Teil einer internationalen Grenzschutzeinheit auf Chios.

Samstag, 05.09.2020, 14:00 Uhr
Bent Grote an seinem Schreibtisch: Der Lübbecker ist für Interviews mit den eintreffenden Flüchtlingen zuständig. Fotos vom Camp, in dem das Büro ist, darf Grote nicht zur Verfügung stellen.

Bent Grote ist in seinem Heimatort Gehlenbeck vor allem durch sein Engagement für die CDU bekannt – er kandidiert für Stadtrat und Kreistag. Im Hauptberuf ist er aber Bereitschaftspolizist in Köln, gehört zu einer Einsatzhundertschaft und sichert beispielsweise Fußballspiele, Demonstrationen oder auch den G-20-Gipfel in Hamburg und ist an Suchaktionen oder Razzien beteiligt. Doch seit Mitte Juli ist er bei einem zweimonatigen Auslandseinsatz mit der europäischen Grenzschutzagentur Frontex in Griechenland, um die dortige Polizei zu unterstützen. 98 andere deutsche Polizisten sind derzeit an ähnlichen internationalen Frontex-Missionen beteiligt.

Grotes Einsatzort ist das Flüchtlingslager auf Chios, das Camp Vial, das nach Moria auf Lesbos wohl zweitgrößte Auffanglager für Migranten in Griechenland. „Ich bin Screening-Experte“, schildert der 28-Jährige. „Mein Job ist die Erstbefragung, das sogenannte Screening. Wenn die Migranten ohne Papiere da sind, versuche ich, sie mit Hilfe eines Dolmetschers zu befragen und ihre Angaben zu Identität und Nationalität zu überprüfen.“ Auftrag sei, die griechische Polizei bei der Organisation dieses Flüchtlings-Hotspots zu unterstützen. Andere Frontex-Polizisten würden an Grenzpatrouillen teilnehmen.

Andere Kulturen

Auf seinen Job hat sich Bent Grote in verschiedenen Seminaren eingehend vorbereitet, unter anderem auch die Fragetechnik geschult. „Ich muss tiefer reingehen in die Aussagen der Migranten, um zu beurteilen, ob sie stimmig sind. Dazu muss ich mich auch intensiv mit Gegebenheiten in den Heimatländern befassen.“

Warum hat sich der Gehlenbecker für diese strapaziöse Mission beworben? „Dieser Frontex-Einsatz soll auch ein Start sein, um später an weiteren Auslandseinsätzen teilzunehmen, etwa von UN- oder EU-Missionen“, sagt Grote. „Für mich ist es unglaublich interessant, andere Kulturen kennenzulernen, und es ist optimal, dies auf diese Weise mit dem Beruf verbinden zu können.“ Außerdem sei es für ihn als politisch sehr Interessierten „schon etwas anderes, über das Riesenthema Flüchtlinge und Migration nur zu reden oder zu lesen oder sich die Realität vor Ort selbst anzuschauen und einen Beitrag zum Ganzen zu leisten“.

Grote berichtet, dass er nach der wegen Corona recht bürokratisch abgelaufenen Einreise vor Ort ein paar Tage gebraucht habe, um sich zu akklimatisieren. „Die Griechen haben teilweise schon eine etwas ‚entspanntere‘ Art, mit den Dingen umzugehen und da muss man sich erstmal dran gewöhnen, dass es an der Supermarktkasse etwas länger dauern kann.“

Leid und Elend

Die Situation im Camp, die ja auch mit Leid und Elend behaftet ist, könne er recht gut wegstecken, sagt Grote. „Natürlich lässt es mich nicht kalt, so etwas zu sehen, aber als Polizeibeamter kann und muss ich professionell damit umgehen“, sagt er. „Ich sehe ja auch in meinem normalen Berufsalltag viele Dinge, die andere möglicherweise als schockierend erachten würden. Als Polizist entwickelt man aber mit der Zeit Mechanismen, um diese Geschichten nicht mit nach Hause zu nehmen.“

Verändern würde ihn der Einsatz aber schon, sagt Grote. Sein Horizont habe sich stark erweitert. „In Deutschland habe ich ja meist nur mit den Migranten zu tun, die auffällig oder straffällig werden, hier sehe ich kleine Kinder, die lachend im Bodendreck spielen und trotz der widrigen Umstände ihre Lebensfreude nicht verloren haben. Das gibt einem eine andere Perspektive.“ Eine weitere Erkenntnis nach sechs Wochen Chios: „Es ist schön zu sehen, dass das Projekt Europäische Union gut funktioniert.“

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