Lübbecker Meteorologe bilanziert Rekordwärme im August nach regnerischem Juli
Sommer war nass und doch zu trocken

Lübbecke (WB). Nein, es hat nicht erneut eine Dürre im Mühlenkreis gegeben. Doch der fünftwärmste Sommer der Region bringt trotz seiner durchaus nennenswerten Niederschläge keine Erholung für die zu trockenen Böden. Der Lübbecker Meteorologe Friedrich Föst erläutert in seiner Wetterbilanz für den am 31. August beendeten meteorologischen Sommer, warum das so ist.

Dienstag, 01.09.2020, 19:23 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 19:30 Uhr
Ein Regenbogen hinter dicken Wolken: Der Sommer 2020 war sehr wechselhaft, insgesamt aber wieder sehr warm. Foto: Martin Nobbe

Der Sommer 2020 fiel im Mühlenkreis insgesamt 1,2 Grad zu warm aus gegenüber der langjährigen Referenzperiode 1981 bis 2010, fasst Friedrich Föst die Daten der Wetterstation in Kleinendorf zusammen. Streng genommen dürfte dieser Vergleich erst ab Januar 2021 offiziell gezogen werden, denn bis dahin ist die noch gültige Referenzperiode 1961 bis 1990, erläutert der Wetterfachmann. „Danach ist der Sommer sogar 2,2 Grad zu warm ausgefallen“, sagt Föst. Das macht Platz 5 in der seit 1951 geführten Messreihe. Die Plätze 1 bis 4 belegen die Sommer 2003, 2019, 2018 und 2010.

Der wärmste August seit 1951

„Vor allem der August geht in die Geschichte der Wetteraufzeichnungen ein“, sagt der Lübbecker, der für den privaten Wetterdienst Wettermanufaktur arbeitet. Der war der wärmste August seit Messbeginn 1951 und fiel rund drei Grad zu warm aus. Und auch auf ganz Norddeutschland bezogen: Selbst an der seit 130 Jahren geführten Wetterstation in Bremen nur der August 1997 wärmer.

Auch der Juni war mehr als 2 Grad zu warm. Dass es der Sommer 2020 in der Tabelle nicht noch weiter nach oben schaffte, liegt an dem zu kalten Juli. Dieser fiel 1,3 Grad zu kalt aus und war der erste Sommermonat seit August 2017 der mal wieder zu kalt ausfiel, berichtet Friedrich Föst. Die Sonne schien mit 620 Stunden rund 120 Stunden weniger als im Vorjahr, aber immer noch 100 Stunden mehr als im langjährigen Mittel.

 

Regnerischer Juli

Insgesamt wurden an der Wetterstation in Rahden 33 Sommertage (mindestens 25 Grad) und 9 heiße Tage (mindestens 30 Grad) registriert. Im Vergleich zu den Sommern 2018 und 2019 ist das ein deutlicher Rückgang, den der Meteorologe mit dem zeitweise ausgeprägten Atlantik-Einfluss zusammenhängt. So kam kühlere Meeresluft zu uns und auch mehr Niederschlag. „Vielleicht kommt das jetzt für viele überraschend“, meint Föst. „Aber der Sommer 2020 war zu nass gegenüber dem langjährigen Mittelwert. Und in einigen Teilen des Mühlenkreises sogar nicht unerheblich.“ Allerdings schwanken die Werte innerhalb der Kreisgrenzen: Im Raum Minden wurden teilweise nicht mal 200 Liter pro Quadratmeter erreicht, während in Stemwede örtlich rund 350 Liter pro Quadratmeter vom Himmel prasselten, an der Wetterstation in Rahden-Kleinendorf waren es rund 245 Liter. Das war etwa doppelt soviel Niederschlag wie im Sommer 2019 und sogar dreimal soviel wie im Sommer 2018.

Tiefe Bodenschichten ausgetrocknet

Aber dennoch besteht bei den meisten Mühlenkreislern wohl der subjektive Eindruck, der Sommer 2020 wäre ebenfalls zu trocken ausgefallen. Der Grund sind wohl die vielen vertrockneten Bäume und der Zustand des Waldes. Außerdem hätte die etlichen Tiefdruckgebiete der vergangenen Monate nur zeitweise den so lang erhofften gleichmäßigen Landregen gebracht. „Oft handelte es sich um Schauerniederschläge, die so manches mal von kräftigen Gewittern begleitet waren“, sagt Föst. Aber diese Niederschläge seien örtlich eben mal mehr, mal weniger ergiebig ausgefallen. Ein zweiter Grund für den Trockenheitseindruck: Die Vorwitterung ist entscheidend. Das Frühjahr 2020 war extrem trocken, davor gab es zwei sehr trockene Sommer.

Und auch der Sommer 2020 verschärfte trotz des auf dem blanken Papier existierenden Prädikats „zu nass“ die Situation. Denn an lediglich rund 30 Tagen regnete es mehr als einen Liter pro Quadratmeter. An den verbleibenden rund 60 Tagen des Sommers regnete es gar nicht oder nur unerheblich, so der Wetterfachmann. Durch die Schauerniederschläge kam zwar ordentlich Regenmenge zusammen, doch verteilte sich diese auf vergleichsweise wenig Tage. Föst: „Die Hobbygärtner brauchen zwar nicht gießen, doch in den für größere Pflanzen entscheidenden tieferen Bodenschichten kommt davon kaum etwas an.“

Landregen hat gefehlt

Laut Helmholtz-Institut reicht die Spannweite im Mühlenkreis ab etwa 1,8 Metern Bodentiefe von „ungewöhnlich trocken“ im Raum Stemwede bis „außergewöhnliche Dürre“ im Raum Petershagen, während die oberen Bodenschichten relativ gut durchfeuchtet sind. „Es liegt bei der Regenmenge also nicht am Wieviel, sondern vor allem am Wie. 300 Liter Regen verteilt über mehrere Wochen in kleineren Portionen als Landregen bringt für die Vegetation mehr als wenn alles in wenigen Tagen auf einmal vom Himmel prasselt“, fasst der Lübbecker zusammen.

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