Von vier Fraktionen unterstützt: Lübbeckes Bürgermeister Haberbosch (SPD) stellt Programm vor
Glasfasernetz soll in städtische Hand

Lübbecke (WB). Bürgermeister Frank Haberbosch (SPD) wird bei seiner Kandidatur um eine zweite Amtszeit von vier Lübbecker Ratsfraktionen unterstützt. Neben dem Bündnis aus SPD und WL, das im aktuellen Rat die Mehrheit stellt, stärken dieses Mal auch die Lübbecker Liberalen und die Wählergemeinschaft Lübbecke konkret dem Sozialdemokraten den Rücken. Im Beisein von Vertretern der vier Fraktionen hat Haberbosch am Montag sein Wahlprogramm vorgestellt. Der vielleicht überraschendste Punkt seiner Agenda: das Glasfasernetz ins Eigentum der Stadt holen, um so den Breitbandausbau wirklich an jedes Haus bringen zu können.

Dienstag, 11.08.2020, 23:00 Uhr
Setzen sich für die Wiederwahl von Bürgermeister Frank Haberbosch (SPD, Mitte) ein: (von links) Dieter Fette (FDP), Bernd Sasse-Westermann (Lübbecke konkret), Michaela Zill (SPD) und Dieter Wiegmann (WL). Foto: Friederike Niemeyer

Rückblick

Als Amtsinhaber blickte Frank Haberbosch aber zunächst zurück auf die vergangenen Jahre. „Es ist mir offensichtlich gelungen, mit meiner Arbeit zu überzeugen“, sagte Haberbosch mit Blick auf FDP und Lk, die 2015 noch den CDU-Kandidaten Dirk Raddy unterstützt hatten. Dieter Fette (FDP) und Bernd Sasse-Westermann (Lk) betonten unisono die Unterschiede, die es zur SPD gebe. Aber, so Sasse-Westermann: „Ich habe fünf Bürgermeister im Rat erlebt. Dieser hat den besten Job gemacht.“ Dieter Fette bescheinigte Haberbosch Verlässlichkeit und sagte: „Bürgermeister muss man nicht nur wollen, man muss es auch können.“

Haberbosch selbst sagte zu der abgelaufenen Legislaturperiode: „Die Dinge, die ich mir vorgenommen habe, sind umgesetzt worden.“

Alle Punkte umgesetzt

So hatte der heute 62-Jährige gleich nach seiner Amtsübernahme damit begonnen, Bauland nicht mehr nur extern, sondern von der Stadtverwaltung entwickeln zu lassen, um so auch preisgünstige Flächen in Lübbecke anbieten zu können. Nach dem Baugebiet Hülsstraße soll so nun als zweites Gebiet die Hermann-Löns-Straße vermarktet werden.

Ebenfalls rasch brachte er seine Forderung nach Gebührenfreiheit in der Mediothek durch und öffnete innerstädtische Einbahnstraßen für Fahrradfahrer. In den vergangenen fünf Jahren wurden die Feuerwache West gebaut, die Bäderfrage geklärt, die Planungen für das Naherholungsgebiet an der Obernfelder Allee sowie das Freibad abgeschlossen und die Bauarbeiten für den zentralen Kunstrasenplatz begonnen. Weitere Punkte auf der „Haben-Seite“ sind Rettungspunkte im Stadtgebiet, der Tierheim-Neubau, kostenloses W-Lan auf öffentlichen Plätzen oder das Veranstaltungsformat „Lübbecke on Tour“.

Zu seiner Bilanz rechnet Frank Haberbosch zudem die Weiterführung der Innenstadtsanierung inklusive Marktplatz, die auf den Weg gebrachte Modernisierung der Kläranlage, die Umsetzung des Digitalpaktes an den Schulen, die Einführung eines Ortsteilfonds, der für Projekte in den Dörfern bis zu 3000 Euro vorhält, den Bau von zwei Kreisverkehren, die Sanierung der Fußgängerzone sowie die auskömmliche Finanzierung von Musikschule und den beiden Jugendzentren JaM und OTé. Und trotz vieler Investitionen sei noch genügend Geld „für schlechte Zeiten“ da.

Freude an der Aufgabe

Auch beim Westertor-Einkaufszentrum habe die Stadt Lübbecke ihren Teil umgesetzt. Haberbosch sieht dieses Projekt bekanntlich als große Chance für Lübbecke an. „Eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Rat ist dafür“, sagte er und bedauerte, dass diese demokratische Mehrheitsentscheidung immer noch nicht von allen Kräften in der Stadt akzeptiert werde. Haberbosch: „Wenn ich das nicht akzeptieren kann, wie will ich dann Verantwortung in einer Kommune übernehmen?“

Trotz solcher Konflikte in der Ratsarbeit: Frank Haberbosch hält es immer noch für eine „wunderbare Aufgabe, hier in Lübbecke Bürgermeister zu sein“. Die Arbeit mache ihm Spaß, auch die Begegnung mit den Menschen etwa auf Veranstaltungen – also der Teil der Aufgabe, den er von seiner vorherigen Verwaltungsarbeit noch nicht kannte.

Eigenes Glasfasernetz

Mit einem Brief gemeinsam mit drei weiteren Bürgermeistern des Altkreises Lübbecke an Bundes-Infrastrukturminister Andreas Scheuer (diese Zeitung berichtete) hatte es Frank Haberbosch bereits verdeutlicht: Der Breitbandausbau in Lübbecke darf seiner Auffassung nach mit der Umsetzung des Masterplans des Kreises nicht aufhören. „Glasfaser an jedes Haus“ ist das Ziel, damit Bildung, Wirtschaft und medizinische Versorgung sich weiterentwickeln können und die Dorfbewohner nicht abgehängt werden. „Das geht nur, wenn der Stadt das Netz gehört“, ist der Sozialdemokrat überzeugt. Nur so könne der Ausbau passgenau gesteuert werden. Eigenwirtschaftlich arbeitende Unternehmen könnten das so nicht leisten. Dank des bereits im Boden verlegten Leerrohrnetzes der Stadtwerke ließe sich dies auch umsetzen und so ein echter Standortvorteil etwa für die Lübbecker Gewerbegebiete erzielen.

Weitere Projekte

Ein weiteres konkretes Projekt für eine zweite Amtszeit wäre für Frank Haberbosch die Verbesserung des Offenen Ganztags, in dem Lehre und Betreuung besser vernetzt werden und so beispielsweise auch nachmittags Lernangebote gemacht werden können.

Haberbosch möchte, anknüpfend an die Pläne der SPD, den Schüler-Busverkehr stärken, indem es ein kostenloses Schüler-Ticket für alle gibt, das auch für Fahrten in der Freizeit genutzt werden kann. Und es soll mittelfristig zwei weitere Kunstrasenplätze in der Stadt geben.

Für die Innenstadt schwebt dem Bürgermeister vor, den Wochenmarkt und damit den Marktplatz als Treffpunkt aufzuwerten und die Kreuzung Osnabrücker Straße/Weingartenstraße nach Möglichkeit in einen Kreisverkehr umzubauen. Außerdem möchte Haberbosch bei der Sanierung des Hallenbades weitergehen und neue Grundstücke östlich des Heuwegs als Gewerbegebiet ausweisen.

Und dann ist da noch die Idee unter der Überschrift „Mitmachen“: Bürger sollen per möglichst unkomplizierter Abstimmung selbst darüber entscheiden, welche Projekte in der Kernstadt oder in den Ortsteilen gefördert werden.

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