Statistische Gewitterhochburg Minden-Lübbecke ist eher Tornado-Gebiet
Nur zufällig die meisten Blitze

Lübbecke (WB). Wer hätte gedacht, dass der Kreis Minden-Lübbecke so spannungsreich ist? Zumindest war der Kreis 2019 die gewitterreichste Region Nordrhein-Westfalens. Eher ungewöhnlich findet das der Lübbecker Meteorologe Friedrich Föst vom privaten Wetterdienst Wettermanufaktur.

Dienstag, 04.08.2020, 22:00 Uhr
Ein Blitz zerteilt den Nachthimmel: Im Kreis Minden-Lübbecke hat es im Jahr 2019 die meisten Einschläge in Nordrhein-Westfalen gegeben. Foto: Föst

Statistisch erfasst wurden 1671 Blitzeinschläge im Kreisgebiet. Der Blitzatlas – jawohl, so etwas gibt es seit 2007 in Deutschland – veröffentlichte in der vorigen Woche die Zahlen, wonach auf Platz zwei in NRW der Kreis Lippe mit 1638 Einschlägen und auf Platz drei der Hochsauerlandkreis (1438) liegt. Es folgten der Kreis Borken, der Rhein-Sieg-Kreis sowie die Kreise Höxter und Euskirchen mit über 1000 Blitzeinschlägen. Am seltensten blitzte es in Herne mit nur 22 Fällen. 2019 war insgesamt in Mittel- und Westeuropa „ausgesprochen blitzarm“, sagte der Leiter des zuständigen Blitz-Informationsdienstes, Stephan Thern. Es habe deutlich weniger Gewitter und Blitzeinschläge gegeben: „Es war schlicht zu trocken.“

2019 zu trocken

Der Lübbecker Meteorologe hält den Spitzenplatz des Kreises in der Blitzstatistik für einen Zufallstreffer. „Normalerweise schlagen die meisten Blitze dort ein, wo Berge sind, also in NRW eher im Sauerland oder in der Eifel“, sagt Föst. „Flachlandregionen haben im langjährigen Mittel weniger Gewitter und Blitze. Wir sind hier bestimmt nicht gewitteranfälliger als andere Gebiete.“ 2019 war zu trocken für häufige Gewitter. „Diejenigen, die es gegeben hat, haben sich aber offenbar bei uns abgeladen“, so Föst. Von Jahr zu Jahr würden die Gewitter-Hochburgen wechseln, was mit den verschiedenen Wetterlagen zusammenhinge, also etwa damit, welche Wege eine Gewitterfront von ihrem Ursprung aus weiter nimmt.

Wie Föst erläutert, entstehen die Gewitter in unseren Breitengraden vor allem durch den Zusammenprall von schwülwarmen Luftmassen aus dem Südwesten und Kaltluft aus dem Westen. „Unsere Gewitter kommen meist aus dem Ruhrgebiet“, sagt der Meteorologe. Lokale Gegebenheiten hätten zusätzlich Einfluss, wenn es im Kreisgebiet etwa zu dem Zeitpunkt besonders heiß ist, wenn die Unwetterfront eintrifft. „Dann kommt es am Wiehengebirge manchmal noch zu einer Verstärkung.“

Zu kleine Berge

„Zutaten“ für ein Gewitter sind hohe Feuchtigkeit und eine „labil geschichtete Atmosphäre“, in der sich – durch warme und kalte Luftschichten angetrieben – große Quellwolken bilden. Und dann ist noch ein Auslöser notwendig. Das kann ein Gebirge sein, das sich den spannungsgeladenen Luftmassen in den Weg stellt. Oder eine Kaltfront, die die Luft ebenfalls dazu zwingt aufzusteigen. Oder die Luftschichtung ist insgesamt so labil, dass die ganz kalte Luft von oben hineinfällt. Um solch ein Auslöser zu sein, seien Wiehengebirge und Stemweder Berg aber zu klein, sagt Frie­drich Föst.

Entgegen der landläufigen Meinung hat der Mittellandkanal hingegen keinerlei Einfluss auf unser Wetter und sei schon gar nicht eine Wetterscheide. „Ich weiß, dass das immer wieder gesagt wird. Aber es stimmt nicht“, sagt Föst. Der vor 100 Jahren gebauten Wasserstraße räumt der Lübbecker eine einzige Wetterwirkung dann aber doch zu: „Rund um den Kanal gibt es im Spätherbst stärkere Nebelbildung.“

Wie in den USA

Dem Meteorologen zufolge erscheint es also als eher unwahrscheinlich, dass der Kreis Minden-Lübbecke in Zukunft gehäuft Spitzenplätze in der Blitz-Statistik belegt. Bei einem anderen Wetterphänomen wären höhere Zahlen hingegen durchaus denkbar. „Wir sind hier im Nordwesten Deutschlands in einer Zone, in der sich gerne Tornados bilden“, sagt Friedrich Föst. Die Voraussetzungen dafür seien hier gar nicht so anders als in den USA.

Tornados entstehen, wenn Schauer- oder Gewitterwolken mit Wind zusammentreffen, der mit der Höhe zunimmt und mit der Höhe seine Richtung ändert. „Solche Richtungsänderungen werden durch das Wiehengebirge oder den Stemweder Berg begünstigt“, sagt Föst. Als Beispiele für Tornados in unserer Region nennt er einen Schneetornado im Februar 2002 in Bünde sowie den Hiller Tornado von 2010.

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