Archäologen entdecken in Hille ungewöhnlich alte Siedlungsspuren
Blick zurück ins 12. Jahrhundert

Hille/Lübbecke (WB). Die bisher ältesten Siedlungsspuren des Ortes untersuchen Archäologen unter Fachaufsicht des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zurzeit in Hille. Fündig wurden die Archäologen auf einer Wiese neben dem „von Oeynhausen'schen Hof“, wo aktuell ein Neubaugebiet mit 16 Grundstücken erschlossen wird.

Dienstag, 14.07.2020, 07:13 Uhr aktualisiert: 14.07.2020, 07:22 Uhr
Drohnenfoto vom Nordwesten: Vorne links sind die Pfostenlochreihen zu sehen. Dahinter liegt hinter den Bäumen der „von Oeynhausen’schen Hof“. Rechts deutet sich der südliche Hofgraben als dunkle Verfärbung an. Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/Andreas Wibbe

Ein dreiköpfiges Grabungsteam unter der Leitung von Dr. Dieter Lammers  legt die ehemaligen Gruben mittelalterlicher Höfe in Hille frei. Deren dunkle Grubenfüllungen zeichnen sich deutlich im gelben Lehm ab. Es sind  die Löcher ehemaliger eingegrabener Hauspfosten in mehreren Reihen zu sehen. Zwei, möglicherweise sogar drei Pfostenhäuser konnten die Archäologen bisher rekonstruieren.

Nach Nordwesten ausgerichtet

„Die einfache Pfostenkonstruktion weist auf eine Hausbreite von nur sieben bis acht Metern hin“, erklärt Grabungsleiter Lammers. „Wegen der Windanfälligkeit mussten die Häuser damals mit ihrer Giebelseite nach Nordwesten zur Hauptwindrichtung  ausgerichtet werden.“ Die wahrscheinlich aus Weidenruten geflochtenen  Wände wurden mit gelbem Lehm verschmiert und abgedichtet. Hiervon zeugen die vielen unregelmäßigen Gruben im Umfeld der Häuser, aus denen damals Lehm entnommen wurde.

Archäologen haben am Fundort Keramikscherben geborgen, die von den damaligen kugeligen Koch- und Vorratstöpfen stammen. „Anhand ihrer  Verzierung und Machart können wir sie eindeutig ins 12. Jahrhundert datieren“, erklärt Dr. Sven Spiong, Leiter der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen. Er freut sich über die Erkenntnisse der Ausgrabung: „Die Hausgrundrisse sind die ältesten von Hille und  stammen aus der Frühzeit des Ortes, der 1170 erstmals in einer Schriftquelle auftaucht.“

Von Wassergräben umgeben

Die Höfe in Hille waren teilweise von Wassergräben umgeben. Der Graben um den „von Oeynhausen'schen Hof“ war nach alten Karten vor der Mitte des 19. Jahrhunderts noch mit Wasser gefüllt. Ein Teil dieses Wassergrabens haben die Archäologen jetzt bei der Ausgrabung wieder erfasst.

Doch auch  für den Hof der neu entdeckten Hausgrundrisse des 12. Jahrhunderts  zeichnet sich ein südlicher Hofgraben in der archäologischen  Untersuchungsfläche ab. Die rechteckigen Pfostenlöcher der Häuser zeigen die letzte Entwicklungsphase der Pfostenbauten an, deren Holzbalken zunehmend  stärker mit einander verzimmert wurden. Etwa zwischen 1150 und 1300 wurden diese Pfostenbauten dann auch in ländlichen Siedlungen von Fachwerkbauten abgelöst.

Da die Fachwerkhäuser nur schwach fundamentiert waren, haben sie kaum Spuren im Boden hinterlassen. Das könnte der Grund sein, warum jüngere Spuren der neu entdeckten Höfe bisher fehlen. Keramikfunde des 13. und 14. Jahrhunderts deuten aber an, dass die Höfe weiter bestanden haben. Die Archäologen werden ihre Untersuchung nach der Erschließung des Wohngebietes auf den einzelnen Bauplätzen fortsetzen.

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