Deutschland-Reiseführer stark nachgefragt – Urlaub in der Heimat
Das Gute liegt so nah

Lübbecke (WB). Die Bücherstapel auf dem Tisch wachsen und wachsen. An­dreas Oelschläger, Inhaber der Bücherstube in der Langen Straße, holt ein Buch nach dem anderen. So groß ist die Auswahl an Reiseführern zum Thema „Urlaub in Deutschland“. Und „Reiseführer“ ist dabei nur der klassische Oberbegriff, denn der Markt bietet aktuell eine beeindruckend große Vielseitigkeit. Sei es die bewährte 111er-Reihe mit 111 Orten, die man in einer bestimmten Region gesehen haben muss, die klassischen Wander- und Fahrradkarten, Tipps für Kurztrips mit dem Wohnmobil oder auch Vorschläge für das „Mikroabenteuer“ vor der eigenen Haustür. Das Regal und die Tische in Oelschlägers Buchhandlung sind gut gefüllt mit Büchern für den Urlaub in heimischen Gefilden.

Samstag, 04.07.2020, 10:00 Uhr
Andreas Oelschläger steht vor dem gut gefüllten Regal mit Deutschland-Reiseführern. Foto: Viola Willmann

„Zu Beginn des Lockdowns war die Branche wie gelähmt“, berichtet Andreas Oelschläger. Dann habe sich aber herauskristallisiert, dass die Leute nach draußen wollten. „Dadurch, dass andere Freizeitaktivitäten nicht möglich waren, gab es den Drang nach draußen in die Natur. Daraus entstand ein vermehrtes Interesse an Fahrradkarten und Wanderführern für die eigene Region.“ Dann wurde der Radius – einhergehend mit den Lockerungen in der Corona-Krise – immer größer. Das Lesematerial fängt vor der eigenen Haustür an und deckt quasi jeden Winkel Deutschlands ab.

Neues Material

Die Zeit des Lockdowns hat den Deutschland-Trend in Sachen Reisen verstärkt. Andreas Oelschläger: „Das ist ein positiver Nebeneffekt der Krise, dass sich das Bewusstsein für das eigene Land, die eigene Heimat gewandelt hat. Viele Kunden hätten das Wandern und Radfahren für sich entdeckt, aber auch das Verreisen mit dem Wohnmobil sei immer stärker nachgefragt. „Da hat man seine eigenen vier Wände dabei, das gibt einem in dieser Zeit wahrscheinlich nochmal ein gewisses Sicherheitsgefühl“, sagt der Lübbecker Buchhändler.

Pünktlich zum Start der Ferien in Nordrhein-Westfalen hat Oelschläger neues Material von einigen Verlagen bekommen. „Ich könnte die Bücher zum Thema Fernreisen quasi in den Keller räumen“, macht er die Prioritäten seiner Kunden deutlich. Als er spürte, dass die Nachfrage nach Reiseführern für Ziele innerhalb Deutschlands größer wurde, reagierte Andreas Oelschläger schnell und orderte aus mehreren bewährten Reihen noch Exemplare. „Viele Reihen haben bisher ein Nischen-Dasein gepflegt. Jetzt war Deutschland auf einmal die Welt in Sachen Reisen und die Reihen sind aufgeblüht. Dabei wollen viele Kunden einfach mal die Seele baumeln lassen, der Achtsamkeitsgedanke ist in dieser Zeit gestiegen. Und es werden Ideen vor der Haustür gesucht.“

Selbst gerne aktiv

Da kommen für Unternehmungslustige Mikroabenteuer gerade recht. Dieser Trend hat gewisse Regeln: das Abenteuer beginnt zuhause, dauert nicht länger als 72 Stunden, es dürfen nur öffentliche Verkehrsmittel benutzt werden, man übernachtet draußen (ohne Zelt) und man hinterlässt alles so wie man es vorgefunden hat. „Wir sind ein Reisevolk und die Leute sind ausgehungert. Wir haben noch nie so viel Vogelbestimmungsbücher und Naturführer verkauft“, sagt Oelschläger, der selbst im Urlaub gerne aktiv ist. „Ich bin gerne draußen und wir haben wirklich viele schöne Regionen bei uns.“ Einer seiner Tipps ist Europas größte Doppelseilrutsche, die an einem 1000 Meter langen Stahlseil über den Abgrund über die Rapp-Bodetalsperre im Harz führt – und das in 120 Metern Höhe. Seine eigene Rutschpartie wurde im vergangenen Jahr nur aufgrund von zu viel Wind abgesagt. Etwas ruhiger geht es in der Lüneburger Heide zu, etwa beim Wandern oder Reiten auf dem 223 Kilometer langen Heidschnuckenweg von Hamburg-Fischbek nach Celle.

Aber für Andreas Oelschläger haben auch der Sonnenuntergang am Dümmer, ein Abendspaziergang im Wiehengebirge oder ein Ausflug ins Moor seinen ganz besonderen Reiz. „Und dann lässt man den Abend im Garten oder auf dem Balkon mit einem schönen Schmöker ausklingen.“

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