Corona-Fall im Lübbecker Schlachthof bislang ein Einzelfall
Westfleisch testet künftig täglich

Lübbecke (WB). Ein Tiertransport kommt auf dem Gelände der Firma Westfleisch an, Menschen gehen über den Hof, ein Sicherheitsmitarbeiter steht am Pförtnerhäuschen – beim Lübbecker Fleischcenter läuft der Betrieb dieser Tage offenbar normal. Gleichwohl wird hinter den Kulissen daran gearbeitet, dass der Rinderschlachthof nicht zu einem weiteren Corona-Hotspot in Nordrhein-Westfalen wird. Von Montag an sollen die Mitarbeiter täglich auf das Virus getestet werden.

Samstag, 27.06.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 27.06.2020, 05:01 Uhr
Der Lübbecker Westfleisch-Schlachthof an der B 239 hat bislang einen Covid-19-Patienten gemeldet. Foto: Friederike Niemeyer

Am Donnerstag meldete das Kreisgesundheitsamt einen Corona-Fall unter den Westfleisch-Mitarbeitern in Lübbecke. Es handele sich um einen positiven bei mehr als 700 negativen Tests. Die betroffene Person sowie die ermittelten Kontaktpersonen seien in häusliche Quarantäne isoliert worden. Nach Angaben von Westfleisch-Sprecher Philipp Ley handele es sich um den ersten Covid-19-Fall bei Westfleisch in Lübbecke überhaupt. „Im Umgang mit dieser Person befolgt Westfleisch genau die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts“, sagte Ley.

Testung war vorher wöchentlich

Am Standort Lübbecke lässt die Fleisch-Genossenschaft seit Ende Mai alle Produktionsmitarbeiter wöchentlich auf eigene Kosten testen. Damals hatte ein Corona-Ausbruch am Westfleisch-Werk in Coesfeld dazu geführt, dass das Land NRW eine Durchtestung an allen Schlachthöfen angeordnet hatte. Außerdem waren die Wohnungen von 510 Westfleisch-Beschäftigten im Kreisgebiet von der Bezirksregierung Detmold kon­trolliert und eine Unterkunft in Espelkamp geschlossen worden.

Nun werden die betriebsintern weitergeführten Testungen engmaschiger. Im Laufe der nächsten Woche beginnt Westfleisch damit, alle etwa 5000 Produktionsmitarbeiter an allen Standorten täglich zu testen. „Das Vorgehen – Rachenabstrich und PCR-Auswertung – entspricht dem der amtlichen Tests“, erläuterte Sprecher Philipp Ley. Die Tests werden demnach von den örtlichen Betriebsärzten oder externen Organisationen durchgeführt und von externen zertifizierten Laboren ausgewertet.

Steen Sönnichsen, geschäftsführender Vorstand der Westfleisch SCE, sagte dazu: „Mit unseren Tests an jedem Wochentag werden wir noch schneller infizierte Personen identifizieren und Infektionsketten entsprechend frühzeitig unterbrechen können.“ Die Testergebnisse könnten „innerhalb von wenigen Stunden“ vorliegen, so dass bei Bedarf rasch gehandelt werden könne.

Aus den Geschehnissen der Branche lernen

Nach Unternehmensangaben sind tägliche Tests Bestandteil eines seit Anfang des Jahres bestehenden Corona-Hygienekonzepts von Westfleisch, das die Genossenschaft laufend aktualisiere. Sönnichsen: „Es wäre unvorsichtig, nicht aus den Geschehnissen innerhalb und außerhalb unserer Branche zu lernen. Wir beobachten alle Entwicklungen sehr genau, analysieren sie detailliert und passen dann entsprechend unsere Maßnahmen an.“ Stichproben allein würden aktuell nicht mehr ausreichen.

Vor wenigen Tagen hatte Westfleisch bereits angekündigt, freiwillig bis zum Jahresende alle Werkvertragsmitarbeiter direkt anzustellen, sich um deren Wohnverhältnisse und Integration zu kümmern. Ein entsprechendes Gesetz ist im Bundessozialministerium in Arbeit und soll ab 2021 greifen. Gewerkschaftsvertreter kritisieren seit Jahren die Werkvertragspraxis in Schlachthöfen.

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