Brauerei Barre: Trotz hoher Umsatzeinbußen blickt das Unternehmen nach vorn
Neues Bier, neuer Mut

Lübbecke (WB). Ein ganz neues Barre-Erlebnis: Weniger spritzig-herb, eher süffig-mild mundet die neue Bierspezialität der Lübbecker Privatbrauerei. Mit ihrem naturtrüben „Keller 1842“ kommt das Traditionsunternehmen ausgerechnet jetzt, in der Corona-Krise, auf den Markt. Vielen Unternehmen in der Branche geht es derzeit nicht gut – die Lübbecker halten mit einem neuen Produkt dagegen.

Donnerstag, 11.06.2020, 12:19 Uhr aktualisiert: 11.06.2020, 12:22 Uhr
Mit dem naturtrüben Bier „Keller 1842“ erinnert die Brauerei Barre an ihr Gründungsdatum und an den historischen Gewölbekeller und setzt zugleich ein „Zeichen Richtung Zukunft“, wie es Brauereichef Christoph Barre ausdrückt. Foto: Friederike Niemeyer

Brauereichef Christoph Barre hatte das neue Bier bereits beim alljährlichen Maibockanstich angekündigt, der noch im Februar im Gewölbekeller der 1842 gegründeten Privatbrauerei gefeiert wurde. „Wir standen bereits in den Startlöchern und wollten das Produkt Anfang März auf der Messe Internorga in Hamburg vorstellen“, sagt der 54-Jährige Diplom-Kaufmann.

Dann kam die Corona-Pandemie mit all ihren Auswirkungen auf das Unternehmen und die ganze Getränke- und Gastronomiebranche. Mehr als 50 Prozent Umsatzeinbuße bedeutete das für das Lübbecker Familienunternehmen und Kurzarbeit für die 110 Mitarbeiter. Da hätten sie sich natürlich zusammengesetzt und beraten, was aus ihrem neuen Bier werden soll, sagt Barre. „Wir haben uns dann bewusst dazu entschieden, die Produkteinführung jetzt umzusetzen. Wir möchten damit ein Zeichen in Richtung Zukunft unserer Familienbrauerei setzen.“

Mild statt herb: Neues Bier rundet das Barre-Portfolio ab

„Keller 1842“ ist als langfristiges Projekt angelegt. Es ergänzt das Barre-Sortiment um ein noch fehlendes naturtrübes Bier. Naturtrüb ist derzeit im Trend. Gleichzeitig verweist das Design mit dem Gründungsjahr der Brauerei und der Silhouette des Gewölbekellers auf die historischen Wurzeln. Und dann noch der Geschmack. Christoph Barre: „Unser klassisches Pilsner ist bekannt für den charakterstarken herben Geschmack. Das neue naturtrübe Kellerbier bildet das perfekte Pendant als milde Bierspezialität, die wünschenswerterweise neue Konsumenten für unsere Brauerei dazu gewinnen wird.“

Aktuell wird „Keller 1842“ allerdings noch nicht im Fass ausgeliefert. Eine Corona-Folge. „Die Kombination aus der Schließung der Gastronomie und die langfristige Absage von Veranstaltungen hat dafür gesorgt, dass der Fassbierabsatz schlagartig eingebrochen ist“, berichtet Christoph Barre. Während bei Großbrauereien der Fassbier-Anteil am Umsatz bei etwa 30 Prozent liegt, verzeichnen kleinere Familienbrauereien hier größere Anteile und waren entsprechend vom Lockdown stärker getroffen. Bei Barre werden mehr als 50 Prozent des Umsatzes über Gastronomie und Veranstaltungen erzielt, mit Fass- aber auch Flaschenbier. Zu den Barre-Kunden zählen 1200 Gastbetriebe.

Bei dem traumhaften Bierwetter im April wäre ein starker Bierabsatz zu erwarten gewesen.

Brauerei-Chef Christoph Barre zum eingebrochenen Fassverkauf

„Bei dem traumhaften Bierwetter im April wäre ein starker Bierabsatz zu erwarten gewesen“, sagt Christoph Barre. Nun musste die Produktion – 2019 wurden 120.000 Hektoliter ausgestoßen – der sinkenden Nachfrage angepasst werden. Glücklicherweise sei die Brauerei aber nicht in die Lage gekommen, Fassbier wegen abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatums wegschütten zu müssen. Barre: „Aktuell wird maßgeblich Flaschenbier gefüllt und leider auch dies in reduziertem Umfang, da ein Teil davon ebenfalls in der Gastronomie und bei Veranstaltungen konsumiert wird.“

Zwar ginge es nun deutlich aufwärts, aber trotz erster Lockerungen für die Gastronomie halte sich die Euphorie doch in Grenzen. Das Vorkrisenniveau werde sich bis zum Jahresende nicht mehr aufholen lassen, so die Prognose des Brauereichefs. „Wann die ersten Großveranstaltungen wieder stattfinden, ist derzeit noch nicht abzusehen. Daher müssen wir damit rechnen, dass eine Erholung der wirtschaftlichen Lage unserer Familienbrauerei noch andauern wird“, prognostiziert er.

Positive Signale: Alle Arbeitsplätze sollen erhalten werden

Immerhin ein Mut machendes Signal: Aus dem gastronomischen Kundenkreis sei der Wunsch zu hören, möglichst bald auch „Keller 1842“ vom Fass anbieten zu können. Generell bemühe sich die Brauerei, die auch Gaststättenverpächter ist, in dieser schweren Zeit für Kneipen, Hotels und Restaurants ein verständnisvoller Geschäftspartner zu sein.

Und im eigenen Betrieb? „Trotz der enormen Herausforderung werden wir versuchen, möglichst alle Arbeitsplätze zu erhalten. Die Möglichkeit der Kurzarbeit ist eine große Hilfestellung, das Unternehmen durch die Krise zu manövrieren“, sagt Barre und dankt seinen Mitarbeitern, „die als Barre-Familien hinter dem Unternehmen stehen“.

„Überwältigendes Feedback“ auf #beerathome

Unterstützung kommt auch von außerhalb: durch Sonderverkaufsaktionen für regionale Brauereien in Getränkemärkten oder durch Solidaritätsaktionen von Barre-Genießern in sozialen Medien. „Unter dem Hashtag ‚#beer­athome‘ haben wir die Barre-Fans dazu aufgerufen, ihre Barre-Momente mit uns zu teilen. Diesem Aufruf wurde zahlreich gefolgt. Das Feedback ist überwältigend“, sagt Barre. Auch als das Unternehmen nach dem Lockdown frühzeitig mit seinen Absatzsorgen an die Öffentlichkeit ging, hätte die Brauerei viel Solidarität erfahren. „Ein Signal, das uns Kraft gegeben hat.“ Zugleich habe sich auch die Brauerei selbst bei lokalen Hilfsaktionen beteiligt.

Entwarnung: Biergläser stellen keine Infektionsgefahr da

Ein Störfeuer gab es aber auch: Am Anfang der Pandemie kamen Gerüchte auf, Biergläser könnten eine Infektionsgefahr darstellen. Das wurde höchst offiziell vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) widerlegt. Gut gespülte Gläser stellen kein erhöhtes Gesundheitsrisiko dar. Eine Information, die sich inzwischen rumgesprochen hat.

Jetzt hofft die Lübbecker Privatbrauerei auf einen schönen Biergarten-Sommer mit steigendem Bierdurst. Barre: „Selbstverständlich steht es außer Frage, dass wir das Jahr über weiterkämpfen müssen. Aber wir blicken optimistisch in die Zukunft, um mit der Unterstützung aller gemeinsam durch die Krise zu kommen.“

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