Prämie für Pfleger: Mühlenkreiskliniken fordern Corona-Bonus für Klinikmitarbeiter
Und was ist mit uns?

Minden (WB). Anke Schlottmann ist eine von vielen Pflegekräften, die in der Corona-Krise mit Herzblut an vorderster Front im Einsatz sind. Die 55-Jährige war als stellvertretende Leiterin der Isolierstation im Mindener Klinikum in den vergangenen Monaten mit extremen Herausforderungen konfrontiert. „Die Belastung war schon groß“, sagt die Pflegefachkraft aus Preußisch Ströhen über die Zeit seit dem Corona-Ausbruch Anfang März. Umso größer ist jetzt die Verwunderung: Denn vom Bonus der Bundes- und Landesregierung in Höhe von 1500 Euro pro Pflegekraft in Deutschland, der jetzt als einmalige Anerkennung der Leistung auf den Weg gebracht worden ist, sollen ausgerechnet Anke Schlottmann und ihre zahlreichen Kollegen aus den deutschen Krankenhäusern nicht profitieren.

Mittwoch, 10.06.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 11.06.2020, 07:00 Uhr
Halten seit Wochen auf der Isolierstation des Mindener Klinikums die Stellung: das Pflegeteam mit Anke Schlottmann (4. von links) und Stationsleiter Bernd Hersemann (4. von rechts). Vom Corona-Bonus sollen aber ausgerechnet sie nicht profitieren. Foto: Alexander Grohmann

Als „ungerecht und falsch“ bezeichnet der Vorstandsvorsitzende der Mühlenkreiskliniken Dr. Olaf Bornemeier die Entscheidung der Bundes- und Landesregierung, Pflegekräften der stationären Gesundheitsversorgung den Corona-Bonus in Höhe von 1500 Euro nicht zu zahlen. Denn: Alle übrigen Pflegekräfte, die im ambulanten Dienst oder in Altenheimen tätig sind, erhalten die steuerfreie Prämie. Wie passt das zusammen?

Es sind Mitarbeiter der Krankenhäuser, die unter der Corona-Krise besonders belastet waren und es immer noch sind. Sie sollten die Einmalzahlung ebenfalls erhalten.

Dr. Olaf Bornemeier, MKK-Vorstandsvorsitzender

„Es sind Mitarbeiter der Krankenhäuser, die unter der Corona-Krise besonders belastet waren und es immer noch sind. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigen großen persönlichen Einsatz. Sie setzen sich bei der Behandlung von Covid-19-Patienten auf den Intensiv- und Isolierstationen einem erhöhten Infektionsrisiko aus“, sagt Bornemeier und führt aus: „Innerhalb weniger Tage haben unsere Mitarbeiter komplette Versorgungsstrukturen geändert und angepasst. Sie haben die medizinische Versorgung der Bevölkerung gesichert, als andere Akteure im Gesundheitswesen dies nicht mehr konnten.“

Dr. Olaf Bornemeier pocht auf Fairness beim Bonus.

Dr. Olaf Bornemeier pocht auf Fairness beim Bonus.

Dass nun diejenigen, die durch die Corona-Krise die größte Belastung zu schultern haben, leer ausgehen sollen, stößt bei dem Krankenhausmanager auf Unverständnis. Bornemeier unterstützt die Forderung der Gewerkschaft Verdi nach einer Ausweitung der Bonus-Zahlung. „Diejenigen Mitarbeiter aus Krankenhäusern und Kliniken, die besonders belastet sind oder sich einem erhöhten Infektionsrisiko aussetzen, sollten diese Einmalzahlung in Höhe von 1500 Euro ebenfalls erhalten“, fordert Bornemeier.

Das seien neben Mitarbeitern aus der Pflege und dem Ärztlichen Dienst „auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anderer Berufsgruppen wie Reinigung, Einkauf, IT, Technik, Labor, Küche und viele, viele weitere. Hier werden unter erschwerten Bedingungen großartige Leistungen erbracht und dafür gesorgt, dass die Krise in Deutschland bisher so verhältnismäßig glimpflich verlaufen ist. Das hat eine besondere – auch finanzielle – Würdigung verdient.“

Anke Schlottmann kann sich noch an Tag eins erinnern

Als am 8. März der erste Covid-Patient eingeliefert wurde, hatte Anke Schlottmann Dienst. „Es war ein Sonntag. Damals waren wir noch eine ganz normale Station“, sagt die Pflegefachkraft. Doch der Alltag wurde in den Wochen danach mehr und mehr auf den Kopf gestellt. Arbeiten im Schutzanzug, acht Stunden Atmen unter einer PET-Maske, latente Ansteckungsgefahr – die Belastung war und ist immer noch in vielfacher Hinsicht hoch.

Abschalten war privat schwer, man war gedanklich immer hier bei der Arbeit.

Anke Schlottmann, stellvertretende Leiterin der Isolierstation im Klinikum

„In der Spitze wurden bei uns 20 Covid-19-Patienten gleichzeitig behandelt. Einige lagen bis zu sechs Wochen hier“, sagt sie. Die Abläufe auf der Station mussten immer wieder angepasst werden – eine Mammutaufgabe, zumal zu Beginn die notwendige Schutzausrüstung nur in begrenztem Maße vorrätig war. Dazu kam die mentale Belastung, auch durch die vielen unerwarteten Krankheitsverläufe. Schlottmann: „Abschalten war privat schwer, man war gedanklich immer hier.“

Normalität herrscht im und am Mindener Klinikum noch lange nicht. Wer Patienten besuchen will, muss sich vor dem EIngang in einer langen Schlange anstellen. Jeder Besucht muss offiziell erfasst werden. Dabei wird auch Fieber gemessen.

Normalität herrscht im und am Mindener Klinikum noch lange nicht. Wer Patienten besuchen will, muss sich vor dem EIngang in einer langen Schlange anstellen. Jeder Besucht muss offiziell erfasst werden. Dabei wird auch Fieber gemessen. Foto: Grohmann

Für den unermüdlichen Einsatz sollen die Krankenhaus-Pflegekräfte nun leer ausgehen. Sie sind beim Corona-Bonus – bislang zumindest – außen vor. Eine Sonderzahlung aus Klinikmitteln ist für Dr. Olaf Bornemeier ein Ding der Unmöglichkeit. „Das würde für uns eine zusätzliche Belastung in Millionenhöhe bedeuten. Bei einem Konzernergebnis von 568.000 Euro im Jahr 2019, enormen Einnahmeausfällen durch die Corona-Krise sowie stark gestiegenen Ausgaben bei der Schutzausrüstung können wir das nicht stemmen. Ich fordere Bundes- und Landesregierung sowie die Krankenkassen auf, eine Lösung zu finden. Wir waren, sind und bleiben systemrelevant“, sagt er.

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