Nettelstedter Geschäft schwer von Corona-Folgen betroffen – Reisegäste bleiben aus Firma Oldemeier schließt Modetreff

Lübbecke-Nettelstedt (WB). Das Unternehmen Modetreff Oldemeier in Nettelstedt, ein heimischer Betrieb in der zweiten Generation, hat mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise in besonderem Maße zu kämpfen. „Die Geschäftsleitung ist gezwungen, kurzfristig weitreichende Zukunftsentscheidungen zu treffen.“, erklärt das Nettelstedter Unternehmen.

Schwer getroffen: Der Modetreff Oldemeier ist ein beliebtes Ziel von Reisegruppen, speziell Damen im Alter 70 plus, gewesen. Die Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie haben zur Absage aller dieser Gruppen in diesem Jahr geführt.
Schwer getroffen: Der Modetreff Oldemeier ist ein beliebtes Ziel von Reisegruppen, speziell Damen im Alter 70 plus, gewesen. Die Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie haben zur Absage aller dieser Gruppen in diesem Jahr geführt.

Es erzielt seine Umsätze nach eigenen Angaben in großem Maße über Tagesfahrten und Ausflüge, bei denen den Gästen unter anderem eine Modenschau mit anschließendem Einkauf geboten wird. Durch die Kooperation mit mehreren hundert Busunternehmen und Seniorenvereinigungen, vorwiegend in NRW und Niedersachsen, habe der Betrieb in den vergangenen Jahrzehnten ein großes Netzwerk geschaffen. „Jedes Jahr hatte Oldemeier in Nettelstedt etwa 350 Reisegruppen mit durchschnittlich 40 Personen zu begrüßen – das waren jährlich etwa 14.000 Gäste“, erklärt Oldemeier. Diese Reisegäste hätten nicht nur die Veranstaltungen des Modetreffs besucht, betont das Unternehmen: „Kooperierende Branchen im Mühlenkreis profitierten von den Tagesfahrtgästen.“ Der Tourismus spielt beim Geschäftsmodell der Oldemeier GmbH eine große Rolle.

Sehr beliebte Tagesfahrt fallen komplett weg

Die Reisegäste, die vorwiegend aus Frauenvereinen bestehen, seien im Alter 70-plus. Diese Zielgruppe sei in der Regel sehr reiselustig und die Tagesfahrten seien beliebt. In diesem Zusammenhang ist selbstverständlich der Einkauf von Mode zu nennen, aber auch das gemeinsame Mittagessen in kooperierenden Landgasthäusern, die Dampferfahrt auf der Weser, die Mühlenbesichtigungen und Führungen, Schlossbesichtigungen, Stadtführungen, Hotelübernachtungen usw., trugen für den Mühlenkreis Minden-Lübbecke in nicht unerheblichem Maß zur Belebung und zur Stärkung der Tourismuswirtschaft bei. In Zahlen: seit dem Umbau und der Sanierung des früheren Heitmeyer-Gebäudes (Neueröffnung 30.07.2004) sind nun über 1,5 Jahrzehnte vergangen.

In den vergangenen 15 Jahren besuchten mehr als 210.000 Reisegäste während der von Oldemeier organisierten Tagesfahrten die genannten verschiedenen Ziele im Mühlenkreis. Nach Aussage des geschäftsführenden Gesellschafters, Arno Oldemeier, wird der Umsatz in seinem Unternehmen zu 80 Prozent von diesen Reisegruppen und zu 20 Prozent durch den Besuch von Einzelkundinnen erzielt. „Durch die Tatsache, dass vor nicht langer Zeit ein Mitbewerber-Unternehmen schließen musste, konnten wir einen Großteil der Reisegruppen, die bisher den Mitbewerber besuchten, zu uns zum Besuch nach Nettelstedt gewinnen“, sagt Arno Oldemeier.

„Kalender 2020 war sehr gut belegt“

„Bereits bis Februar dieses Jahres konnte eine sehr große Anzahl von Reiseterminen für das laufende Jahr fest eingebucht werden. Der Kalender 2020 war sehr gut belegt. Die Corona-Krise hat jetzt alles vernichtet.“ Die kompletten Reisen seien bis Ende des Jahres abgesagt worden. „Die Busunternehmen dürfen bis auf Weiteres keine Reisen mehr anbieten. Dadurch, dass es sich bei der Kundschaft des Modetreffs um die am stärksten durch Corona gefährdete Altersklasse handelt, werden sich diese Seniorengruppen auch ‚nach Corona‘ nicht so schnell wieder zu einer Busreise bewegen lassen“, erklärt Oldemeier. Für den Modetreff bedeute dies einen Umsatzausfall von mindestens 80 Prozent. Auch die Einzelkundinnen würden zukünftig sehr zurückhaltend sein, vermutet er. Seniorinnen seien insbesondere auch durch die Medien sehr verängstigt und auf längere Zeit verunsichert! „Diese Tatsache hat bei uns zwangsläufig zur Entscheidung geführt, dass wir unser Modegeschäft schweren Herzens leider aufgeben müssen – die Realität lässt uns keine andere Wahl“, sagt Arno Oldemeier.

Unternehmen will neu durchstarten – nicht im Modebereich

Insofern wird aktuell mit den Lieferanten nach Lösungen gesucht, bestehende Verträge vorzeitig zu kündigen und dem Unternehmen die Möglichkeit zu geben eine geordnete Abwicklung zu erreichen. Arno Oldemeier weiter: „Als Unternehmer ist man gezwungen, sich immer wieder neu zu ordnen und gegebenenfalls mit etwas Anderem neu anzufangen – auch wir starten mit der Oldemeier GmbH wieder neu durch – wenn auch mit ganz anderen Ansätzen. Mode wird es in Zukunft nicht mehr sein.“

Oldemeier plant zeitnah einen großen Räumungsverkauf der vorhandenen Ware zu günstigen Preisen. Die nach der Schließung des Modegeschäftes frei werdenden Verkaufsflächen (700 Quadratmeter) stehen dann in Teilen oder Gesamt zur Vermietung auch anderen Branchen zur Verfügung. Am Standort sei mit einer Pizzeria, einem „Eiscafé, der Orthopädie-Schuhtechnik Nedderhoff, einem Friseur, einer Änderungsschneiderei, dem Netto-Markt und einer Post-Filiale ein sehr gutes Angebotsportfolio vorhanden, erklärt Oldemeier. Abschließend sagt er: „Wir danken unseren langjährigen Kunden, die unser Haus teilweise über Jahrzehnte treu unterstützt haben – diesen endgültigen Schritt durch ‚Corona‘ gehen zu müssen, fällt uns allen sehr schwer.“

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