Mühlenkreiskliniken informieren über Versorgungssituation
„Niemand muss sich Sorgen machen“

Lübbecke/Minden (hjA/WB). Eine deutliche Botschaft hat der Vorstandsvorsitzende der Mühlenkreiskliniken (MKK), Olaf Bornemeier, an die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Minden-Lübbecke gesandt: „Niemand muss sich Sorgen machen.“ Die MKK erfüllten auch während der Corona-Pandemie „vollumfänglich ihren Versorgungsauftrag“.

Freitag, 10.04.2020, 16:00 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 16:40 Uhr
Im Kreis Minden-Lübbecke werden am Coronavirus Erkrankte an einem Ort zentral versorgt – im Johannes-Wesling-Klinikum in Minden. Inzwischen haben sich auch einige auf den Personalaufruf der Mühlenkreiskliniken gemeldet.

Die Sitzplatzordnung während der Pressekonferenz im Audimax des Johann-Wesling-Klinikums in Minden zeigt: Zurzeit ist vieles anders. Weiter Abstand zwischen den Teilnehmern, die zunächst besonders auf der Gastgeberseite Mundmasken tragen. Aber keine Spur von Unsicherheit oder gar hektischer Betriebsamkeit in Zeiten von Corona.

Bornemeier berichtete, unter der Federführung der Ärztlichen Direktoren der verschiedenen Häuser der Mühlenkreiskliniken sei in den vergangenen Wochen ein „Überlaufkonzept“ entwickelt worden. Gefolgt sei man dabei den Richtlinien des Robert-Koch-Institutes. So würden am Virus Covid-19 Erkrankte an einem Ort zentralisiert versorgt – im Johannes-Wesling-Klinikum. Ausnahmen bildeten psychisch kranke Corona-Patienten. Deren Behandlung findet im Zentrum für Seelische Gesundheit im Krankenhaus Lübbecke statt. Es sei aber auch vorgesorgt für den Fall, dass das Mindener Klinikum nicht mehr in der Lage wäre, die Versorgung aufrecht zu erhalten, erläutert der MKK-Vorstand. Dann würde Personal aus anderen Standorten nach Minden delegiert und medizinische Leistungen würden an andere Orte verlagert.

Einige Engpässe

Erweitert werde zudem stetig die intensivmedizinische Betreuung, sagt Bornemeier, ohne genaue Zahlen zu nennen. „Das ist ein laufender Ausbau.“ Was zusätzliche Beatmungsgeräte angehe, so warte man auf die Verteilung, die das Land angekündigt habe. Notwendiges zusätzliches Personal für den Intensivbereich würde mit Hilfe des E-Learnings, des Lernens am Computer, geschult. Auch bei der Diagnostik blicken die MKK auf weitere Fortschritte. So gibt es hier Erweiterungen beim Diagnostikspektrum als auch in der Testanzahl. Limitierungen im Laborbereich seien nicht durch Technik zu erwarten, sondern eher durch nicht ausreichendes Personal, erklärt der Direktor für Laboratoriumsmedizin, Franz-Josef Schmitz.

Engpässe habe es in den vergangenen Wochen vor allem bei Mitteln für Händedesinfektion gegeben, schildert Olaf Bornemeier. Und besonders bei speziellen Schutzmasken. Und hier haben auch die Mühlenkreiskliniken die Erfahrung gemacht, dass viele unseriöse Anbieter von Atemschutzmasken unterwegs sind. Keine Engpässe gebe es bei der Medikamentenversorgung.

Reaktion auf Personalaufruf

Der Vorstandsvorsitzende verweist aber auch auf ein Stück Normalität trotz Corona. Am 1. April haben die neuen Jahrgänge bei den Hebammen und im Pflegebereich ihre Ausbildung aufgenommen. Anders ist, dass der Ersteinsatz auf den Stationen durch E-Learning ersetzt wird. Zurzeit würden planbare medizinische Leistungen nach hinten verlegt, so Bornemeier weiter. Rund ein Viertel weniger Patienten würden hier versorgt. Ausgleichszahlungen würden durch den Gesetzgeber veranlasst. „Zudem ist jetzt die Zeit des Handelns und nicht des finanziellen Taktierens.“

Aufrufe der MKK, um eine stille Personalreserve zu schaffen, waren in den vergangenen Tagen begrenzt erfolgreich. Insgesamt bewarben sich bislang 20 Personen mit einer vollen Pflegeausbildung, wie der Sprecher der MKK-Pflegedirektoren, Bernd Mühlenbruch, erläutert. Außerdem sieben Ärzte. Darunter zwei Zahnärzte, deren Einsatzmöglichkeiten aber fraglich wären. Mit dieser stillen Reserve könne eine komplette Station mit 30 Betten und 15 Pflegekräften 24 Stunden an sieben Tagen betrieben werden.

Kooperation mit HDZ

Organisiert ist die Covid-19-Station im Johannes-Wesling-Klinikum in zwei Bereiche, wie der Direktor des Universitätsinstituts für Anästhesiologie, Intensiv- und Rettungsmedizin, Bernd Bachmann-Mennenga, verdeutlichte. In einen infektiösen und einen nicht-infektiösen Bereich. In täglichen Covid-Konferenzen wird die gesundheitliche Situation der Patienten besprochen. Eine Kooperation mit dem Herz- und Diabetes-Zentrum (HDZ) in Bad Oeynhausen ermöglicht, dass schwer erkrankte Patienten, die einer besonderen Beatmungsform bedürfen, bei der die Lunge außer Funktion gesetzt wird, in Minden vorbereitet werden und dann im HDZ weiter versorgt werden können.

Auch Bachmann-Mennenga sieht die MKK während der Corona-Pandemie gut aufgestellt. Jetzt komme es darauf an, großes Ressourcenmaterial zu gewinnen. Sprich: erkannte Infizierte zu nutzen, um das Covid-19-Virus eindämmen zu können und einen Impfstoff zu entwickeln. „Wir werden die Zukunft positiv gestalten und das gesamte Thema ordentlich abarbeiten können“, zeigt sich der Anästhesist optimistisch.

Wichtiger Herdenschutz

Peter Witte, Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene bei den Mühlenkreiskliniken, verweist auf die „extrem gute Labordiagnostik“ der MKK. Sorgen macht er sich beim Blick auf den Rückgang von anderen Erkranktenzahlen und erwähnt dabei unter anderem Herz-Kreislauferkrankungen. „Diese Erkrankungen gibt es immer noch.“ Das Problem sei, viele dieser Erkrankten gingen aktuell nicht zum Arzt. Dabei gibt der Mediziner Entwarnung, was eine Infektionsübertragung von MKK-Personal an Patienten angeht. 50 Mitarbeitende haben sich in den vergangenen vier Wochen mit dem Corona-Virus infiziert, hauptsächlich im Johannes-Wesling-Klinikum: „Es sind aber keine Übertragungen auf Patienten bekannt.“

Angesichts von aktuell 463 bestätigten Corona-Infektionen im Mühlenkreis und 235 wieder genesenen Patienten – und damit etwa gleichmäßig um 230 erkrankte Personen – wünschen sich die Fachleute eigentlich eine höhere Infektionsrate. „Mit Blick auf die sogenannte Herdenimmunität wäre das wünschenswert“, erklärt Witte. Schmitz betont: „Wir brauchen Infektionen.“ Und der Labormediziner wird noch deutlicher: „Wenn wir monatelang nicht rausgehen könnten, das wäre Schwachsinn.“ Wichtig sei es, klare Strukturen für Risikogruppen zu schaffen. „Die hier bei uns landen, das ist die Risikogruppe“, so Peter Witte, der ein Beispiel gibt, wie es weiter gehen könnte: „Die Grundschulen wieder öffnen und die Kinder wieder zur Schule gehen lassen, aber nicht die kranken Großeltern besuchen.“

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