Irmgard Schmidt aus Lübbecke ist die Initiatorin
Neues Bündnis für Vielfalt und gegen rechte Gesinnungen gegründet

Lübbecke (WB). Eigentlich hatte Irmgard Schmidt geplant, in Lübbecke einen Ableger von „Omas gegen Rechts“ zu gründen. „Warum soll man das aber einschränken? Es gibt noch mehr Menschen, die sich auch in Lübbecke für Demokratie einsetzen wollen“, sagt die 70-Jährige. Deshalb hat sie am Mittwochabend das erste Treffen eines alternativen Bündnisses einberufen, das sich künftig öffentlich für mehr Toleranz und gegen rechte Gesinnungen einsetzen will.

Freitag, 06.03.2020, 06:00 Uhr
Knapp 25 Menschen haben am Gründungstreffen des neuen Bündnisses für Vielfalt und gegen rechtsextreme Gesinnungen teilgenommen. Das Motto des Bündnisses lautet: „Gesicht zeigen“. Ein Treffen soll es künftig einmal im Monat geben. Foto: Freya Schlottmann

Knapp 25 interessierte Menschen sind zu der ersten Sitzung des Bündnisses, das voraussichtlich unter dem Namen „Gesicht zeigen für Vielfalt“ agieren wird, in die Räume von Parisozial an der Bahnhofstraße gekommen. Unter den Teilnehmern waren neben einigen Privatpersonen und Pfarrer Eberhard Helling auch Vertreter der heimischen Parteien der SPD, von Lübbecke konkret, den Grünen, von der Wählergemeinschaft Lübbecke und der CDU. Den Abend moderierte Michael Hafner, der ehemaliger Schulleiter der Stadtschule. Die Beweggründe aller Anwesenden, an der Sitzung teilzunehmen, waren dabei gleich: Sie alle wollen sich gegen Ultrarechte, Faschismus und Rassismus einsetzen, Vielfalt und Toleranz fördern, die Lübbecker Bürger sensibilisieren und vor allem nicht nur mit dem Finger auf die rechte Ecke zeigen, sondern selbst aktiv werden.

„Zeigen Sie Gesicht“

Mit diesen Ambitionen hat auch Irmgard Schmidt das Bündnis ins Leben gerufen. „Ich betrachte die Ereignisse der letzten Jahre mit Sorge. Geistige Brandstifter haben immer mehr Zulauf. Werden Sie dagegen mit mir zusammen laut. Treten Sie für Demokratie, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander ein. Und zeigen Sie Gesicht“, sagte die Lübbeckerin in ihrer Ansprache an die Anwesenden.

Michael Hafner hat die erste Bündnissitzung moderiert und gemeinsam mit Irmgard Schmidt erste Ideen vorgeschlagen.

Michael Hafner hat die erste Bündnissitzung moderiert und gemeinsam mit Irmgard Schmidt erste Ideen vorgeschlagen. Foto: Freya Schlottmann

Wichtig sei ihr vorab klarzustellen, dass das neue Bündnis überparteilich und überkonfessionell sein soll. Zudem sei dieses Bündnis kein „kurzlebiger Aktionismus“. Es solle vielmehr kontinuierlich daran gearbeitet werden. Dafür soll künftig einmal im Monat ein Treffen organisiert werden. Das nächste ist bereits für den 8. April festgelegt. Dann soll sich zunächst noch einmal die Gruppe, die auch am Gründungstreffen teilgenommen hat, zusammen finden, um die konkreten Ziele der Bündnisarbeit festzulegen, ein Leitbild zu erarbeiten und eine gewisse Grundstruktur vorzubereiten. Danach sollen die weiteren Tätigkeiten in Arbeitsgruppen aufgeteilt werden, zu denen dann auch alle interessierten Bürger dazustoßen können, die sich im Bündnis engagieren möchten.

Zur Unterstützung in der Gründungsphase hat sich Organisatorin Irmgard Schmidt deshalb auch professionelle Unterstützung dazu geholt. Thomas Heilig vom „Bündnis Vielfalt, Menschenwürde und Toleranz“ aus Bad Oeynhausen gewährte beim Gründungstreffen in Lübbecke unter anderem Einblicke in die Bad Oeynhausener Arbeit. Er riet dabei, vor allem auch einen Förderverein zu gründen. „Man gerät gerade am Anfang schnell an die Grenzen. Deshalb ist eine Struktur wichtig“, sagte er. Jannik Kohl von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus OWL bot zudem eine weitere Begleitung und prozessorientierte Beratung des Bündnisses an. Und Daniel Kapteina, der Sozialpädagoge ist und bei der Fachstelle NRWeltoffen des Mühlenkreises arbeitet, regte unter anderem an, professionelle Trainer für Schulungen zu organisieren.

Interessierte sind beim Bündnis willkommen

Gerade solche empfanden die Teilnehmer der Versammlung als wichtig. Bernd Sasse-Westermann von Lübbecke konkret meinte beispielsweise, dass es für die Bündnismitglieder wichtig sei, vernünftig gegen rechtsextreme Parolen argumentieren zu können, um mögliche AfD-Wähler vom Gegenteil zu überzeugen. „Wir müssen mit den Leuten sprechen und AfDlern die Basis der Argumentation entziehen können“, sagte er. Zudem sollte sich das Bündnis auf Themen konzentrieren, die auch in Lübbecke umsetzbar seien, empfahl Sasse-Westermann. Dem schloss sich Eberhard Helling an. Das Bündnis solle seiner Ansicht nach in einem ersten Schritt die Ebenen festlegen, die die Mitglieder für wichtig halten und dazu passende Umsetzungsformate finden.

„Man muss das Große anstreben, um das Mittlere zu erreichen“, legte Irmgard Schmidt schließlich ein erstes Credo für das neue Bündnis fest. Zudem appellierte sie, weitere Menschen mit ins Boot zu holen und „Gesicht für Vielfalt und für unsere Demokratie zu zeigen“. Jeder, der sich im Bündnis engagieren will, kann sich bei Imgard Schmidt per E-Mail (lichtblau49@gmx.de) melden und wird dann über weitere Treffen informiert.

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