Theater-AG des Wittekind-Gymnasiums feiert Premiere
Schüler spielen moderne Version von Schillers „Die Räuber“

Lübbecke (WB). Vermutlich hat Schiller nicht an Datenraub und Hacker-Angriffe gedacht, als er 1781 sein Debütdrama „Die Räuber“ veröffentlicht hat. Auch Neoliberalismus und Klimawandel gehörten wohl eher nicht zu seinen Kernideen. Mit einer modernen Version des Dramas hat sich die Theater-AG des Wittekind-Gymnasiums jetzt an genau diese Themen herangewagt. Gut 100 Personen haben sich die Premiere angesehen.

Mittwoch, 04.03.2020, 09:00 Uhr
Die Räubergruppe bei einem Treffen im Wohnzimmer: Räuberin Nell (Amrei Sanke, vorne) ist eigentlich Schauspielerin und präsentiert gerade einen kurzen Ausschnitt aus dem „Original“-Schiller. Foto: Joscha Westerkamp

Die Aufführung beginnt laut: Von allen Seiten kommen Menschen auf die Bühne, alle rufen wilde Parolen. Zusammen demonstrieren sie gegen den Klimawandel und für politische Veränderungen. Das steht so nicht im Original – und doch passt es. Schillers Drama wurde 1781 erst anonym als Lesedrama veröffentlicht, ehe es ein Jahr nach seiner Uraufführung in Mannheim für Schillers nationalen Durchbruch sorgte. Die Handlung der modernen Räuber-Version ähnelt seinem Vorgänger in den meisten Zügen, unterscheidet sich aber vor allem durch einen wesentlichen Aspekt: Fast alle Hauptcharaktere sind weiblich.

Dramatik mit technischer Hilfe perfektioniert

Die Handlung: Vater Moor (Jonathan Sanke), ein Schriftsteller, hat zwei Töchter. Die hinterlistige und böswillige Tochter Franziska (Alea Leibelt) lebt in guter Beziehung zu ihrem Vater, liest seine Texte für ihn Korrektur und bringt ihm seinen Kaffee, wenn er das wünscht. Tochter Charlotte (Sophie Freitag), eigentlich sehr vom Vater geliebt, hat derweil zu viele Partynächte mit fremden Männern durchlebt und geliehenes Geld verprasst – „Bestimmt für Drogen“, wie Schwester Franziska meint.

Am Mischpult: Die vier Technik-Schüler (von links) Farin Schneiderheinze, Julius Maaß, Johannes Fliß und Laurin Miklautsch bei ihrer Arbeit.

Am Mischpult: Die vier Technik-Schüler (von links) Farin Schneiderheinze, Julius Maaß, Johannes Fliß und Laurin Miklautsch bei ihrer Arbeit. Foto: Joscha Westerkamp

Um Charlottes Freund Paul (Björn Schier) für sich zu gewinnen und das gesamte Erbe ihres Vaters zu erhalten, überredet Franziska Vater Moor dazu, Charlotte als Strafe für ihre Untaten zu enterben und verbannen. In Wut über diesen Beschluss entschiedet sich Charlotte dazu, zusammen mit mehreren Bekannten eine Räuberbande zu gründen. Ihre Taten beginnen mit einem Hackerangriff auf einige Firmen – und enden mit dem Fesseln eines Polizisten sowie zweifachem Mord.

Die Aufführung dauerte insgesamt mehr als zwei Stunden. Jedem der jungen Schauspieltalente war das lange Proben anzusehen – der Text war gekonnt und die Mimik perfekt angepasst. Für ausreichende Dramatik sorgte neben dem darstellerischen Können der Schülerinnen und Schüler auch die Technik des Abends – es gab dunkelrotes Licht und Nebel in gefährlichen Szenen und guckten die Räuber gerade fern, so war das auf einer riesigen Leinwand im gesamten Hintergrund der Bühne zu sehen. Feierten die Räuber gerade einen Erfolg, so wurde laute Partymusik eingespielt. Zuständig dafür waren die Schüler Julius Maaß, Johannes Fliß, Laurin Miklautsch und Farin Schneiderheinze. Das Bühnenbild tat das übrige; für die Gestaltung zuständig war der ehemalige Schulleiter Friedhelm Sauerländer.

Die meisten Hauptrollen wurden doppelt besetzt

Insgesamt 20 Schülerinnen und Schüler sind in der Theater-AG des Wittekind-Gymnasiums. Die meisten Hauptrollen sind doppelt besetzt, sodass die Darsteller nicht jedes Mal komplett spielen müssen. „Vor einem Dreiviertel Jahr haben die Proben begonnen“, sagt Mareike Buhrke. Zusammen mit Chiara Höcker leitet sie die AG und führt Regie. Alea Leibelt und Jule Gärtner unterstützen.

„Anfang Juni hatten wir das Casting. Über die Sommerferien musste dann der Text gelernt werden, danach ging es mit den Proben los“, sagt Mareike Buhrke. Mit dem Ergebnis sei sie sehr zufrieden. „Ich bin echt stolz auf die Gruppe. Die Rollen passen einfach zu ihnen, sie leben sie quasi.“ Auch Schulleiter Eberhard Hagemeier lobte die Schauspieler: „Ihr habt es wirklich geschafft, Schiller in die heutige Zeit zu bringen und mit aktuellen Themen zu füllen. Ihr habt das sehr gut rübergebracht.“

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