Kriminalstatistik 2019: deutlich weniger Wohnungseinbrüche Kreispolizei nimmt Drogen in den Fokus

Lübbecke/Minden (WB). 2018 hatte die Polizei mit 13.884 Straftaten im Mühlenkreis die niedrigste Zahl seit 20 Jahren vermelden können. Im Jahr 2019 nun sind 0,8 Prozent mehr Delikte registriert worden: 13.996. Deutlichen Rückgängen bei Diebstählen stehen 2019 mehr Körperverletzungen und auch mehr Betrugs- und vor allem Rauschgiftdelikte gegenüber. Das hat Montag die Polizeibehörde Minden-Lübbecke bekannt gegeben und auch auf die aus ihrer Sicht verhältnismäßig gute Aufklärungsquote von 54,9 Prozent verwiesen. 2018 lag diese Quote bei 52,99 Prozent.

Von Friederike Niemeyer
Ein Polizeispürhund sucht in einem Auto nach Drogen: Die Kreispolizei hat den Fahndungsdruck in Sachen Rauschgift erhöht und will das Thema auch 2020 verstärkt verfolgen. Speziell an Schulen bereite die Situation Sorgen, sagt die heimische Polizei.
Ein Polizeispürhund sucht in einem Auto nach Drogen: Die Kreispolizei hat den Fahndungsdruck in Sachen Rauschgift erhöht und will das Thema auch 2020 verstärkt verfolgen. Speziell an Schulen bereite die Situation Sorgen, sagt die heimische Polizei. Foto: dpa

Präsentieren die Zahlen zur Kriminalität im Kreis: (von links) Mathias Schmidt, Benjamin Beutler und Landrat Ralf Niermann. Foto: Friederike Niemeyer

Landrat Ralf Niermann, Leiter der Polizeibehörde, sagte: „Die Wohnungseinbrüche waren ein Sorgenkind. Jetzt haben wir 35 Prozent weniger. Das sollte uns Mut machen, genauso wie die auf 19,8 Prozent gestiegene Aufklärungsquote in diesem Feld.“ Hier gelte alles um die 20 Prozent als guter Wert.

Aktionen zeigen Wirkung

Benjamin Beutler, seit Oktober neuer Direktionsleiter der Kripo sprach von vielen Bausteinen, die zum Rückgang der Einbrüche geführt hätten: So sei eine litauische Tätergruppe festgenommen worden, die konsequente Spurensicherung an den Tatorten hätte beim Abgleich mit der Kartei des Landeskriminalamtes ebenfalls den ein oder anderen Treffer ergeben und die zahlreichen Aktionen des Kommissariats Vorbeugung würden ebenfalls Wirkung zeigen. „Viele Einbrüche sind im Versuchsstadium geblieben“, sagte Beutler.

Aktuell im Fokus hätte die heimische Polizei mit ihren etwa 450 Mitarbeitern die beiden Felder Sexualdelikte und Drogenkriminalität, sagte Mathias Schmidt, Abteilungsleiter Polizei. So habe die Polizei beim Rauschgift einen Anstieg von 806 Fällen in 2018 auf 1168 Fälle in 2019 (+ 44,9 Prozent) zu verzeichnen – Ergebnis verschärfter Kontrollen im Verkehr und an Schulen.

Drogenhandel rund um Schulen

Wie Schmidt erläuterte, sei die offene Drogenszene vom Mindener Glacis oder Bad Oeynhausener ZOB zwar aufgrund des Fahndungsdrucks verschwunden. „Dafür macht uns der Drogenhandel rund um die weiterführenden Schulen Sorgen. Darum müssen wir uns dringend kümmern.“ Auch habe es sich offenbar zu einer Art Sport entwickelt, sich Hanfpflanzen zu Hause hinzustellen. Neben Cannabis seien vor allem Amphetamine im Umlauf, so Schmidt.

Auch im Bereich der Sexualdelikte verweist die von 124 auf 209 gestiegene Fallzahl 2019 vor allem auf vermehrte Fahndung sowie eine gesunkene Hemmschwelle, solche Delikte anzuzeigen , führte Mathias Schmidt aus. Nach dem Fall Lügde habe die Kreispolizei ihre Bemühungen im Zusammenhang mit Kinderpornografie verstärkt und eine Ermittlungskommission eingerichtet. Auch der Fall des inzwischen verurteilten Kinderphysiotherapeuten aus Bad Oeynhausen habe weiter sensibilisiert, Hinweisen in diesem Bereich Priorität einzuräumen, um Kindern Leid zu ersparen.

Hüllhorst am sichersten

Benjamin Beutler sprach auch die nur schwer zu ermittelnden Delikte Diebstahl aus Autos (938 Fälle) und Fahrraddiebstahl (986 Fälle) an. Hier seien auch die Bürger gefordert, durch umsichtiges Verhalten (keine Wertgegenstände in Autos, hochwertige Fahrradschlösser) Taten zu verhindern.

Die Zunahme bei den Körperverletzungen (+15,6 Prozent auf 1419) sieht Mathias Schmidt vor allem in Zusammenhang mit einer gesunkenen Hemmschwelle bei Jugendlichen. Nichtdeutsche Straftäter – sie machen 24 Prozent aller Tatverdächtigen aus – seien hierbei keineswegs überrepräsentiert, sondern träten „querbeet durchs Strafgesetzbuch“ in Erscheinung.

Die meisten Straftaten werden in Minden registriert (5972 Fälle), die sicheren Schlusslichter bilden Stemwede (277) und Hüllhorst (257). Die Pro-Kopf-Quote von Straftaten ist in Hille am günstigsten mit hochgerechnet 1936 Fällen auf 100.000 Einwohner (Lübbecke 4461, Bad Oeynhausen 5170, Minden 7311).

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