Schulleiter Dr. Eberhard Hagemeier erklärt die Vorteile des Bildungsgangs mit Abitur nach neun Jahren
„G9“ kommt am Wittekind-Gymnasium gut an

Lübbecke (WB). Die jetzigen Siebtklässler werden nach acht Jahren am Gymnasium ihr Abitur ablegen, die Sechstklässler nach neun Jahren. Die Umstellung vom sogenannten G8- auf den G9-Bildungsgang läuft seit einem halben Jahr auch am Lübbecker Wittekind-Gymnasium. „Wir leben jetzt in zwei Systemen“, sagt Schulleiter Dr. Eberhard Hagemeier.

Donnerstag, 13.02.2020, 06:30 Uhr
Eine Schülerin streicht „G8“. Das Wittekind-Gymnasium hat das erste Halbjahr nach der Rückkehr zum neunjährigen Bildungsgang bis zum Abitur hinter sich. Vor allem im Fremdsprachenunterricht ist die Entlastung spürbar, sagt der Schulleiter. Foto: Armin Weigel/dpa

Nur drei von gut 620 Gymnasien im Land NRW haben sich 2018 dazu entschieden, das umstrittene „Turbo-Abitur“ nach insgesamt zwölf Schuljahren beizubehalten. Am Wittekind-Gymnasium gab es sowohl bei Eltern als auch bei Lehrern eine große Mehrheit für die Rückkehr zu 13 Schuljahren. Das Schulministerium ordnete die Umstellung für das Schuljahr 2019/20 an, und zwar nicht nur für die neuen Fünftklässler, sondern auch für die Gymnasiasten, die schon ein Jahr dabei waren.

Für die dreijährige Oberstufe bleibt alles beim alten

Für die dreijährige Oberstufe bleibt alles beim alten. Doch für die Sekundarstufe I ändert sich nicht nur die Zahl der Jahrgangsstufen, die Stundentafel muss auch für alle Klassen überarbeitet werden. Neue Lehrbücher erscheinen, und es gibt eine veränderte Prüfungsordnung, die beispielsweise mehr Informatik- und Geschichtsstunden sowie neu Verbraucherbildung vorsieht. In vielen Fachkonferenzen passen nun die Lübbecker Lehrer peu à peu die Unterrichtsinhalte an die neuen Gegebenheiten an.

Dr. Eberhard Hagemeier (62) berichtet von fast nur positiven Reaktionen auf G9.

Dr. Eberhard Hagemeier (62) berichtet von fast nur positiven Reaktionen auf G9. Foto: Friederike Niemeyer

Schon nach den ersten Monaten mit G9 ist am Wittekind-Gymnasium zu spüren, dass die erhofften Vorteile zu greifen beginnen. „Besonders bei den Fremdsprachen ist dies eine Erleichterung für die Kinder“, sagt Dr. Eberhard Hagemeier, selbst Englischlehrer. „Der frühe Beginn der zweiten Fremdsprache in der sechsten Klasse war eine Hürde.“ Jetzt geht es erst in der siebten Klasse mit Französisch oder Latein los. Es ist mehr Zeit dafür da, dass sich die erste Fremdsprache einprägen kann. Denn, so Hagemeier, der Gedanke, dass Englisch durch die ersten mündlichen Anfänge in der Grundschule schon „sitze“, sei leider nicht zutreffend. Gerade Englisch sei als Schriftsprache nicht so einfach, weil die Lautung so anders sei als im Deutschen.

Ein Schuljahr mehr bedeutet auch, dass in den Sprachfächern pro Jahr fünf statt bislang sechs Grammatik-Einheiten gelehrt werden. „Die Zeitstufe Past Tense unterrichten wir nun beispielsweise erst in Klasse sechs. Damit verschieben sich auch die für die Schüler schwierigen unregelmäßigen Verben nach hinten“, sagt Hagemeier. „Es ist einfach mehr Zeit zum Üben da.“

Es gibt wieder mehr Zeit für weitere Angebote

Weitere vorteilhafte Veränderungen aus Sicht des Schulleiters: Es fällt nicht nur der Nachmittagsunterricht weg – die Schüler werden von 7.45 bis 13 Uhr verlässlich beschult –, es gibt auch wieder mehr Zeit, über Ergänzungsstunden das Sport-, MINT- und Bilingual-Profil des Wittekind-Gymnasiums zu pflegen oder Lernorganisation einzuüben. Hagemeier könnte sich zudem vorstellen, dass sich die Umstellung günstig auf die Anmeldezahlen des Wittekind-Gymnasiums auswirkt, denn G9 an der Gesamtschulen sei für viele Eltern ein Argument für diese Schulform gewesen.

In vier Jahren wird es durch G9 am Gymnasium einen Jahrgang und etwa 110 Schüler mehr geben. Was die Räume angeht, sieht Eberhard Hagemeier seine Schule gut aufgestellt. Doch bei den Lehrern könnte es zu Engpässen kommen. Dann müsste das 69-köpfige Kollegium um fünf Stellen aufgestockt werden, doch schon jetzt kann der Bedarf in Fächern wie Physik, Informatik nicht mehr überall gedeckt werden.

Besonders spannend wird aus Sicht des Schulleiters das Jahr 2016 werden – ein Jahr ohne Abitur, denn die G8er sind schon durch und die G9er noch nicht soweit. „Was wird dann mit Quereinsteigern und Wiederholern? Was mit den Schülern am Berufskolleg und den Gesamtschülern?“, fragt Hagemeier. „Da wird sich das Ministerium noch etwas ausdenken müssen.“

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