Nachwuchstalente begeistern mit Konzert im Wittekind-Gymnasium
Kammermusik und Könner des Klaviers

Lübbecke (WB). Ein Klavierabend der Extraklasse: Den hat es nun im Wittekind-Gymnasium gegeben. Etwa 50 Personen, darunter Lehrer und Ehemalige der Schule, genossen die Klänge von Kammer- und Klaviermusik, wie sie besser nicht hätten sein können.

Donnerstag, 06.02.2020, 00:00 Uhr aktualisiert: 07.02.2020, 11:02 Uhr
Das Trio mit Johannes Maaß (Klavier), Marlene Braatz (Flöte) und Amrei Sanke (Violine) hat das Publikum im Wittekind-Gymnasium begeistert. Dariia Lytvishko (links), ebenfalls Pianistin, diente auch als Hilfe zum Umblättern der Notenseiten. Foto: Joscha Westerkamp

Den Auftakt des Konzerts bildete ein Ensemble der Musikschule Pro Musica. Marlene Braatz (Flöte), Amrei Sanke (Violine) und Johannes Maaß (Klavier) spielten das „Allegro moderato“ aus Friedrich Kuhlaus „Trio op. 119“. Mit perfektem Zusammenspiel und spielerischer Leichtigkeit boten sie das Trio dar, das ursprünglich für Klavier und zwei Flöten konzipiert war. Durch gelegentliche Pausen in Violine oder Flöte konnten sich die Zuschauer vom musikalischen Können der einzelnen Musiker überzeugen, ehe sie wieder in gemeinsamen Einklang zurückkehrten.

Ohne Noten

Um den Ansprüchen eines Klavierabends gerecht zu werden, bildete Julius Maaß am Klavier die dritte Konstante, die das Trio bereits zu Beginn präsentierte. Weiter ging es mit Paul Knizewski, einem Examinanten der Klavierklasse von Erik Salvesen an der Hochschule für Kirchenmusik Herford. Nach seinem Studienabschluss wird der Organist Kantor in Berlin-Neukölln. Nur wenige Stunden vor Konzertbeginn hatte Paul Knizewski noch ein Orgel-Solo-Konzert gegeben, in dem Konzert präsentierte er dann einen Teil seines Klavier-Prüfungsprogramms.

„Für Paul ist das hier nur wie eine kleine Zugabe“, sagte Lehrer Erik Salvesen. Doch klein war das beim besten Willen nicht: Knizewski spielte Johann Sebastian Bachs Toccata „e-Moll BWV 830“, Ludwig von Beethovens Sonate „D-Dur op. 28: Allegro“ und Claude Debussys „Prélude ‚La Puerto del Vino‘“.

Zweiter Solo-Pianist des Abends war der sicherlich vielen Lübbeckern bekannte Edvard Salvesen, der sich auch in diesem Konzert wieder durch beeindruckende Fingerfertigkeit und musikalisches Geschick auszeichnete – einfach ein Virtuose schlechthin. Besonders auffällig war, dass er komplett ohne Noten spielte. Kurz die Hände reiben, einmal beide Pedale treten, dann legte Edvard Salvesen die Finger auf die Tasten und fing an zu spielen. „Der Junge ist echt ein Genie“, flüsterte eine Zuschauerin, als Salvesen Beethovens „Sonate op. 2 Nr. 3: Allegro con brio“ beendet hatte. Auch mit seinem zweiten Stück, Frédéric Chopins „Etüde F-Dur op. 10 Nr. 8“, konnte er dem Publikum sein Talent auf ein Neues beweisen.

Markante Spielweise

Nach Edvard Salvesen trat die erste Pianistin auf: Dariia Lytvishko, ebenfalls Herforder Studentin der Klavierklasse Erik Salvesen. In der Ukraine hat sie bereits eine Ausbildung zur Pianistin abgeschlossen. Dariia Lytvishko begann mit drei Sätzen aus Beethovens Sonate „‚Appassionata‘ f-Moll op. 57“. Dabei nutzte sie mit äußerst starker und markanter Spielweise die gesamte Klangkapazität des Flügels aus. Eine Art, die sich auch in vielen Teilen ihrer weiteren Stücke, Sergei Rachmaninows „Moment Musical Des-Dur op. 16 Nr. 5: Adagio sostenuto“ und Debussys Sarabande und Toccata aus „Pour le Piano“, fortsetzte.

Ruhige Passagen spielte die Pianistin umso gefühlvoller, sodass sie mit ihrem Klavierspiel für ein insgesamt außergewöhnliches musikalisches Feuerwerk sorgte.

Besondere Zugabe

Nicht minder besonders war die Zugabe des Abends. Edvard Salvesen spielte zusammen mit seiner kleineren Schwester June vierhändig Astor Piazollas „Libertango“, das als neuestes Stück das Abends (1974 veröffentlicht) für einen sehr erfrischenden Abschluss sorgte.

Doch auch damit war das Konzert im Wittekind-Gymnasium noch nicht beendet – „Meine Tochter traut sich, noch etwas Anderes auszuprobieren“, sagte Vater Erik Salvesen. June spielte das vierte Stück aus Rachmaninows „Moment Musical Des-Dur op. 16“, aus dem Dariia Lytvishko zuvor bereits das fünfte Stück vorgetragen hatte. Damit zeigte die Neuntklässlerin, dass das Talent fürs Klavier wohl in der ganzen Familie liegen muss – und sorgte nach dem insgesamt anderthalbstündigen Konzert für großen abschließenden Applaus.

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