Bayerisches Ensemble zeigt „Wer hat Angst vorm weißen Mann“ in der Stadthalle Lübbecke
Komödie mit bitterem Alltagsbezug

Lübbecke (WB). Wenn die „Komödie im Bayerischen Hof“ auf Tournee geht, ist beste Unterhaltung garantiert. „Wer hat Angst vorm weißen Mann“, aus der Feder der erfolgreichen Schauspielerin und Drehbuchautorin Dominique Lorenz, haben die bayerischen Mimen am Freitag auf die Bühne der Stadthalle Lübbecke gebracht. Unter der Regie von René Heinersdorff präsentierte ein exzellentes Ensemble, allen voran das Münchner Original Hans Stadlbauer in der Rolle des misanthropischen Metzgermeisters Franz Maisacher, diese gelungene Lektion in Toleranz und Menschenwürde.

Montag, 03.02.2020, 06:30 Uhr
Mit Frau Kugler (Christiane Rücker, 2. von links) und Herrn Konrad (Thomas Stegherr, 3. von links) bedient die Komödie ganz köstlich das Klischee vom deutschen Beamten, den so schnell nichts aus der Ruhe bringt – bis das kongolesisch-bajuwarische Duo Maisacher (Hans Stadlbauer, links) und Alpha (Dimitri Abold, rechts) das Arbeitsamt aufmischt. Foto: Ria Stübing

Die Geschichte an sich ist so einfach wie bestechend: Nachdem der tyrannische Metzgermeister Franz Maisacher eine Schlaganfall erlitten hat, weiß sich seine Tochter Zita (Joanna Semmelrogge) nicht anders zu helfen, als Alpha (Dimitri Abold), einen Flüchtling aus dem Kongo, einzustellen. Da sie nach dem Fortgang ihres zum Vegetarier mutierten Sohnes der Arbeit allein nicht mehr Herr wird, ist sie froh über die tatkräftige Unterstützung durch den Asylbewerber – wenngleich sich die Stammkundschaft der Münchner Metzgerei mit dem „Neger“, der ihnen neuerdings die Weißwurst verkauft, noch etwas schwertut.

Der Metzgermeister kommt als Geist zurück

Alte, seit Jahrzehnten in den Köpfen umhergeisternde Vorurteile brechen dann schon einmal hervor, wenn Frau Simmerling (Christiane Rücker) fürchtet, der Afrikaner könne ihren Dackel mit Aids infizieren, da diese Krankheit ja so verbreitet auf dem schwarzen Kontinent sei.

Als Zitas Vater kurz nach seiner Heimkehr aus dem Krankenhaus erneut der Schlag trifft und ihn trotz sofortiger ambitionierter Herzdruckmassage von seiner Tochter (köstlich: Joanna Semmelrogge singt „Staying alive“ und leistet im Takt dazu Erste Hilfe, was das Publikum aller Dramatik zum Trotz zum Lachen bringt) dieses Mal dahinrafft, geschieht das Unfassbare: Ausgerechnet Alpha, von Franz zuvor gern als „Bimbo“ tituliert, erscheint der gerade Verstorbene als Geist.

Seinen reaktionär-rassistischen Charakter hat ihm der Tod nicht genommen, jedoch ist er nun auf den verhassten Flüchtling angewiesen, wenn er Zita, die Metzgerei und den guten Ruf seiner Weißwürste retten will. Nur mit dessen Hilfe lässt sich der Testamentsbetrug durch seinen Sohn Anton (Benedikt Zimmermann) und dessen Frau Mireille (Julia Uttendorfer) noch aufklären, bevor die beiden aus der Metzgerei eine schwarz-rot-goldene Lounge für die Schickeria rund um den Münchner Fußballclub machen.

Nach einigem Kräftemessen sieht der Geist des Metzgers ein, dass es nur gemeinsam geht und versucht, das Beste daraus zu machen: „Ich bin der Kopf und du der Körper“, versucht er zu retten, was zu retten ist und die Geschicke seiner Hinterbliebenen sowie seiner Metzgerei mittels Alpha als Medium zu lenken.

Einige Darsteller spielen gleich mehrere Rollen

Teils gelingt dies, teils muss er akzeptieren, was ihm nicht akzeptabel erscheint. Und so endet dieser kurzweilige Bühnenspaß mit ernsten Zwischentönen mit einem glücklichen deutsch-kongolesischen Brautpaar und einem Geist, der einsehen muss, dass auf ihn keine irdischen Aufgaben mehr warten. Er folgt dem Rufen seiner Frau aus dem Himmel und Alpha drückt ihm zum Abschied mit den Worten „Gute Reise“ noch eine Weißwurscht in die Hand.

Mit feinsinnigem Sprachwitz besticht die Komödie und erinnert doch immer wieder daran, dass vieles, worüber wir an einem solchen Abend lachen, im Alltag oft bitterer Ernst ist. Das Lübbecker Publikum belohnte das achtköpfige Ensemble mit anhaltendem Applaus.

Neben den fünf Hauptrollen gab es vier männliche Nebenrollen, die allesamt von Thomas Stegherr verkörpert wurden. Mit sechs Rollen, unter anderem Frau Kugler vom Arbeitsamt und die Stammkundin Frau Simmerling, spielte sich Christiane Rücker in die Herzen der Zuschauer.

Für die musikalische Untermalung vieler Szenen sorgte Julian Schwarz, der mit seinem Akkordeon mal vor und mal mitten im Geschehen, auf der Bühne saß und spielte.

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