Lesebühne: Christoph Ruf begeistert im Alten Amtsgericht Lübbecke
Die „Kuh“ wird gemolken

Lübbecke (WB/tz). Fußball zieht immer – auch auf einer Lesebühne: Im Alten Amtsgericht wollten rund 100 Interessierte hören, was der bekannte Fachjournalist und Autor Christoph Ruf in seinem Buch „Fieberwahn. Wie der Fußball seine Basis verkauft“ schreibt.

Samstag, 01.02.2020, 14:17 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 14:20 Uhr
Lieferten bei der Lesung und anschließenden Diskussion interessante Einblicke in das Fußballgeschäft: (von links) Organisator Philipp Knappmeyer, FLVW-Kreisvorsitzender Karl-Heinz Eikenhorst, Moderator Rainer Placke, Autor Christoph Ruf, Tengerns Trainer Olaf Sieweke und Preußen Espelkamps Trainer und Sportlicher Leiter Tim Daseking. Foto: Ingo Notz

Christoph Ruf lieferte in Lübbecke einen hochinteressanten Blick hinter die Fassade des Profifußballs und schaffte es gleichzeitig, die dort gewonnenen Einblicke auch auf den tieferklassigen Fußball zu übertragen. Von der Geschichte der ersten Trikotwerbung überhaupt (auf den Trikots von Eintracht Braunschweig) bis zur durchgetakteten Kommerzialisierung des heutigen Fußballs – Ruf lieferte einen interessanten Überblick, ohne dabei pauschal alle Entwicklungen zu verteufeln: „Es ist nicht so, dass früher alles besser war. Es ist auch nicht so, dass in den unteren Ligen die besseren Menschen spielen – eher die schlechteren Fußballer...“

Pokalfinale in Shanghai?

Dass sich die geldwerte Spirale noch einmal zurückdrehen lassen könnte, glaubt Ruf nicht. Im Gegenteil: „Die Kommerzialisierung ist nicht aufzuhalten. Es wird so sein, dass ein DFB-Pokalfinale in ein paar Jahren in Shanghai stattfinden wird. Ecken, Flutlicht – man kann alles von einem Sponsor präsentieren lassen. Auch die Präsentation. Das ist eine neue Kultur, die Einzug gehalten hat.“ Das aber in verträglichen Schritten, so dass „die Kuh“ immer weiter „gemolken“ werden könne. Dabei wies Ruf auch auf das Ungleichgewicht zwischen den oberen (Bundes-)Ligen und dem Amateurfußball hin: Schon die Dritte Liga sei unterfinanziert, zudem erhöhten machtbewusste Investoren („Ich habe den BMW gekauft, dann will ich ihn auch fahren“ – „Aber was ist, wenn der keinen Führerschein hat?“) die Gefahr, dass das System vor die Wand gefahren werde. Allerdings sei auch das nicht nur die Schuld von den wenigen Entscheidern: „Gute Fans, böse Funktionäre – so einfach ist das natürlich nicht.“ Christoph Ruf funktionierte als Anwalt des Fußballs ebenso wie als Anwalt der Fans.

In einer anschließenden Podiumsdiskussion schilderten der FLVW-Kreisvorsitzende Karl-Heinz Eikenhorst sowie die Trainer Olaf Sieweke (TuS Tengern) und Tim Daseking (FC Preußen Espelkamp) ihre Sichtweisen zum Thema – nicht zuletzt auch zum Thema Sponsoren im Amateurfußball. Hier war Tengern über 20 Jahre im Altkreis führend und stellt aktuell auch das ranghöchste Team, während nun auch der FC Preußen mit nicht zuletzt auch finanzieller Macht dabei ist, Tengern wieder zu überholen.

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