Erfolgreiche Werbekampagne im Kreis – Kritik an Gehölzpflege und Deponieplänen
Nabu angelt sich 800 neue Mitglieder

Lübbecke/Minden (WB). Der Eisvogel hofft auf einen milden Winter. Seine Brutplätze liegen im Torfmoor, an der Großen Aue oder am Dieckfluss. Sind die Gewässer zugefroren, muss der Fischer Hunger leiden. Wie viele Eisvögel im Mühlenkreis leben, vermag Lothar Meckling, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) im Mühlenkreis nicht zu sagen. Doch die Aussichten für den Eisvogel scheinen nicht schlecht zu sein. Das beschreibt auch die Situation beim Nabu.

Mittwoch, 08.01.2020, 06:00 Uhr
Geschickter Angler: Eisvögel brauchen naturnahe Gewässer und steile Uferwände für ihre Brutröhren, selten gewordene Habitate im Kreisgebiet Foto: Lothar Meckling

Während die Mitgliederzahlen in vielen Vereinen und Verbänden rückläufig sind, konnte der Nabu im vergangenen Jahr 800 neue Mitglieder allein im Kreis Minden-Lübbecke verzeichnen. Eine über Monate geführte Werbekampagne zeigte Wirkung. Mit nunmehr 2000 Mitgliedern ist der Nabu der stärkste Umweltschutzverband im Kreis. Für Meckling sind die Zahlen ein Indiz dafür, dass das Thema Artensterben den Menschen nicht gleichgültig ist. „Daraus erwächst die Verantwortung“, so Meckling, „sich sowohl praktisch als auch umweltpolitisch stärker einzubringen.“

Kritik an Flächenverbrauch und EU-Agrarpolitik

Kritisch sehen die Umweltschützer den fortschreitenden Flächenverbrauch und die EU-Agrarpolitik: Von einer erfolgversprechenden Wende sei nichts zu spüren, sagt Meckling. Bedenken äußert er zudem am Ausmaß der Gehölzpflege durch den Kreis Minden-Lübbecke und durch Straßen NRW. Für problematisch hält Meckling zudem die Ausweitung des Übungs- und Flugbetriebs auf dem Truppenübungsplatz Wickriede und die geplante Deponie-Erweiterung an der Pohlschen Heide, bei der nach Nabu-Berechnungen 14 Hektar Wald und der Lebensraum bedrohter Arten „geopfert werden sollen“.

Dennoch fällt der Ausblick des Nabu-Vorsitzenden positiv aus. Das Besucherzentrum Moorhus soll auch in diesem Jahr Schauplatz für viele Umweltbildungsveranstaltungen sein. Die finanzielle Basis stellt eine Landesförderung, die das Moorhus als Regionalzentrum „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) erhält. Der Mitgliederzuwachs hilft, den Eigenanteil von 20 Prozent sicherzustellen. Die Geschäftsstelle im Moorhus ist darüber hinaus Anlaufstelle für Anfragen zum Artenschutz oder auch für Anzeigen von Verstößen. „Diesen Meldungen versuchen wir mit ehrenamtlichen Kräften nachzugehen“, erklärt Meckling.

Areal in Rahden „weiter optimiert“

Tätig geworden sind die Mitarbeiter auf einem 3,5 Hektar großen Grundstück in Rahden-Varl. Nachdem der Verband per Erbschaft zum Eigentümer wurde, konnte das Areal nach Auskunft von Meckling „weiter optimiert“ werden. Das auf dem Grundstück stehende Gebäude wurde gesichert und in ein Artenschutzhaus umgebaut. In Porta Westfalica konnte ein drei Hektar großes Grundstück mit Bruchwald und Feuchtwiesen erworben werden. Eine Landesförderung ermöglichte den Kauf. Den Eigenanteil (30 Prozent) stellte die Nabu-Stiftung Naturerbe zur Verfügung, 5000 Euro spendeten Mitglieder.

Mit Programm- und Schulveranstaltungen, Aktionsständen bei Stadtfesten, Fachtagen und Messen, Fortbildungsseminaren und Gruppenveranstaltungen wurden vom BNE-Bildungsteam unter der Leitung von Nicolai Meyer im Vorjahr mehr als 700 Erwachsene sowie 1300 Kinder und Jugendliche erreicht. Besonders aktiv sei in 2019 die Arbeitsgruppe „Praktischer Naturschutz“ gewesen, heißt es vom Nabu. Organisator Eckhard Schlömer berichtete von der Wegepflege im Torfmoor, von der Erneuerung von Hinweispfählen und Absperrungen sowie von Absprachen zur Beweidung und Betreuung des Moores zusammen mit der Biologischen Station. Die Arbeitsgruppe „Artenschutz“ war ebenfalls aktiv. Zeitintensiv war die Beringung von Störchen, Uhus und fast 140 jungen Steinkäuzen.

Nisthilfen für Schwalben und Fledermäuse

An 50 Hauseigentümer wurde eine Plakette für den Schutz der bedrohten Mehl- und Rauchschwalben vergeben. In vielen Fällen habe der Nabu auch beim Schutz von bedrohten Fledermäusen Behörden und Privatleuten Hilfestellung geleistet, sagt Meckling. Der Kreisverband organisierte zudem eine Fachtagung zu Fledermäusen in Minden und einen Themenabend im Besucherbergwerk Kleinenbremen.

Gefordert waren die ehrenamtlichen Naturschützer auch in Gremien, wie dem Naturschutzbeirat, den Arbeitskreisen zu Landschaftsplänen oder auch dem Fachbeirat der Biologischen Station. Etwa 40 Stellungnahmen wurden im Zusammenhang mit großen Planverfahren (unter anderem zum Westertor in Lübbecke) abgegeben. Verfahren, zu denen meist viele Aktenordner durchgearbeitet werden mussten.

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