„Dorf im Dorf“ wird in Lübbecke jetzt konkret
Innovatives Wohnprojekt: Schon 40 Interessenten

Lübbecke-Nettelstedt (WB). Mehrgenerationen-Wohnen ist heute ein großes Thema. Doch wie passt man dieses Konzept an dörfliche Strukturen auf dem Land an? Das Projekt „Dorf im Dorf“ in Nettelstedt wird in diesem Zusammenhang vielfach lobend erwähnt – und nähert sich nun auch der Umsetzung.

Dienstag, 07.01.2020, 06:30 Uhr
Wie ein kleines Dorf mit verschiedenen Gebäudeformen und -größen ist das Wohnprojekt „Dorf im Dorf“ im Nettelstedt gestaltet. In den Reihenhäusern (oben rechts) sollen sieben Wohnungen eingerichtet werden. Das Langhaus (oben links) soll 22 kleinere Wohnungen umfassen, nach Möglichkeit auch eine Arztpraxis. Das Scheunenhaus mit Holzdach (Mitte) ist für neun Wohnungen konzipiert. In einem weiteren Haus (unten) ist Platz für die Diakonie, Büroräume, eine Wohngruppe, Gästezimmer und ein Café. Foto: Architekturbüro LIndstedt (Grafik)

Auf einem 7200 Quadratmeter großen Grundstück an der Stillestraße soll ein Wohnpark entstehen, der sowohl genossenschaftliche Mietwohnungen als auch kleine Eigentumswohnungen und Reihenhäuser zur Verfügung stellt. Die Diakonie soll zudem eine Pflege-Wohngruppe betreiben und auch den anderen Bewohnern ermöglichen, so lange es geht, in den eigenen vier Wänden zu bleiben.

So sollen jüngere und ältere Menschen, Familien und Singles, als Bewohner angesprochen werden. Dazu kommen viele öffentliche Räume und Grünflächen sowie ein Dorf-Café für Bewohner des Quartiers und des Dorfes. Initiator Wilfried Röwekamp hat die Grundidee vor einem Jahr so zusammengefasst: „Das Ziel ist es, ein nachbarschaftliches Miteinander zu schaffen, das dem Leben in einer Großfamilie gleich kommt.“ Außerdem soll sich der Wohnpark auch zum eigentlichen Dorf hin öffnen, beispielsweise durch das Café.

Grundsteinlegung klappt wohl nicht im Frühjahr

Ob der ursprünglich angepeilte Termin für die Grundsteinlegung noch in diesem Frühjahr gehalten werden kann, ist eher unwahrscheinlich. Dennoch hat das Projekt jetzt die nächste Schritte vorwärts gemacht. Der Lübbecker Bauausschuss hat Ende vorigen Jahres einstimmig den Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan gefasst.

Beteiligt an dem Vorhaben ist auch die heimische Wohnungsgenossenschaft GBSL als Bauträger. Geschäftsführer Achim Grube betont, dass der genossenschaftliche Gedanke auch jetzt schon in der Planungsphase zum Tragen kommt: „Das Konzept wird in die Gemeinschaft mit den Wohninteressenten entwickelt. Aus der Frage, wie sich das Leben und Wohnen gestalten soll, wird das räumliche Konzept erstellt.“

In den Projektgesprächen gelte es, die unterschiedlichen Bedürfnisse und Sichtweisen, etwa von jetzigen Hauseigentümern oder Mietern zusammenzubringen, sagt auch Architekt Timm Lindstedt. Er begleitet das „Dorf im Dorf“, zu dem die Planungen seit zwei Jahren laufen. „Es ist Initiative gefragt, etwa wenn es um die Gartengestaltung geht oder das Dorfcafé mit Leben gefüllt werden soll“, berichtet Lindstedt aus den Workshops. 40 Interessenten haben sich mittlerweile über die GBSL für das innovative Wohnprojekte gemeldet.

„Regionale 2022” würdigt das ungewöhnliche Projekt

Die verschiedenen Wohnungstypen sind 52, 65 oder 80 Quadratmeter groß, dazu kommen die Reihenhäuser, die Wohngruppe und Gästezimmer. Im Idealfall soll es noch eine Arztpraxis geben, die halbwöchentlich besetzt ist. Eingeplant sind zudem 51 Autostellplätze am Rand des Quartiers, aber keine öffentlichen Straßen. Der dortige Bachlauf soll freigelegt werden, Bäume gepflanzt werden. Die Gebäude sind unterschiedlich gestaltet und optisch einem größeren Hof-Ensemble nachempfunden.

Den Lübbecker Bauausschuss und den Baudezernenten hat das Konzept überzeugt. Hier werde „in mustergültiger Weise ein Bild davon entwickelt, wie man auf Dauer im Dorf leben kann“, sagte Ingo Ellerkamp.

Diesen Modellcharakter hat auch die „Regionale 2022” gewürdigt und das „Dorf im Dorf Nettelstedt“ vor gut einem Jahr in den sogenannten Status C erhoben, der „förderwürdig“ bedeutet. Und auch einem internationalen Publikum ist das Projekt bereits präsentiert worden, wie Architekt Timm Lindstedt berichtet: Auf der Architektur-Biennale in Venedig wurde Idee vorgestellt.

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