Geschäftsleute in Lübbecke sehen Belegpflicht kritisch – mehr Müll problematisch
Bons wandern in die Tonne

Lübbecke (WB). „Wollen Sie den Bon haben?“ – Diese Frage hören Kunden seit Jahresbeginn nun bei jedem Kauf. Der Grund: die Bonpflicht . Sowohl bei Kunden als auch bei Geschäftsinhabern wird diese neue Regelung in Lübbecke kritisch gesehen.

Samstag, 04.01.2020, 07:00 Uhr
In seinem Schreibwarengeschäft am Gänsemarkt sammelt Inhaber Andreas Steinkamp mit seinen Mitarbeitern alle abgelehnten Belege eines Tages. Die extra aufgestellte Tonne ist bereits nach dem ersten Tag mit Bonpflicht voll gewesen. Foto: Freya Schlottmann

Ingrid Woltmann hat am Freitag Schnittblumen in einem Geschäft an der Langen Straße gekauft. Nur ein paar Euro musste sie dafür bezahlen. „Einen Bon brauche ich dafür nicht. Wozu auch? Ich weiß ja, was ich gekauft habe“, sagt die Rahdenerin und lehnt den Beleg beim Bezahlen ab. Damit ist sie nicht die einzige: „Die meisten Kunden wollen keinen Beleg haben“, erklärt Sebastian Stöck, der in dem Blumengeschäft angestellt ist. Vor der Bonpflicht seien die Belege nur auf Kundenwunsch gedruckt worden. „Jetzt produzieren wir nur mehr Müll“, sagt Stöck. Er hält die Bonpflicht für unnötig. „Privat nehme ich auch nie Belege mit. Nur wenn man etwas mit Garantie kauft“, erklärt er.

Für „Papierverschwenderei“ hält zudem Dieter Janke vom gleichnamigen Café an der Langen Straße die neue Vorschrift. „Jetzt muss man jeden Kunden fragen, das nervt auch“, sagt Janke.

Die vermehrte Müllproduktion ist für viele ein großes Problem

Das sieht auch Angelo Krichel von der „Genuss Company“ an der Scharrnstraße so: „Diese Bonpflicht ist einfach nur ein Witz. Jetzt wird Müll ohne Ende produziert und die Inhaber haben mehr Kosten“, sagt Krichel. Am Tag kämen sehr viele Kunden in sein Geschäft. „Dafür geht jetzt mindestens eine ganze Beleg-Rolle drauf. Das kostet mich im Jahr 2000 bis 3000 Euro. Und die Kunden wollen die Belege gar nicht haben. Die landen direkt nach dem Druck in der Tonne“, kritisiert Krichel.

Andreas Steinkamp vom Schreibwarengeschäft am Gänsemarkt hat sogar eine extra Bon-Tonne seit Donnerstag neben der Kasse stehen. „Am ersten Tag war die direkt voll mit Belegen“, sagt der Inhaber. Für eine Zeitung, einen Bleistift oder ein Heft würden seine Kunden keinen Beleg haben wollen. „Wir haben sonst nur auf Wunsch einen Bon gedruckt. Das hat auch gereicht. Die Verkäufe werden auch ohne ausgedruckten Beleg in der Kasse registriert“, sagt Steinkamp. Dass mit der neuen Bonpflicht Steuerbetrugsfälle noch besser vermieden werden sollen als vorher, hält Andreas Steinkamp für schwierig. Ein spezielles Kassensystem, das alle Verkäufe abspeichert, sei schließlich auch vorher schon Pflicht gewesen. Ein Tricksen bei der Abrechnung sei ihm zufolge nur ohne elektronische Registrierkasse noch möglich. „Und diejenigen, die keine elektronische Kasse haben, sind von der Bonpflicht nicht betroffen. Da passt doch was nicht“, meint Steinkamp.

Geschäftsleute konnten sich früh auf die Umstellung einstellen

Bei der Fleischerei Wölfing, nur wenige Schritte weiter, ist die Bonpflicht dagegen kein Thema. „Bei uns wurden die Belege auch vorher schon immer ausgedruckt und dem Kunden automatisch mit in die Tüte gelegt“, sagt Inhaber Nils Wölfing. Dieses bei vielen anderen Geschäften neue Vorgehen sei für seine Mitarbeiter also nichts Neues, erklärt er.

Auch Michael Reinköster, Steuerberater in der Kanzlei Haussels, Gärtner und Reinköster in Lübbecke, sieht die Bonpflicht für Geschäftsinhaber eigentlich entspannt: „Dadurch, dass die Einführung der Bonpflicht schon länger feststand, ist das vom Ablauf her für unsere Mandanten unproblematisch. Unsere Mandanten regen sich auf, weil es lästig ist und Müll produziert“, sagt Reinköster. Er selbst habe sich beim Einkaufen auch schon echauffiert. „Bisher wurde ich immer gefragt, ob ich den Bon haben wollte oder nicht, jetzt wurde er einfach direkt gedruckt.“

Bisher gibt es zwar kein Bußgeld bei Verstößen gegen die Bonpflicht, „Geschäfte müssen aber natürlich mit Betriebsprüfungen rechnen“, sagt Michael Reinköster. Zumal das Finanzamt auch Testkäufe vornehme. „Und wenn das nicht so läuft wie geplant, könnte ein Bußgeld ja auch noch eingeführt werden.“

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