Befähigungskurs des Ambulanten Hospizdienstes beginnt bald wieder Herausfordernd und bereichernd

Lübbecke (WB). Für viele Menschen beginnt das Jahr mit einer Reihe guter Vorsätze: Abnehmen, das Rauchen aufhören, mehr Sport treiben oder auch neue Projekte in Angriff zu nehmen. Eine Möglichkeit auf besondere Weise ehrenamtlich tätig zu werden, ist ein Engagement beim Ambulanten Hospizdienst. „Wir bieten ab Februar einen neuen Befähigungskurs in Sterbebegleitung an“, sagt Ortrud Schwenker-Steen, eine von drei Koordinatorinnen für die ambulante Hospizarbeit in Lübbecke.

Von Arndt Hoppe
Haupt- und Ehrenamtliche des Ambulanten Hospizdienstes in Lübbecke bei der Übergabe der Zertifikate an einige neue Sterbebegleiterinnen: (vorne, von links) Hannelore Lösche, Ulla Brauns-Kohlmeier, Christel Vogt-Röher und Sabine Wüppenhorst, (2. Reihe von links) Helga Nunnenkamp, Nelli Penner, Doris Kreft und Ortrud Schwenker-Steen, (hinten, von links) Hans-Jürgen Hoffmann, Peter Liepack und Detlef Siebeking. Den Kurs absolvierten ebenfalls erfolgreich: Dörte Bieling, Ursula Lübbert und Ursula Scheer.
Haupt- und Ehrenamtliche des Ambulanten Hospizdienstes in Lübbecke bei der Übergabe der Zertifikate an einige neue Sterbebegleiterinnen: (vorne, von links) Hannelore Lösche, Ulla Brauns-Kohlmeier, Christel Vogt-Röher und Sabine Wüppenhorst, (2. Reihe von links) Helga Nunnenkamp, Nelli Penner, Doris Kreft und Ortrud Schwenker-Steen, (hinten, von links) Hans-Jürgen Hoffmann, Peter Liepack und Detlef Siebeking. Den Kurs absolvierten ebenfalls erfolgreich: Dörte Bieling, Ursula Lübbert und Ursula Scheer.

Ziel des Kurses ist, sich mit Themen rund um Krankheit, Sterben, Tod und Trauer vertraut zu machen und Grundlagen für eine ehrenamtliche hospizliche Tätigkeit zu erwerben. „Es sind erfahrungsgemäß ganz unterschiedliche Menschen, mit verschiedenen Fähigkeiten aus allen möglichen Berufen, die an diesen Kursen teilnehmen. Es ist keine besondere Vorbildung notwendig“, nimmt Schwenker-Steen Interessierten die Bedenken. Die Altersspanne der zurzeit etwa 60 Ehrenamtlichen im Hospizdienst liege zwischen 18 und Mitte 70 Jahren.

Was lernen Sterbebegleiter?

„Wir haben Ende des Jahres einigen Neuen die Zertifikate überreichen können, aber es besteht jederzeit Bedarf an weiteren Freiwilligen“, sagt Christina Fahrinsland, die neu im Team der Koordinatorinnen ist. Denn die ehrenamtlichen Sterbebegleiter seien im gesamten Altkreis Lübbecke im Einsatz. „Nur Espelkamp hat seine eigene Hospizinitiative, mit der wir aber im Austausch stehen.“

Doch was lernen die zukünftigen Sterbebegleiter in dem Befähigungskurs? „Es beginnt mit einem Wochenende zum Kennenlernen. Dabei setzen sich die Teilnehmer mit dem Thema Sterben, Tod und Trauer auseinander. Sie finden heraus, wie ticke ich, wie ist meine innere Landkarte“, erklärt Ortrud Schwenker-Steen. Alle würden behutsam herangeführt. „Es ist keine Therapiesitzung. Jeder braucht sich nur so weit öffnen, wie er möchte“, betont sie. Dabei gelte grundsätzlich totale Verschwiegenheit. „Aber wir haben festgestellt, dass sich die Leute an diesem ersten Wochenende bereits sehr schnell sehr intensiv kennenlernen.“

„Manchmal geht nur darum, da zu sein“

Im weiteren Verlauf des Kurses gibt es noch ein zweites Wochenendseminar von Freitagabend bis Sonntagnachmittag sowie zwei Seminartage in der Alten Lübber Volksschule in Hille-Oberlübbe sowie acht Themenabende bei Parivital in der Bahnhofstraße in Lübbecke. „Die Sterbebegleitung ist sehr vielschichtig. Oft benötigen die Angehörigen mehr Begleitung als die Sterbenden selbst“, sagt Christine Fahrinsland. Eine der Hauptaufgaben sei es, Gehör zu schenken und eine Stütze zu sein. Für die Aufgabe seien eine hohe Sensibilität und Empathie gefordert. „Die begleitende Person richtet sich nach dem, was die Familie braucht. Und wenn sie feststellt, dass sie nicht mehr benötigt wird, zieht sie sich zurück.“

Da die ambulante Hospizarbeit überkonfessionell ist, gibt es keine Beschränkung auf eine bestimmte Religion, beispielsweise seien auch Muslime willkommen. „Allerdings sollten die Teilnehmer die deutsche Sprache beherrschen“, sagt sie. Denn ein großer Teil der Sterbebegleitung habe mit Zuhören und Gesprächen mit den Sterbenden zu tun und für ihre Angehörigen da zu sein. Die Frage „Was ist Sterbebegleitung?“ sei dabei gar nicht so einfach zu beantworten: „Manchmal geht es nur darum, da zu sein. Ein anderes mal fährt der Begleiter zum Einkaufen mit. Das Ziel kann auch sein, dem Sterbenden ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern“, sagt Ortrud Schwenker-Steen. Als Beispiel nennt sie die Erfüllung des Wunsches eines Fußballfans, der einmal in seinem Leben ein Spiel seines Lieblingsvereins live im Stadion erleben wollte. „Da kriege ich heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.“ Sie betont aber ganz deutlich: „Die Ehrenamtlichen dürfen keine pflegerischen Tätigkeiten übernehmen.“

Keine automatische Verpflichtung

So wie die angehenden Sterbebegleiter im Kurs und bei der späteren Begleitung nicht allein gelassen werden, so steht vor der Anmeldung zum Seminar das Gespräch mit den Koordinatorinnen. „Dieser Kurs ist keine Therapieeinheit für Menschen, die einen Verlust verarbeiten wollen. Da kann es sein, dass wir empfehlen, erst zu einem späteren Zeitpunkt den Kurs zu beginnen.“

Niemand, der den Kurs absolviert, verpflichtet sich damit automatisch zur ambulanten Hospizarbeit. „Aber eigentlich haben bisher alle Teilnehmer weitergemacht.“ Zum niederschwelligen Einstieg machten die meisten zunächst Besuche im Lübbecker Hospiz Veritas, das Kooperationspartner des Ambulanten Hospizdienstes ist. Später kämen Besuche in kooperierenden Seniorenheimen im Altkreis oder bei Familien hinzu. Dabei sei dieses Ehrenamt anders als etwa in Sportvereinen. „Es gibt keine wöchentlichen Termine. Da fragt sich mancher sogar: Haben die mich jetzt vergessen? Aber die Begleiter kommen zum Einsatz, wenn sie gebraucht werden“, sagen die Koordinatorinnen. Eines habe die Erfahrung aber auf jeden Fall gezeigt: „Viele Teilnehmer sagen, dass sie der Kurs persönlich sehr nach vorne gebracht hat.“

Wer sich für den Befähigungskurs für die ambulante Hospizarbeit in Lübbecke interessiert, erhält Auskunft bei: Parisozial, Bahnhofstraße 29, in Lübbecke, Telefon 05741/8096-239, oder per E-Mail an hospizarbeit@parisozial-mlh.de.

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