Mitglieder des »Runden Tisches Klimafolgen« im Mühlenkreis treffen sich »Wir sägen am eigenen grünen Ast«

Minden/Lübbecke (WB). Das Verhindern des Sägens am eigenen grünen Ast erfordert gemeinsames Denken. Auf diesen Kernsatz kann ein Projekt gebracht werden, das verschiedene Einrichtungen jetzt initiiert haben: einen Runden Tisch zu den Klimafolgen im Kreis Minden-Lübbecke.

Von Hans-Jürgen Amtage
Netzwerken heißt das Stichwort, um im Mühlenkreis auf die Folgen des Klimawandels zu reagieren, der inzwischen erhebliche Auswirkungen hat. Mitarbeiter von Verwaltungen und Verbänden im Kreis und der Region streben gemeinsame Lösungen an.
Netzwerken heißt das Stichwort, um im Mühlenkreis auf die Folgen des Klimawandels zu reagieren, der inzwischen erhebliche Auswirkungen hat. Mitarbeiter von Verwaltungen und Verbänden im Kreis und der Region streben gemeinsame Lösungen an. Foto: Amtage

Klimabedingte Veränderungen durch die heißen trockenen Sommer im Kreisgebiet seien Anlass für erste Gespräche, sagte am Montag Kreis-Pressesprecherin Sabine Ohnesorge in der Biologischen Station Nordholz in Minden. »Zeitweilig bestand die Gefahr, dass grüne Bäume wegen der Trockenheit Äste abwerfen oder auseinanderbrechen. Das Grundwasser ist gesunken, Wassernutzungsverbote mussten ausgesprochen werden. Die Trockenheit der Moore, die CO2 binden, hat dazu geführt, dass Kreisstraßen absinken.« Auch die Landwirtschaft sei stark vom Klimawandel betroffen.

Nach einer Reihe von Einzelgesprächen hatten sich die Beteiligten aus Landwirtschaftskammer, Regionalforstamt, Wasserverbänden, Energieagentur NRW, Klimaschutzmanager und Stadtplaner sowie die Bereiche Umwelt, Bauen und Planen und das Gebäudemanagement des Kreises bereits im September zu einem ersten Treffen zusammengefunden und die Lage in ihrem Bereich geschildert. Jetzt fand das nächste Netzwerktreffen statt.

Minden-Lübbecke sei der erste Kreis, der ein solches Netzwerk gebildet habe, sagte die Leiterin des Bau- und Planungsamtes des Kreises, Beatrix Aden. Denn es gelte, sich dem Thema gemeinsam zu stellen. Fast zeitgleich war am Montag in Düsseldorf der Waldschadensbericht des Landes NRW vorgestellt worden, der die Dramatik der aktuellen Situation deutlich macht: Dem Wald geht es so schlecht wie nie in den vergangenen 35 Jahren.

»Bäumen geht es nicht gut«

»Den Bäumen geht es wirklich nicht gut«, betonte auch Holger-Karsten Raguse, Leiter des Regionalforstamtes. »Wir sägen am eigenen grünen Ast.« So gelte es, die Bevölkerung für diese »wunderbare Schatzkiste Wald« zu sensibilisieren. Auf lokaler und regionaler Ebene müsse in die Zukunft geschaut werden. »Wir müssen erreichen, bunte und stabile Wälder zu bauen.« Das könne nur durch Zusammenarbeit erreicht werden, zeigte sich Andreas Roefs vom Regionalforstamt überzeugt. Denn Verantwortung erwachse aus dem Wissen um die Sache.

Um die Sache geht es auch den Kreisstellen der Landwirtschaftskammer. Geschäftsführer Till Jannis Pagels verweist auf das Umdenken. Die Kammer sehe hier Veränderungen bei Anbau- und Bodenbearbeitungsmethoden. Unter anderem Feldversuche würden der Landwirtschaft helfen. Mit Blick auf die leichten Böden komme es darauf an, diese so wenig wie möglich zu bearbeiten, um die Durchfeuchtung zu erhalten.

Wie akut die Auswirkungen des Klimawandels bereits sind, zeichnete Stefan Wiese vom Wasserverband Am Wiehen nach. In den vergangenen drei Jahren sei es in den Sommermonaten immer wieder zu Notständen bei der Wasserversorgung gekommen – und das nicht nur im heimischen Wasserbeschaffungsverband. Auf die Notstände sei zeitweise mit Sanktionen reagiert worden. Die sollten weitgehend vermieden werden. Die Wasserversorger reagieren mit der Verbindung von Netzen, um sich gegenseitig zu helfen. In Bad Oeynhausen-Bergkirchen wird zudem bis 2021 ein neuer Hochbehälter errichtet, der als Puffer dienen soll. »Es muss daran gearbeitet werden, dass die Verbraucher die Ressource Trinkwasser mehr wertschätzen«, sagte er. »2,2 Milliarden Menschen auf der Welt haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.«

Auch Fauna verändert sich

Dass auch die Fauna auf die deutlichen Klimaveränderungen reagiere, darauf wies Martina Vortherms, Arbeitsgruppenleiterin für Naturschutz und Abgrabungen im Umweltamt des Kreises, hin. Als Beispiele nannte sie den Eichenprozessionsspinner, der sich zunehmend ausbreite und zu Gesundheitsschäden beim Menschen führen könne. Der Salamander leide unter Pilzbefall. »Die Arten sind in einer besonderen Stresssituation.« Das Problem sei: »Wir haben akut nicht immer eine Antwort auf diese Situation.«

Der Kreis will mit verstärkter Nachverfolgung von vereinbarten Ausgleichsmaßnahmen beispielsweise im Straßenbau reagieren. Diese – wie zum Beispiel das Anpflanzen von Bäumen – würden nicht immer umgesetzt.

Besonderes Augenmerk gelte den Mooren im Mühlenkreis und darüber hinaus. Solange sich der Grundwasserspiegel um 20 Zentimeter unter der Oberfläche bewege, tragen diese Moore zur Senkung von Kohlendioxid bei. Sinke der Wasserspiegel aber deutlich ab, wie jetzt durch die trockenen Sommer geschehen, könne sich das Moor zum CO2-Emittenten entwickeln. So gehe es bei der Landschaftsplanung auch um Klimafolgenanpassung.

Der Kreis reagiert

Kommunen wie Bad Oeynhausen und Minden reagieren bereits Sie legten Klimaschutzkonzepte vor. Klimamanager nehmen das Thema in die Hand, beschrieb die Pressesprecherin der Stadt Minden, Susann Lewerenz. Auf die Klimaveränderungen reagiert werde mit Pflegekonzepten, dem Aspekt der Nachpflanzung von Bäumen, die hitzeresistenter seien, aber auch mit Hochwasserschutz und dem Risikomanagement bei Starkregenereignissen.

In diese Richtung arbeitet der Kreis ebenfalls. Hellerer Asphalt auf den Kreisstraßen soll dazu beitragen, dass diese weniger Wärme absorbieren und speichern. Zudem verfolgt der Kreis ein Konzept, dass die Nutzung von Fahrbahnen als Ableiter von Wassermassen nach Starkregenfällen vorsehen könnten. Unter anderem durch höhere Bordsteinkanten. Das Wasser könnte dann auf Flächen wie Sportplätze oder ähnliche Freiflächen gelenkt werden, um dort versickern zu können und Überflutungen zu verhindern, schilderte Beatrix Aden.

Konzepte miteinander verbinden, gemeinsam denken, seien die Ziele dieses Netzwerkes, betonte die Leiterin des Kreis-Umweltamtes, Beatrix Wallberg. Der Mühlenkreis arbeitet zudem an der Beteiligung an EU-Projekten wie dem Wasserstoffkonzept für Fahrzeuge. Hier ist auch die kreisfreie Stadt Bielefeld mit im Boot. Zu den Projekten gehört außerdem das Wasserableitungskonzept für Straßen nach Starkregen.

Begleitet wird das Netzwerk vom der Energieagentur NRW. Die unterstützt, informiert und verbindet. So könnten alle Beteiligten von konkreten Projekten gemeinsam profitieren und daraus einen Mehrwert schöpfen, resümierte Sabine Ohnesorge.

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