Reisegruppe des Kirchenkreises Lübbecke hört auch Sorgen
Unterwegs in Israel

Lübbecke (WB/wk). Eine Gruppe des Kirchenkreises Lübbecke ist von einer Studienfahrt nach Israel und Jordanien zurückgekehrt. Auf der zehntägigen Reise haben 25 Teilnehmer auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem besucht. Pfarrer Ulrich Hüsemann (64) berichtet, dass die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland in Israel mit einiger Sorge gesehen werde.

Donnerstag, 07.11.2019, 06:00 Uhr
Zehn Tage in Israel und Jordanien: Die Reisegruppe des Jugendpfarramtes mit Pfarrer Ulrich Hüsemann (mittlere Reihe, Dritter von links) befindet sich auf diesem Foto auf dem »Jesusboot«, das sie über den See Genezareth fährt.

»Sehr intensiv haben wir über das erneute Aufflammen des Antisemitismus in Deutschland gesprochen und die wachsende Sorge darüber in Israel«, sagt der Pfarrer. Gerade in Israel würde sehr aufmerksam verfolgt, was in Deutschland geschieht. Dazu gehöre auch der Anschlag auf eine Synagoge in Halle, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen.

Die Gruppe aus dem Kirchenkreis hatte vor Ort eine Reiseleiterin, die ihnen schilderte, dass sie ihre Eltern im Holocaust verloren habe. Sie habe ihnen gesagt: »Ihr tragt nicht die Verantwortung für die Dinge, die damals geschehen sind. Aber ihr seid verantwortlich für das, was heute geschieht.«

»Viele Menschen in Israel haben Angst«

Hüsemann: »Viele Menschen in Israel haben Angst. Sie fürchten sich vor den Entwicklungen in unserem Land und glauben nicht daran, dass sich die Judenverfolgung in Deutschland nicht wiederholen könne. Ich kann diese Angst nachvollziehen. Es kann wieder passieren.« Dass an diesem Samstag, 9. November, dem Gedenktag zur Pogromnacht, eine Demo der Partei »Die Rechte« in Bielefeld vom Verwaltungsgericht Minden zugelassen wurde, stößt bei Hüsemann auf Unverständnis: »Da wird mir schlecht.«

Der Besuch in Yad Vashem würde allen Reiseteilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben, berichtet Hüsemann. Auch ohne das aktuelle Geschehen in Deutschland ständig im Kopf zu haben, sei der Besuch der weltweit größten Gedenkstätte zum Holocaust »sehr bedrückend« gewesen. Es gebe dort zahlreiche Originale aus Nazi-Deutschland, unter anderem auch Schilder, auf denen Sätze wie ›In dieser Stadt sind Juden unerwünscht‹ stünde. In der Halle der Namen sind in Yad Vashem die Namen derer gesammelt, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. »Überall in Israel hört man deutsche Stimmen. In Yad Vashem ist das anders, da ist es still«, schildert Pfarrer Hüsemann.

Abgesehen von der Gedenkstätte besichtigte die Reisegruppe die Grabeskirche und den Tempelberg mit dem Felsendom. Den Shabbatbeginn der Juden durfte die Gruppe an der Klagemauer, der alten Westmauer des Jerusalemer Tempels erleben. Beeindruckt waren die Teilnehmer auch von den Glasfenstern von Marc Chagall in der Synagoge des Hadassa-Hospitals. Darüber hinaus wurden zahlreiche biblische Stätten besichtigt.

Stationen waren Tel Aviv und Nazareth

Von Tel Aviv aus ging es zum See Genezareth und zum Berg der Bergpredigt. Der Abstecher nach Nazareth wurde mit einer Bootsfahrt über den See Genezareth abgeschlossen. Auf dem Programm standen außerdem die Besichtigung der herodianischen Felsenfeste Masada, ein Badeaufenthalt am Toten Meer und ein Besuch der Geburtsgrotte in Bethlehem. Über das Jordantal ging es weiter nach Jordanien. Hier verbrachte die Gruppe einen Tag in der Felsenstadt Petra. Ein Teilnehmer bezeichnete die Reise nach der Rückkehr am Flughafen Hannover als »Kindheitstraum«, der in Erfüllung gegangen sei.

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