Brustkrebs-Gesprächskreis Lübbecke gibt Frauen seit fünf Jahren Halt und Kraft
Gemeinsam zurück ins Leben

Lübbecke (WB). Die Diagnose ist ein Schock. Wie soll es nun weitergehen? Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, suchen in dieser schwierigen Zeit oftmals Hilfe bei anderen Betroffenen. Dort finden sie eine Gemeinschaft und Ansprache, die weder Ärzte noch Familie und Freunde ihnen bieten können. Einen solch geschützten Raum schafft seit fünf Jahren der Gesprächskreis »Leben mit Brustkrebs«.

Samstag, 05.10.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 07.10.2019, 12:08 Uhr
Der Austausch macht Mut: (vorne, von links) Leiterinnen Ulrike Nebur-Schröder, Sabine Heinrich, (hinten, von links) Liesbeth Erber, Sonja Hilgefort und Annegret Nedderhoff. Foto: Kathrin Kröger

Die eigene Erkrankung hat Pfarrerin Sabine Heinrich veranlasst, ein solches Angebot ins Leben zu rufen. »Als ich im Frühjahr 2014 im Krankenhaus war, hatte ich viel Zeit zum Überlegen. Ich wollte gern meine Erfahrungen, in einem kirchlichen Rahmen, weitergeben.« In Gemeindepädagogin Ulrike Nebur-Schröder fand sie schließlich eine Partnerin für die Leitung des Gesprächskreises. Auch sie war mit der Diagnose »Brustkrebs« konfrontiert worden und konnte der Theologin, die gerade die akute Therapiephase erlebte, viele Fragen beantworten.

»Wir waren erschlagen von der Resonanz«

Die Kraft und Unterstützung, die durch den Austausch im Kleinen entstanden war, wollten die beiden Frauen auf einen größeren Kreis ausweiten. Als der Tag des ersten Treffens im November vor fünf Jahren gekommen war, trauten die beiden Leiterinnen kaum ihren Augen. Gleich ein gutes Dutzend nahm an der ersten Zusammenkunft teil. »Wir waren erschlagen von der Resonanz«, sagt Sabine Heinrich.

Ein freier, geschützter Raum, in dem die Frauen alles sagen können, was ihnen auf der Seele liegt – dafür sind die Teilnehmerinnen dankbar. Die Begegnung mit Gleichgesinnten macht das Herz ein wenig leichter. Das schwingt auch in den Worten von Liesbeth Erber, Sonja Hilgefort und Annegret Nedderhoff mit. Letztere bekam nach 15 Jahren zum zweiten Mal die schlimme Diagnose zu hören. Nachdem eine Operation überstanden war, erfuhr sie von dem Gesprächskreis. »Gezögert hab ich nicht. Ich hab gedacht, geh hin, guck dir das an. Hier braucht man nicht drumherum zu reden«, sagt Annegret Nedderhoff.

Und Sonja Hilgefort bekundet, dass sie sich jedes Mal auf das Treffen freue. »Ich war ganz am Boden zerstört. Dann bin ich hierher gekommen und da waren Frauen mit dem gleichen Schicksal, denen es gut ging. Das hat mir Aufwind gegeben.« Ein Satz wie »Ich habe schon viele Jahre überlebt« macht Mut. Außerdem könne man auch mal Dampf ablassen, zum Beispiel über die Erwartungshaltung, dass man einfach wieder gesund zu sein und zu funktionieren habe. Liesbeth Erber war gerade zurück aus der Reha, als sie über den Gesprächskreis in der Zeitung las. In der vertrauten Runde kann sie auch Aussagen von Mitmenschen verarbeiten, die verunsichert, bisweilen gedankenlos auf die Krankheit reagierten.

Der Gesprächskreis ist ein Rückzugsort

Vielschichtig ist das, worüber die Frauen reden. Es geht weit über das Erlebte in Krankenhäusern, mit medizinischen Untersuchungen und Therapien hinaus. Und: »Nicht nur Ängste, Wut und Trauer haben einen Platz, sondern auch Fröhlichkeit, Albernheit und Ausgelassensein«, sagt Sabine Heinrich und erinnert sich an einen Abend, als es um die Frage ging, was jeder Einzelnen gut tut. Die Frauen müssen sofort wieder lachen. Sonja Hilgefort fand in der Gruppe den Anstoß, auch mal faul zu sein. »Ich habe ein Leben lang immer nur gerackert und gönne mir das.«

Der Gesprächskreis ist ein Rückzugsort, an dem zusammen gelacht und zusammen geweint wird. In der Regel wohnen der Zusammenkunft etwa 20 Frauen bei, insgesamt sind es 35, die zur Gruppe gehören. »Daneben haben wir viele Frauen kennen gelernt, die in der Akutphase ihrer Krankheit bei uns den Austausch und Informationen gesucht haben, danach aber nicht wiedergekommen sind«, sagt Sabine Heinrich. Manche wollten nach der Rückkehr in den normalen Lebensalltag die Krankheit und alles, was damit zusammenhängt, hinter sich lassen. »Alles hier hat seine Zeit und sein Recht.«

Immer wieder werden Referenten eingeladen, zum Beispiel aus der Onkologie, Radiologie, Gynäkologie oder dem Sanitätswesen, die über ihr Fachgebiet sprechen, aufklären und Fragen beantworten. Zweimal im Jahr werden Feste organisiert, bei denen sich die Frauen bei gutem Essen besser kennen lernen können. Ausflüge oder auch ein Tag zum Thema »Entspannung« stehen ebenfalls auf der Agenda. Finanzielle Unterstützung erfährt die Brustkrebsgruppe durch den Kirchenkreis. Heinrich: »Der Glaube hat uns schon sehr geholfen.«

Leben mit Brustkrebs

Der Gesprächskreis »Leben mit Brustkrebs« in Trägerschaft des Evangelischen Kirchenkreises Lübbecke trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat. Beginn ist um 19.30 Uhr im Thomas-Gemeindehaus (Alsweder Straße 38 in Lübbecke). Die Veranstaltung ist für alle offen, gleich welcher Konfession oder ob konfessionslos. Fragen beantworten Ulrike Nebur-Schröder, Telefon 0160/4593125, und Sabine Heinrich, Telefon 05741/8232.

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