Blasheimer Markt: Seit 60 Jahren fahren Autos auf die Wiese von Ernst Lückingsmeyer
Parken ist Familiensache

Lübbecke (WB). Tausende Autofahrer suchen von Donnerstag bis Sonntag einen Parkplatz am Blasheimer Markt. Eine Option ist es, seinen Wagen auf der Wiese von Familie Lückingsmeyer abzustellen. Die Stellfläche mit dem schlichten Namen P 7 ist womöglich einer der ersten Privatparkplätze am Marktgelände. Seit mehr als 60 Jahren stellen Besucher genau hier ihren Wagen ab.

Mittwoch, 04.09.2019, 23:00 Uhr
Der Parkplatzgründer und seine Enkel: Ernst Lückingsmeyer (90) freut sich auf Autofahrer, die an den Markttagen seine Wiese ansteuern. Unterstützung erhält er unter anderem von Vincent (25, links) und Henrik Lückingsmeyer (13). Foto: Kai Wessel

Wer den Parkplatz P 7 am Wettlager Weg heute, morgen oder am Wochenende ansteuert, sieht an der Einfahrt möglicherweise Ernst Lückingsmeyer (90). Oder seine Gattin Anni (80). Oder die Söhne des Hauses. Oder eines der Enkelkinder. Oder den Schwiegervater der Schwiegertochter. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Autofahrer seinen Obolus an einen »echten« Lückingsmeyer überreicht, ist aber hoch. Denn der Parkplatz ist Familiensache.

»Es muss 1958 gewesen sein, als da zum ersten Mal Autos draufgefahren sind«, sagt Landwirt Ernst Lückingsmeyer. Damit war der ehemalige Acker an der B 65 einer der ersten Privatparkplätze am Blasheimer Markt. Die Idee dazu kam Lückingsmeyer beim Blick auf die Straßen: »Das wurde damals ja immer mehr mit den Autos.« In Zeiten des Wirtschaftswachstums konnten sich viele Bürger erstmals ein Auto leisten. »Da kamen VW, viele Opels und manchmal auch ein Mercedes«, sagt Lückingsmeyer.

Autos mit dem Trecker rausgezogen

An den Markttagen stand er von früh bis spät am Parkplatz, bei Wind und Wetter, bei Regen in Gummistiefeln. »Damals habe ich eine Mark genommen«, sagt der 90-Jährige. Gattin Anni meint sich zu erinnern, dass es auch mal viele 50 Pfennigstücke gab. Das müsse wohl nach der ersten Preiserhöhung auf 1,50 Mark gewesen sein, heißt es aus der Familie. So oder so brachte der Parkplatz Kleingeld für die Haushaltskasse.

Es gab Jahre, da waren die Autos auf der Wiese sogar gegen Parkrempler versichert, berichtet Lückingsmeyer. Das habe dazu geführt, dass viele Nutzer plötzlich Beulen an ihren Wagen bemerkten, die vor dem Aufenthalt auf dem Parkplatz angeblich noch nicht dagewesen seien. »Damals kamen Leute mit ihren Autos aus Lübbecke zu uns, die eigentlich auch zu Fuß zum Markt gehen konnten«, erinnert sich der 90-Jährige. Möglicherweise hatte die Versicherung irgendwann keine Lust mehr, für die ungewöhnliche Häufung von Blechschäden aufzukommen, denn eines traurigen Markttages war die schöne Sache mit der Versicherung vorbei.

In Erinnerung geblieben sind Ernst Lückingsmeyer besonders jene Markttage, die von Regen geprägt waren. »Damals blieben die Autos im Schlamm stecken. Wir haben sie mit dem Trecker rausgezogen.« Es gab ein Jahr, da war der Parkplatz nach schier endlosen Regenfällen dermaßen in Mitleidenschaft gezogen, dass er am Sonntag so schlammig wie das Wattenmeer und letztlich unbefahrbar war. Damit heutzutage ein ungetrübtes Parkerlebnis möglich ist, hat Familie Lückingsmeyer vor einiger Zeit Schotter auf der Wiese verstreut. »Den sieht man kaum, weil darüber Gras gewachsen ist«, sagt Lückingsmeyer.

Immer Zeit für ein Gespräch

Inzwischen verfügt jeder aus der Familie über reichlich Kundenerfahrung. Viele Besucher seien bekannt, da bliebe immer auch Zeit für ein Gespräch.« Gelegentlich kämen auch Beschwerden über den Preis, der mittlerweile bei marktüblichen 4 Euro liegt.

Als Rückzugsort steht für das Familienmitglied, das gerade Parkplatzaufsicht hat, ein Bauwagen mit gemütlicher Einrichtung zur Verfügung. Da gibt’s traditionell Zwetschgenkuchen nach altem Familienrezept. Wobei Ernst Lückingsmeyer noch eine andere Tradition pflegt: »Irgendeiner von uns muss ihm immer eine Bratwurst vom Markt vorbeibringen. Ohne die geht’s nicht«, sagt Schwiegertochter Melanie Lückingsmeyer.

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