Jahrhunderte alte Tradition auf dem Weddelage-Gelände
Blasheimer Markt ist nicht zu stoppen

Lübbecke-Blasheim (WB). Am Donnerstag das Feuerwerk, am Freitag die Firmenbelegschaften auf dem Platz, Samstag Gottesdienst und Sonntag sanfter Ausklang – ein Blasheimer-Markt-Wochenende hat seinen festen Ablauf – denken wir heute. Doch im Laufe der mehr als 450-jährigen Geschichte des Volksfestes hat es viele Veränderungen gegeben.

Donnerstag, 08.08.2019, 06:00 Uhr
Diese Kartengruß vom Blasheimer Markt aus dem Jahr 1900 zeigt zwar allgemein ein Kirmestreiben. Den Trubel darf man sich so ähnlich aber auch für den gesamten Blasheimer Markt vorstellen. Foto: Stadtarchiv Lübbecke/Sammlung Ria Meyer

Stadtarchivarin Christel Droste hat in ihrem Aufsatz über den Blasheimer Markt (erschienen in der Festschrift »969-2019. 1050 Jahre Altgemeinde Blasheim«) die komplizierte Geschichte des heutigen »Vier-Tage-Vergnügens« aufgearbeitet. Dabei wird deutlich: Ob Kriege, Krankheiten oder Kirchenzucht – auf Dauer konnte nichts die Blasheimer und Lübbecker davon abhalten, Anfang September ihren Markt auszurichten.

Vieh-Auftrieb

Selbst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Jahr später schon wieder zwei Tage lang Blasheimer Markt gefeiert: mit Groß- und Kleinvieh-Auftrieb, Raupenbahn, Flieger- und Kinderkarussellen, Schau-, Verlosungs- und Verkaufsgeschäften, wie es eine zeitgenössische Zeitungsnotiz auflistet. Die Menschen sehnten sich damals vielleicht sogar besonders nach Abwechslung und Freude.

Der Blasheimer Markt im Jahr 1971: Der Viehmarkt (links) und die Landmaschinen nahmen noch damals noch eine große Fläche ein. Das Marktgeschehen hat sich in den vielen Jahrhunderten stark gewandelt.

Der Blasheimer Markt im Jahr 1971: Der Viehmarkt (links) und die Landmaschinen nahmen noch damals noch eine große Fläche ein. Das Marktgeschehen hat sich in den vielen Jahrhunderten stark gewandelt. Foto: Stadtarchiv/Sammlung Bartocha

Die genauen Anfänge des Marktes liegen im Dunkeln, oder genauer: im »finsteren Mittelalter«. Lange Zeit kümmerte man sich im Lübbecker Land nicht um die Ursprünge des beliebten Festes, feierte lieber, als nachzurechnen. Wenn in diesem Jahr nun der 450. Blasheimer Markt begangen wird, dann stützt sich das auf einen Irrtum des früheren Stadtdirektors Heinz Tiemeyer. Er glaubte, einen Hinweis gefunden zu haben, wonach der Markt 1569 eingeführt und dem Schutzheiligen Aegidius geweiht worden sei. Deshalb wurde 1994 die 425. Auflage des Festes gefeiert. Danach konnten die Lübbecker Stadtchronisten zwar herausfinden, dass die Kirmes aller Wahrscheinlichkeit nach auf die Kirchweihe der Blasheimer Marienkirche zurückgeht und somit um 1200 erstmals gefeiert wurde. Doch ein genaues Datum lässt sich genauso wenig festmachen wie die Anzahl der tatsächlich gefeierten Märkte. Was war während der Pestepidemie? Was während des Deutsch-Französischen Krieges? Das gibt die Quellenlage leider nicht her. Warum also nicht bei der in den 90er-Jahren eingeführten Zählweise bleiben?

Die Kirmes

Bekannt ist hingegen, dass die Blasheimer Kirmes zunächst mitten im Dorf an der Kirche gefeiert wurde. Um 1730 wurde sie in das »Stadt-Geholtz der Weddelage« verlegt, dem heutigen Gelände. Bereits hundert Jahre zuvor hatte es eine andere einschneidende Veränderung gegeben: Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges, ohnehin eine Zeit des Gedenkens an Tod und Sünde, wurde erlassen, Märkte entweder samstags oder montags, nicht aber am Sonntag abzuhalten. Die Bevölkerung habe »auß dem tage des geboths und (...) zucht ein tag des geistes undt gewerbs gemacht, Gott genohmen undt der Welt zugelegt«. Über mehrere Generationen hinweg wurde nun montags gefeiert.

Kirchen-Kritik

Kritik von Seiten der Kirche kam auch in den Hoch-Zeiten des Minden-Ravensberger Pietismus auf. So war einer der schärfsten Gegner des Blasheimer Marktes der Gemeindepfarrer Heinrich Husemann, der in der Erweckungsbewegung zu Hause war. Damals, um 1900 herum, wurde offenbar sonntags und montags gefeiert. Husemann hielt fest: »Ein Kreuz für die Gemeinde ist der Markt, welcher am Sonntagnachmittag und Montag gehalten wurde. Wenn die Christenlehre zu Ende war, stürzten die Kinder auf den Markt.« Er berichtete von einer Frau, die den Markt für den »Vorhof zur Hölle« hielt. Doch trotz aller Anstrengen des Pastors – es gab sogar eine Art fromme Gegenveranstaltung auf Gut Obernfelde – hatte der Markt sein Publikum.

Nach dem Ersten Weltkrieg florierte der Marktbetrieb so außerordentlich, dass die Organisation verändert wurde. Ab 1922 wurde für die Zwei-Tage-Veranstaltung ein Standgeld erhoben. Die Gemeinderatsmitglieder, die zuvor ehrenamtlich das Geschehen überwachten, erhielten nun Entschädigungen: Streitigkeiten, Diebstähle, Belästigung der Anwohner hatten so zugenommen, dass diese Aufgabe wahrlich kein Hobby mehr war. Seit 1953 gibt es einen Marktausschuss, der sich um die Ordnung auf dem Festplatz kümmerte.

Bebauung

In den darauffolgenden Jahren wurde die Bebauung des wachsenden Marktes genau geregelt, Vieh- und Krammarkt beispielsweise getrennt, der Schnapsausschank reglementiert, Infrastruktur (Wasser, Strom, asphaltierte Wege) geschaffen. War die Marktzeit schon auf drei Tage angewachsen, feiert man seit dem Jubiläum 1994 zum 425. Markt nun vier Tage – inklusive Böllerschüssen zur Eröffnung, Feuerwerk zu Beginn und nicht mehr am Ende. Der nächste Wandel steht nun zur 450. Auflage bereit: ein Empfang mit prominentem Redner am Freitag. Was wohl die Zukunft noch bringt?

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