Neue Führung »Wege vom Bahnhof in die Stadt« gibt Einblicke in die Lübbecker Geschichte
Touristen kamen mit Sonderzügen

Lübbecke (WB). Wer hätte gewusst, dass am Lübbecker Bahnhof einst pro Tag bis zu 78.000 Menschen unterwegs waren? Fakten wie diese erhielten am Samstag die Besucher der neuen Stadtführung am und um den Bahnhof. Gemeinsam rätselten die Teilnehmer, welche Häuser sich damals wo befunden haben.

Montag, 05.08.2019, 10:00 Uhr
So hat der Bahnhof im 19. Jahrhundert ausgesehen: Stadtführer Uwe Feldmann zeigt es der Gruppe. Seine Kollegin Brigitte Küttemeier (rechts) gab während der neuen Führung »Wege vom Bahnhof in die Stadt« zahlreiche Einblicke in die Geschichte. Foto: Jessica Eberle

Stadtführerin Brigitte Küttemeier steht am Buswartehäuschen vor dem Bahnhof und hält das Bild der Einweihung des Bahnhofs im Jahr 1899 in die Höhe. Die Besucher staunen über das Alter des Bahnhofs. In Massen drängen sich die Menschen auf dem Foto am Bahnhof. »Da war ganz schön was los«, sagt jemand.

Zu damaligen Zeiten war tatsächlich viel los am Lübbecker Bahnhof. Während im Jahr 1902 noch 50.000 Fahrgäste die Züge nutzten, konnten nur sechs Jahre später bereits 78.000 Menschen gezählt werden. »Für die Touristen mussten sogar Sonderzüge eingesetzt werden«, sagt Brigitte Küttemeier. Die Gäste schmunzeln. Damit haben die wenigsten gerechnet.

Mindener Kleinbahn

Erinnern können sich einige der Teilnehmer zumindest an die Mindener Kleinbahn (Eröffnung: 1907), die auch durch Lübbecke fuhr. Sie wurde damals für den Personenverkehr und die Industrie eingesetzt. Insgesamt 16 Haltestellen hatte die Strecke, auf der sich heute die B65 befindet. »Schnell war die nicht gerade, aber man war immerhin vernetzt«, weiß eine Teilnehmerin.

Während des Zweiten Weltkriegs befand sich östlich vom Bahnhof auch ein Bunker, sagt Küttemeier. Wie das damals war, kann eine Zeitzeugin der geschichtsinteressierten Gruppe berichten. Die Lübbeckerin Helga Tabel denkt daran zurück, wie sie als Kind mit ihrer Familie zwei Mal in eben diesen Bunker musste, als der Alarm ausbrach. »Das war keine schöne Zeit da unten. Wir waren froh, als wir da wieder raus waren«, sagt sie.

Die Teilnehmer durchqueren die Kaiserstraße, an der Ende des 20. Jahrhunderts die erste Berufsschule erbaut wurde – damals noch mit Geschlechtertrennung, wie Küttemeier aus eigener Erfahrung berichtet. Jungen und Mädchen hätten verschiedene Pausenausgänge nutzen müssen.

Theater und Casino

An der Pettenpohlstraße (zu Hochdeutsch: Froschteich) befand sich einmal die Landwehr inklusive Froschteich. Auch Gebäude wie das Baugeschäft Schröder sowie die Buchdruckerei Uhle und Kleimann waren dort einst ansässig. Die Gruppe erreicht die Andreas­straße. Hier siedelten sich viele Briten nach dem Zweiten Weltkrieg an. Insgesamt 250 Häuser wurden von den Briten annektiert.

Entlang der Bahnhofsstraße gibt es für die Teilnehmer der Führung besonders viel zu entdecken beziehungsweise zu erfahren. Dort befand sich zum einen das ehemalige Zentral-Theater, das 1953 erbaut wurde. Hier wurden Konzerte gegeben, Theater- und Filmaufführungen gezeigt. »Damals ging man noch hin«, sagt Küttemeier. Zu der Zeit habe es etwa 300 Fernseher gegeben, die höchstens zwei Stunden am Tag liefen. Unter dem Theater gab es einst ein Casino, das auch zum Feiern genutzt wurde.

Ein bekanntes Gebäude war außerdem das ehemalige Wohnhaus des jüdischen Kantors und Seelsorgers Frank Lazarus. Im Jahr 1938 wurde sein Haus geplündert. Er schaffte es vorher, nach Palästina auszureisen. »Hier hat sich viel verändert. Von dem Haus, das wirklich sehr schön war, ist nicht mehr viel übrig«, sagt Küttemeier.

»Viel Neues«

Nach etwa zwei Stunden erreichen die Teilnehmer wieder ihren Ausgangspunkt: den Bahnhof. Teilnehmerin Kristine Heinecke zieht für sich ein positives Fazit: »Auch wenn ich Ur-Lübbeckerin bin, habe ich sehr viel Neues mitgenommen und die Stadt wieder von einer anderen Seite kennen gelernt.«

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